Ein Schwelgen in nostalgischem Gefilde und Notweeten statt Retweeten

Vom Windows 98 Computer habe ich noch eine Tastatur, auf der ich damals sehr gern geschrieben hatte.
Auf keiner späteren Tastatur der Computer-Nachfolger hatte ich das gleiche Tasten­ge­fühl bekommen.
Heute habe ich sie mal testweise mit ihrem PS/2-Anschluss über einen Adapter an­ge­schlos­sen.
Irgendwie interessant.
Teilweise kam es mir vertraut und teilweise auch fremd vor. Wie bei einer gut bekannten Person, der man nach langer Zeit wieder begegnet.
Das irritierendste dabei war, dass es sich um eine helle Tastatur handelt, während alle, die ich später benutzte, immer dunkel waren.
Also 'hell' ist genau genommen ein bisschen geschönt beschrieben.
Im Originalzustand war sie mal ursprünglich cremeweiß. Sehr angenehm anzusehen. Genau die Art von weiß, die ich total bevorzuge.
Zu der Zeit des Win 98 Computers hatte ich jedoch noch geraucht. Da kann man sich jetzt gut vorstellen, was die Tastatur nach permanentem Gebrauch für Spuren bekam.
Sie sieht ein bisschen, sagen wir mal, 'versifft' aus.^^
Aber das tut der Liebe keinen Abbruch. Im Gegenteil. Es kommen beim Umgang mit ihr so viele Erinnerungen an die Zeit damals hoch, was ich alles mit ihr geschrieben und pro­gram­miert hatte.
Jedenfalls werde ich mich von dieser Tastatur nicht trennen, solange sie noch so ein­wand­frei funktioniert.
Ich habe ja den Eindruck, dass die Qualität der Hardware bei den Discountern damals, 1998/1999, noch besser war als zu späteren Zeiten.
Denn das Tastengefühl ist bei dieser Tastatur trotz erklärlicher Abnutzungserscheinungen noch besser als bei den späteren Tastaturen, die kein prä­zi­ses Tastengefühl mit einem merkbaren Druckpunkt mehr haben.
Bei jedem neuen Computer habe ich aber immer auf der mitgelieferten Tastatur geschrieben.
So eine neue Tastatur hat ja auch was. Außerdem hatten die späteren Tastaturen in der Regel auch Extratasten für bestimmte Funktionen,  zum Beispiel eine 'Pennertaste', mit der man den Computer in den Ruhemodus schicken kann.
Zur Zeit benutze ich immer die Tastatur des Vista-Systems, PS/2 über Adapter an USB. Diese stecke ich wahlweise zwischen Notebook und PC um, je nachdem, wo ich etwas schreiben will. Das hat sich am praktischsten herausgestellt. Für zwei Tastaturen habe ich keinen Platz hier oben.
Und diese Tastatur finde ich zum Schreiben auch recht angenehm.
Übrigens, noch lieber als die weiße Tastatur des Win 98 Computers war mir die tief­schwar­ze Tastatur des Win 3.1 Computers von ESCOM (die Firma existiert schon lange nicht mehr). Diese hatte relativ flache und leichtgängige Tasten mit einem guten Druckpunkt.
Alle PCs der damaligen Zeit hatten meistens die cremeweiße Farbe, nur ESCOM brachte ein tiefschwarzes System heraus.
Das schwarze System mit dem schwarzen Tower, dem schwarzen Monitor und der schwarzen Tastatur sah einfach geil aus. Und Preis und Werte stimmten zum damaligen Zeitpunkt. Da hatte ich mich dann zum Kauf entschieden und den Wechsel vom C64 zu meinem ersten echten PC vollzogen.
Junge, Junge, was für ein Hochgefühl. :)
Damals verdiente ein "Tower" aus noch diese Bezeichnung, weil er mit seiner Höhe von 65 cm ein ziemlich hoher Klotz war/ist.^^
Mein jetziger PC hat nur eine Höhe von 37 cm. Das ist im Vergleich ein "Täuerchen". Und das Täuerchen findet auf dem Tisch, und nicht unter bzw. daneben seinen Platz.
Der ESCOM-Tower steht hier übrigens immer noch links von mir. Ich nutze den als Arbeitsfläche für die Maus. Und dafür hat er die perfekte Höhe und Position.
Daher hatte ich den bei jedem Computerwechsel auch einfach immer stehenlassen. (Schon der Win XP Computer passte auf den Tisch.)
Die Maus mit der linken Hand zu bedienen, hat mir übrigens nie Probleme gemacht.
Ich kann beide Hände feinmotorisch gleichermaßen benutzen. Wahrscheinlich ist das die Folge von jahrelangem Gitarrespielen. Das ist jedenfalls meine Vermutung, denn eigent­lich war ich als Kind und Jugendlicher bis zu meinem Gitarrenunterricht ein klas­si­scher Rechtshänder. Aber das Greifen der Töne und Akkorde auf dem Griffbrett schult die linke Hand.
Noch ein Punkt kommt dazu. Bei der klassischen Gitarre müssen an der linken Hand die Nägel kurz sein, während sie an der rechten Hand länger sind. Die rechte Hand ist bei gröberen Arbeiten dann immer in Gefahr, dass an irgendeinem der Finger ein Nagel ein­reißt oder abbricht.
Das ist natürlich Mist, wenn man die ganze Woche schön geübt hat, und am Tag vor der nächsten Gitarrenstunde bricht einem ein Nagel ab, und die ganze Mühe der Übung geht zum Teufel, weil man das Musikstück dem Gitarrenlehrer nicht richtig vorspielen kann.
Daher hatte ich mir sehr früh schon angewöhnt, für gröbere Verrichtungen die linke Hand einzusetzen, die sowieso als Greifhand beim Gitarrenspielen auch relativ kräftig zu­grei­fen kann, die rechte Hand dagegen dabei zu schonen und sparsamer zu benutzen. Wie gesagt, nur bei gröberen Arbeiten.
Irgendwann habe ich auch gemerkt, dass ich bei feinen Arbeiten, z.B. beim Rein- oder Rausdrehen feiner Schräubchen mit einem kleinen Schraubenzieher, gar nicht bewusst die eine oder die andere Hand einsetze. Ich nehme die, welche am besten an die be­tref­fende Stelle herankommt.
Na, jedenfalls war es von vornherein kein Problem für mich, die Maus mit der linken Hand zu bedienen.
Ich nutze die übrigens mit der Grundeinstellung als 'Rechtshändermaus'.
Mittelfinger für die linke Maustaste, Zeigefinger für die rechte Maustaste und das Scroll­rad.
Das geht perfekt.
.....
Manche Unarten bei Twitter haben sich ja inzwischen ziemlich verbreitet.
Twitter wird immer mehr zu einer Plattform mit erschlagender Redundanz, die kontra­pro­duk­tiv alles immer mehr in einem Sumpf ungefilterter Retweets versinken lässt, weil jeder meint, einen wichtigen Beitrag zu leisten, indem er alles ohne wirk­li­chen Mehr­wert nur wiederholt.
Aber wirklich sinnvolle Beiträge mit Nachrichten- und Informationswert sind in diesem Wust nicht mehr zu erkennen. Aber das scheinen die wenigsten zu merken.
Jeder retweetet munter vor sich hin und macht die Trump-Spielchen mit Falsch­nach­rich­ten und der Ver­rohung der Sprache mit.
"Wichtig, wichtig, wichtig." "Ich auch, ich auch, ich auch."
Viel davon hat auch fatale Auswirkungen.
Denn wer eine falsche, verkürzende oder verschleiernde Nachricht weiterverbreitet mit dem Satz: "Ich bin nicht dieser Meinung!", macht sich zum Spielball anderer und wird von jenen instrumentalisiert, die solche Nachrichten in die Welt setzen.
Er wird zum ihrem Zielobjekt der Instrumentalisierung und macht Werbung für sie.
Denn Negativwerbung ist genauso werbewirksam wie Positivwerbung.
Und es steckt Kalkül dahinter, provokante Schlagzeilen zu machen. Doch die meisten, die solche Botschaften "retweeten", sind sich dessen gar nicht bewusst. Wenn sie es wären, würden sie es wohl nicht machen.
Und noch eine Unart verbreitet sich.
Die oben bereits erwähnte Verrohung der Sprache.
Es wird ein verkürzter Satz in den Raum gestellt, der bei näherem Hinsehen überhaupt nicht vereinbar mit einer menschenwürdigen Werteordnung ist.
Es werden demokratische politische Entscheidungen angeprangert mit Sätzen: "Der oder die muss deshalb weg!"
Wie kann man so etwas allen Ernstes sagen, dass ein Mensch "weg muss"?!
Und das mit dem Argument, dass man doch politisch korrekt sei und die demokratische Werteordnung vertreten würde?
Nein, man übernimmt damit genau die Sprache der Populisten, gegen die man meint Front zu machen, von wegen "Wehret den Anfängen".
Ich weigere mich permanent, dieses Retweeten mitzumachen und dazu einen nichts­sagen­den Satz begleitend zuzufügen, der sowieso in der Menge der Millionen anderer nichtssagender Sätze untergeht.
Also, statt 'Retweeten' heißt es bei mir: 'Notweeten'.^^"A blog a day keeps the blogger to stay." ^^ (Tamaro)

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