Ein Erfahrungsbericht: Zahnärzte, Kieferfehlstellung und Kieferoperationen

Kieferfehlstellungen kennen die meisten Menschen – kaum ein Kiefer ist von Geburt an zu 100% perfekt. Ein Kreuzbiss, Vorbiss oder Rückbiss resultiert nicht selten daraus, dass der Kiefer generell zu eng ist, die Zähne zu wenig Platz finden und sich anordnen wie sie möchten. Viele geben sich natürlich auch mit 70 oder 80% Perfektion zufrieden – was aber, wenn die Auswirkungen der Fehlstellung immens sind? Insbesondere starke Spannungskopfschmerzen können von Verspannungen in der Kiefermuskulatur herrühren, welche durch Fehlstellungen oder Zahnlücken entstehen können. Und auf Dauer werden sowohl die fehlende Ästhetik als auch die dauernden Schmerzen Teil psychischer Probleme, die man langfristig nicht unbedingt ignorieren sollte.

Genug der Theorie. Warum erzähl ich Euch das überhaupt? Ganz einfach: Weil ich es erlebt habe. In den letzten knapp drei Jahren habe ich eine kieferorthopädische und -chirurgische Odyssee hinter mir, die ich hier gerne teilen würde. Durch meine Recherchen während dieser Zeit in alle möglichen Richtungen, habe ich schnell gemerkt, dass es unfassbar viele Menschen gibt, die dieses „Krankheitsbild“ teilen oder ähnliche Probleme haben. Und nicht zuletzt durch Plattformen wie Progenica habe ich feststellen dürfen, dass Leute sich immer mehr für ihre Möglichkeiten und Erfahrungsberichte interessieren. Genau deshalb möchte ich hier ein bisschen was von dem erzählen, was ich durchlebt habe.

Der Ursprung allen Übels

Die Vorgeschichte kurz zusammengefasst: Als Kind geweigert, die lose Zahnspange zu tragen, eine feste Spange kam aus mir unerfindlichen Gründen nicht infrage. Verschiedene grenzwertige Erfahrungen mit meinem damaligen Zahnarzt und schwupps – nie wieder hingegangen. Probleme mit den Zähnen selbst hatte ich übrigens tatsächlich nie. Als ich dann vor fünf Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich dann allen Mut zusammengesammelt und mich relativ zeitnah auf die Suche nach fähigen und vertrauenswürdigen Ärzten gemacht. Nachdem ich mit den Adentics in ihrer brandneuen Praxis am Leipziger Platz direkt einen Glücksgriff gelandet hatte, war schnell klar, dass die Behandlung losgehen konnte. Verschiedene Untersuchungen und Gespräche haben dann ergeben, dass die Krankenkasse aufgrund der gesundheitlichen Auswirkungen meiner Fehlstellungen ganze 80% der Behandlung übernimmt. Ein ziemlich wichtiger Punkt für die finale Entscheidung, denn eine Behandlung dieses Umfangs beläuft sich schnell mal auf Kosten in Höhe von 10.000€ – 20.000€ oder mehr. Dieser Kostenpunkt setzt sich wie folgt zusammen:

  • Untersuchungen und Behandlungen beim Kieferorthopäden
  • Untersuchungen und Behandlungen beim Kieferchirurgen
  • Blutuntersuchung inkl. Feststellung der Blutgruppe
  • Kosten für eine feste Zahnspange
  • Materialkosten für Titan-Einsätze am Kiefergelenk
  • Kosten für die Operationen selbst
  • natürlich die Krankenhaus-Aufenthalte

Vollnarkosen, Kieferbrüche, Zwangsdiät

Nachdem ich Dank einer Empfehlung der Adentics in Dr. med. Ramin Zarrinbal und der Havelklinik Berlin kompetente Partner für den schwierigen Teil der Behandlung gefunden hatte, hab ich mich teilweise sogar schon buchstäblich auf die anstehenden Operationen gefreut.

1. Gaumennaht-Erweiterung (GNE) & Unterkieferdistraktion

Bei meiner ersten OP 2013 wurden meine beiden Kiefer „geweitet“. Während dem circa 5-stündigen Eingriff selbst wurden beide Kiefer angebrochen und zwischen den Zahnleisten mit sogenannten Distraktoren ausgestattet. Durch kleine Handgriffe an den Geräten wurde der Kiefer quasi Tag für Tag vorsichtig gespreizt. Während wir es am Oberkiefer selbst machen „durften“, musste ich zusätzlich fast jeden Tag zum Kieferchirurgen fahren, damit er mir den unteren Teil richtig einstellt. Zum einen, weil es im Unterkiefer wohl generell schwieriger ist, zum anderen, weil der untere Distraktor zum Teil mit Schrauben im Knochen befestigt war, wohingegen der obere lediglich „eingeklemmt“ wurde.

Die Heilungsphase nach der OP hat sich natürlich etwas in die Länge gezogen, da sich der Kiefer erst nach einigen Wochen im „Ruhezustand“ befand. Blutergüsse und Schwellungen waren nach circa vier Wochen überwiegend verschwunden, Schmerzen hatte ich während der gesamten Zeit (wahrscheinlich Dank Schmerzmittel und Antibiotikum) keine. Das Weiten der Knochen war natürlich nicht unbedingt angenehm, aber der „Druck“ verschwindet kurz nach dem Drehen und somit war das ganze wirklich erträglich. Nach einigen Wochen waren also beide Kiefer ausreichend geweitet. Der obere Distraktor wurde entfernt, der untere durfte bis zur zweiten Operation warten.

2. Bimaxilläre Umstellungsosteotomie (Bimax)

Im Herbst 2014 ging es dann final darum, dass beide Kiefer, die ja nun endlich in eine ordentliche Breite  gebracht wurden, an die richtige Stelle versetzt werden sollten. Da mein Hauptproblem ein Kreuzbiss ist war, wurde also mein Oberkiefer nach vorne gebracht und der Unterkiefer wurde zeitgleich seitlich versetzt. Wie das genau funktioniert habe ich zu einem Drittel verdrängt, zu einem weiteren Drittel vergessen und zum letzten Drittel nie wirklich verstanden. Auf jeden Fall wurden auch hier wieder beide Kiefer gebrochen. Seit diesem Eingriff, für den ich übrigens ganze acht Stunden in Vollnarkose verbracht habe, habe ich jedenfalls Titanplatten am Kiefergelenk und ein Gesichtsprofil, das mich zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht unbedingt zum Heulen bringt.

Da ich den ganzen postoperativen Ablauf (Pflege, Kühlung, Medikation, Heilungsprozess, Ernährung, etc.) zu diesem Zeitpunkt natürlich aufgrund der ersten Operation schon kannte, fiel mir die Zeit der Heilung auch nicht schwer. Blutergüsse und Schwellungen gab es auch hier wieder zuhauf – anscheinend habe ich dafür ein Händchen. Während sich die Farbtöne meines Gesichts nach wenigen Wochen wieder im Normalbereich befanden, hatte ich mit der ein oder anderen kleinen (!) Schwellung, die wahrscheinlich nur mir selbst aufgefallen ist, etwas länger zu kämpfen. Passend dazu verschrieb mein Kieferchirurg mir aber Lymphdrainagen und manuelle Therapie, was in Kombination wirklich wahre Wunder bewirkt. Aber auch hier war während der gesamten Zeit von Schmerzen keine Spur.

Und jetzt?

Zeitlich gesehen war die Entscheidung, die Behandlung während meines Studiums durchzuführen, die absolut richtige. Ich habe Dank der nicht-vorhandenen Anwesenheitspflicht meiner Uni, eine großzügigen Ferienplanung und verständnisvollen Dozenten alle meine Module im dafür vorgesehenen Zeitraum abschließen können und stand diesbezüglich zu keinem Zeitpunkt unter Stress. Bis auf einige Wochen nach OP Nummer 1, in denen ich dank der Distraktoren nicht so sprechen konnte, wie ich es gern getan hätte, war ich nie wirklich eingeschränkt. Klar, das Essen musste wochenlang flüssig sein und auch die Brackets verlangen natürlich nach entsprechendem Essverhalten, aber damit kommt man im Zuge einer langfristigen „Zwangsdiät“ dann doch ganz gut klar.

Nachdem ich vergangene Woche noch eine kleine ambulante Operation hatte (Zähne mussten aus dem Gaumen entfernt werden, da sie wegen der Fehlstellung nie „durchbrechen“ konnten), bin ich jetzt endlich fertig. Keine Vollnarkose mehr, keine Knochenbrüche mehr. Im Laufe der nächsten Monate wird durch die Drähte noch ein wenig fine tuning betrieben bis ich dann irgendwann den ganzen Quatsch entfernt bekomme und das glücklichste Mädchen der Welt sein kann.

061001001437321984Trotz der zwar routinierten, aber dennoch schwierigen Eingriffe, der verschiedenen Einschränkungen und brutalen Schwellungen muss ich sagen, dass ich alles genauso wieder tun würde. Neben dem Schritt, nach Berlin zu ziehen und der Entscheidung, meinen besten Freund zum Mann zu nehmen, war die Entscheidung für diese Behandlung auf jeden Fall die beste in meinem Leben. Das Schwierigste daran war allerdings nicht mal die Behandlungsdauer oder die Eingriffe selbst. Schwieriger war es für mich eigentlich, mich als 25-Jährige aktiv für eine feste Klammer entscheiden zu müssen. Dieser Schritt hat mir am meisten abverlangt, war allerdings auch unabdinglich. Nachdem ich nun seit fast zwei Jahren damit rumlaufe, komme ich aber relativ gut damit klar. Und wenn man mal drauf achtet, wird einem erst richtig klar, wie viele Erwachsene tatsächlich mit Zahnspange rumlaufen. Dennoch kann ich den Tag natürlich kaum erwarten, an dem es endlich in die Tonne gekloppt werden kann.

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