Ein katholischer Missionar in Ostafrika (1)

Dieses Buch wollte ich schon lange lesen, weil es mir von verschiedenen Leuten empfohlen wurde (Vincent Donovan: Christianity Rediscovered). Es berichtet ein katholischer Missionar, der vor Jahrzenten bei den Massai Ostafrikas arbeitete. Als er (in den 60er Jahren?) aus Amerika in Tansania ankam, hiess Mission, dass man Schulen betrieb und grosse Missionsstationen unterhielt. Ziel war es, möglichst viele Schüler in die Schulen zu bringen, die dann neben Mathematik und Englisch natürlich auch in Religion unterrichtet wurden. Diese Strategie war nicht ganz erfolglos, denn manche der ersten Staatsoberhäupter jener Region wussten sich der katholischen Kirche verpflichtet.

Bei den Massai aber funktionierte es nicht, denn nur ausnahmsweise ging ein Massaikind in eine Missionsschule, und wenn es nach der Schulzeit zu seiner Familie zurück kehrte, ging es oft nicht lang, bis der christliche Glaube dem traditionellen wich. Donovan sah, dass dies sinnlos war und suchte nach einer Alternative. Und diese Alternative beschreibt er in seinem Buch.

Das Bemerkenswerte an diesem Buch ist, dass es zwar von einer besonderen Mission unter den Massai im fernen Afrika berichtet, aber eigentlich — auch in der Absicht des Autors — die Christen im Westen zum Nachdenken anregen will. Denn auch bei uns hat man es in Sachen Evangelisation mit einer Volksgruppe zu tun, welche dem Evangelium gegenüber weitgehend verschlossen ist.

Donovan sah, dass die Strategie der Missionsstation, wo man die Menschen zu sich lockt, für die Massai nicht erfolgreich war. Stattdessen wollte er zu ihnen gehen. In seinem Vorgehen inspirierte sich Donovan zudem am Vorgehen von Paulus, der auf seinen Missionreisen jeweils nur beschränkte Zeit an einem Ort blieb. Paulus sah seinen Auftrag so, dass sie ein Ende haben konnte: die „erste Evangelisation“ unterscheidet sich in diesem Punkt grundlegend von Jüngerschaft, die eben kein Ende hat. „There is something definitely temporary about Paul’s missionary stay in any one place. There is something of a deadly permanence in ours.“

Mit diesen Grundlagen arbeitete Donovan mit einem strickten Plan: Während einem Jahr wollte er sechs verschiedene Massai-Gemeinschaften ein Mal wöchentlich besuchen und ihnen die Grundlagen des christlichen Glaubens erklären. Am Ende dieser Zeit würde er die Gruppe fragen, ob sie Christen werden wollten oder nicht, und sich dann den nächsten sechs Gruppen widmen.

In dieser Arbeit war von Anfang an klar, dass Donovan nicht als allwissender Lehrer kommen konnte, sondern dass man sich auf einen gemeinsamen Lernprozess einliess. Natürlich wollte Donovan eine Botscchaft erklären, aber er musste im Gespräch entdecken, wie diese Botschaft als relevant und auf eine verständliche Art kommuniziert werden konnte. Er wollte die Punkte finden, an welchen sich das Evangelium an der Massaikultur anknüpfen konnte.

(Fortsetzung folgt)



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