Ein Punkt in Raum und Zeit

Kaugummikauen! Aber nicht irgendwie. Lang rausziehen aus dem Mund, ein Lasso draus machen. Über die Nase stülpen und zu einem kleinen Luftballon aufblasen. Ihn als Mini-Slip formen und vor die Hose halten. Und dabei mit dem Publikum interagieren.

Der vergnügliche und höchst gelungene Einstieg des Tanzstückes „Age Surfer`s Symphony“ von Gisela Elisa Heredia & tanz.coop, das im KosmosTheater uraufgeführt wurde, gibt die Marschrichtung der Inszenierung vor, die heißt: Tanz ist Unterhaltung. Aber Tanz kann auch viel mehr sein, erfährt das Publikum schon im nächsten Moment.

Christina Zauner kommt auf die Bühne, hängt sich mit einer Hand an ein von der Decke befestigtes Seil und schwingt ihren Körper durch den Raum. „Der Tanz ist ein Ort auf der Welt. Die Welt ist ein Ort im All. Das All ist eine zugeschissene Grube finde ich. Meine Mutter sagt: Dein Zimmer ist unordentlich! Räum es auf! Ich räume es aber nicht auf.“ Diese Sätze, die von der durch die Luft schwebenden Tänzerin kommen, stammen von Wolfram Lotz. Jenem jungen Autoren-Shooting-Star, der vor Kurzem im Burgtheater mit seinem Stück „Lächerliche Finsternis“ reüssierte. Wobei, wenn man es ganz genau nimmt, so ist bei Lotz nicht der Tanz angesprochen, sondern das Theater. Aber in diesem Fall geht es um das Medium Tanz und auf das passt das Lotz-Zitat genauso treffend. In einer späteren Szene hängt die Tänzerin rund um die Hüfte festgezurrt am selben Seil und beeindruckt noch einmal mit ihren grazilen Bewegungsmomenten in der Luft. Aber man muss auch kurzfristig den Atem anhalten, wenn sie dabei den Wänden bedrohlich nahe kommt.

Schon in ihrem Vorgängerstück „Perfect Stranger“ setzte Gisela Elisa Heredia einige jener Ingredienzien ein, die auch dieses Stück interessant machen: Eine unglaubliche Leichtigkeit im Umgang mit dem Thema Tanz an sich, spannungsgeladene Momente, in welchen heftige Emotionen aufeinanderprallen und nicht zuletzt jede Menge Humor, der ins Publikum überschwappt.

Dabei agieren Sarah Merler, Christina Zauner und Yusimi Moya Rodriguez als Tanzprofis, die mit einer Mischung aus Bodenakrobatik und zeitgenössischem Tanz die erste Hälfe des Abends fulminant bestreiten. Dafür brauchen sie auch keinen großen Plot, außer der Imagination, dass sich die drei zum Teil aus der Schule kennen und sich nicht immer nur wohlgesonnen sind. Da darf auch gerangelt werden, bis hin zu körperlicher Gewaltausübung und psychischem Druck. Da werden aber auch Bewegungsabfolgen synchron gezeigt, die aufgrund ihrer choreografischen Vielfalt atemberaubend sind. Und ein wunderbar komisches Fangspiel mit verbundenen Augen strapaziert die Lachmuskeln der Zusehenden minutenlang.

Mit der 8-jährigen Sophie Mac Gregor und Martina Varga, 1954 geboren, ergänzen zwei Tanz-Laien das Setting. Mit ihrem Auftauchen verlangsamt sich zwar das extreme Tempo, das von den drei jungen Tänzerinnen vorgegeben worden war. Zugleich jedoch erhalten alle Beteiligten individuellere Züge. Dass auch ältere Semester in einer Disco tanzen dürfen, dass auch Kinder in eine Choreografie professionell eingebunden werden können – all das bekommt das Publikum bei diesen Auftritten vermittelt. Dass Gegensätzlichkeiten zu ästhetischen Tanzabläufen wie Rangeleien und andere körperliche Übergriffe letztlich auch das Leben abseits der Bühne in das Geschehen hineinnehmen, gibt der Produktion einen besonderen Kick. Bislang galt die alte Bühnenweisheit, dass man davon absehen sollte, mit Kindern aufzutreten. In der „Age Surfer`s Symphony“ darf diese Weisheit mit der Aussage erweitert werden, dass es auch nicht ratsam ist, sich eine ältere, unerfahrene Tänzerin in eine Tanzproduktion zu holen. Noch dazu, wenn diese eine tolle Bühnenpräsenz aufweist und damit die Kolleginnen in den Schatten stellt.

Die wichtigste Erkenntnis jedoch, die als Leitmotiv dieser Produktion spürbar wurde, ist, dass Tanz mehr als nur ein Bühnenvehikel ist, Ideen zu transportieren. Er ist dazu da, sich in ihm nach seinen eigenen Möglichkeiten auszudrücken. Er ist dazu da, sich in ihm professionell weiterzuentwickeln und er ist nicht zuletzt vor allem auch dazu da, dem Publikum Spaß zu bereiten.


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