Ei guhgel ma da! Verstehen Sie sächsisch? Ein kleiner humorvoller "Lehrgang"!

Wer in Dresden arbeiten, studieren oder leben will, braucht erst  mal einen Grundkurs in sächsisch. Kein Businness-Englisch oder hochdeutsch, sondern wie zum Beispiel: Was sagt ein Sachse, wenn er in Amerika einen Weihnachtsbaum kaufen will? "Ätänschenplease!"

Ei guhgel ma da! Verstehen Sie sächsisch? Ein kleiner humorvoller

Na, ob ich das lerne und verstehe? "Isch mach glei ä bissl mit!" Bild pixabay


Neuankömmlinge müssen sich in Sachsen auch mit dem Dialekt zurechtfinden. Damit sie nicht "nu" mit "nein" verwechseln und bei "Bibo" an die Sesamstraße denken. Hier einige mundarttypische Hilfestellungen:

Bäbe?
Damit meinen die (meist älteren) Sachsen Rühr- oder Sandkuchen.

Bebbln?
Kicken, also Fußball spielen - ohne dabei ein großer Könner sein zu müssen.

Bemme/ Bämme?
Wenn Klein-Oskar in Dresden "Knast", also Hunger, hat, macht ihm seine Mutti auf die Schnelle gern eine "Bemme", also eine belegte Scheibe Brot. Zum Beispiel mit Schmalz ("Fettbemme") oder Leberwurst ("Läberwurschdbemme"). Spätestens wenn Oskar groß ist und schon studiert, sollte er sich seine Bemme selbst schmieren.

Bermudadreieck (auch "bunte Ecke")?
So heißt die Kreuzung Louisenstraße / Görlitzer Straße im Stadtteil Neustadt - und einer der bekanntesten Treffpunkte der Stadt. Im Sommer sitzen hier zuhauf Menschen auf den niedrigen Fensterbänken vor den Schaufenstern, auf Bordsteinen oder sogar auf der Straße. Die umliegenden Gründerzeit-Villen, eine hohe Kneipendichte und die vielen Spätshops machen diese Ecke von Dresden zum "Szeneviertel". Außerdem findet hier jedes Jahr am dritten Juni-Wochenende eines der größten Stadteilfeste Deutschlands statt (Bunte Republik Neustadt).

Beutelwiese? 
Umgangssprachlich für Dresden größten Wochenmarkt (immer freitags) auf der Lingnerallee am Hygienemuseum (Innenstadt). Hier gibt es vor allem Produkte aus Sachsen zu kaufen.

Bibo?
Essenzieller Begriff für nicht-sächsische Erstsemester in Dresden. Fragt der Kommilitone: "Kommste noch mit in de Bibo?" meint er damit die Bibliothek. Das größere Äquivalent dazu ist übrigens die "Slub" - die Sächsische Landesbibliothek.

Blägen / anblägen / rumblägen?
Synonym für lautes Sprechen, Rufen oder Rumschreien. Beispiel: "Bläg misch ni so an, isch bin doch ni schwärhörsch!"

Bliemschngoffee (auch: Plörre, Plärre oder Lorke)?
Bekanntermaßen ist der Kaffee des Sachsen liebstes Getränk (--> Kaffeesachse). Doch nicht zu allen Zeiten gab es Kaffee in rauhen Mengen. Er wurde also mehrfach oder auch mit nur wenig gemahlenen Bohnen aufgebrüht. War der Kaffee schließlich so dünn, dass man das Blümchenmuster am Boden der Tasse erkennen konnte, wurde er als "Blümchenkaffee" bezeichnet. Der Ausdruck ist nach wie vor geläufig. Stadtführerin Bettina Schöne aus Dresden führt den Begriff auf die Zeiten des Kaffee-Importverbots unter Preußenkönig Friedrich II. zurück. Damals sei man auf die Idee gekommen, Ersatzkaffee aus den Wurzeln der blaublühenden Zichorie herzustellen, "Kaffee aus Blümchen" sozusagen.

Boofen?
In anderen Teilen der Republik sagt man umgangssprachlich "pennen" oder "poofen" für schlafen. Weil der Sachse harten Konsonanten nicht viel abgewinnen kann, heißt es im schönen Elbflorenz und Umgebung "boofen". Und das meint hier vor allem: Schlafen unter freien Himmel, gerne auch in Schlafsäcken in den Höhlen der Sächsischen Schweiz. Mit ganz viel Romandigg.

Cockerwiese?
Gleich neben der --> Beutelwiese am Hygienemuseum liegt die Cockerwiese. Ursprünglich hieß sie mal Blüherwiese (oder Güntzwiesen), bis Joe Cocker 1988 einen Hauch von Woodstock und das Gefühl der großen weiten Welt nach Dresden brachte. Sein Konzert am 2. Juni ist für die Dresdner zur Legende geworden. Seit kurzem heißt die Cockerwiese nicht nur im Volksmund so, sondern auch ganz offiziell.

Diddschn?
Sächsisches Verb für (ein)tunken oder tauchen. Wenn zum Kaffee die --> Eierschecke aus ist und nur noch trockene Kekse vorhanden sind, dann wird das Gebäck kurzerhand in den Kaffee "gediddschd". Funktioniert auch mit Kakao, Milch oder Tee und gilt nicht als ungehobeltes Verhalten. Um ihre Tradition zu legitimieren, verweisen die Dresdner übrigens gerne auf ihren geliebten letzten "Geenich". Friedrich August III, allein erziehender Vater von sechs Kindern, habe seinem Nachwuchs sogar befohlen, den Kuchen zu "diddschn". Damit wendete er sich nicht nur gegen die Gouvernante, sondern einmal mehr gegen höfische Etikette. Dagegen ist der hübsche Satz "Nu machd Euren Drägg doch alleene!" nach seiner Abdankung leider historisch nicht einwandfrei belegt.

Eierschecke?
Was dem Schwaben sein Hefezopf ist und dem Hamburger sein Franzbrötchen, ist dem Sachsen die Eierschecke. Den Blechkuchen hat jeder ortsansässige Bäcker im Sortiment. Er besteht üblicherweise aus drei Schichten: Zuunterst Rühr- oder Hefeteig, in der Mitte eine Quark-Vanillepudding-Masse, ganz oben ein Belag aus Eiern, Zucker, Butter und Vanillepudding. Eine weitere, flachere Variante ist die Freiberger Eierschecke, mit Rosinen und ohne Quark.

Ei verbibbsch?
In nicht sächselnden Teilen der Republik gilt dieser Begriff als ursächsisch. Zumindest die Dresdner wissen bis heute nicht, warum.

Ferdsch / färdsch?
Das heißt "fertig" und ist ein gutes Beispiel für den sächsischen Zungenschlag: Bei Adjektiven mit -ig-Endung das "i" weglassen und das "g" in ein "sch" umwandeln - ferdsch.


"Gänsefleisch ...?"
Wer jetzt an den Metzger denkt, liegt völlig daneben. Denn erstens wird der Metzger in Dresden "Fleescher" genannt und zweitens heißt der Ausspruch auf hochdeutsch "Könnten Sie vielleicht ...?"

Goffeesachse / Kaffeesachse?
Der Legende nach stammt der Begriff Kaffeesachse aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Den sächsischen Soldaten soll es mangels ihres Lieblingsgetränks an Einsatzwillen gefehlt haben, das begründeten sie öffentlich mit dem Satz "Ohne Gaffee gönn'mer nich gämpfn". Ob sie auch mit -> Bliemschngoffee zufrieden gewesen wären, ist nicht überliefert. Der preußische König soll sie daraufhin verächtlich als "Kaffeesachsen" bezeichnet haben, was der Sachsen Vorliebe für ein "Schälchen Heeßn" keinen Abbruch tat. 1908 erfand Melitta Bentz in Dresden übrigens die Kaffee-Filtertüte.

"Hammorni!"?
Ein geflügeltes Wort zu Zeiten des Sozialismus, auch weit über die Grenzen des --> "Tals der Ahnungslosen" hinaus. Kundenwünsche wurden angesichts spärlich gefüllter Regale in den Läden kurz und knapp mit einem "Hammorni!" ("Haben wir nicht!") abgeschmettert.

"Isch mach glei ä bissl mit!"?
Die wörtliche Übersetzung "Ich mache gleich ein bisschen mit" führt aber in die Irre. Was zunächst gemütlich daherkommt, ist ein ernster Hinweis. Zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder ultimativ daran erinnern, sich endlich zu benehmen.

Käseglocke?
Der charakteristisch geformte Pavillon am zentralen Postplatz im Stadtzentrum ist ein beliebter Ort für Verabredungen.

Mach 'mer los! / Wir machen los!?
Aufmunternder, anfeuernder Ausruf im Sinne von "Los geht's!". Das bayerische Synonym wäre "Pack ma's!".

Nu?
Was haben sich die Menschen, vor allem die Ortsfremden, durch dieses Wort schon missverstanden. "Nu" heißt "ja". So einfach ist das. Manchmal wird es auch als Füllwort im Sinne von "nicht wahr" oder "eben" gebraucht.

Nischel?
Eines von vielen Synonymen für das Wort "Kopf", weitere sind zum Beispiel "Däähds" oder "Gobb". Die bekannte Bronzeplastik von Karl Marx' Kopf in Chemnitz wurde umgangssprachlich übrigens auch "Nischel" genannt.

Tal der Ahnungslosen?
Heute wie auch vor DDR-Zeiten schmückt sich Dresden aufgrund seiner Lage an der Elbe und der berühmten Bausubstanz gern mit dem Beinamen "Elbflorenz". Zwischen 1948 und 1989 galt es im Volksmund aber vor allem als die Hauptstadt im "Tal der Ahnungslosen". Während der Rest der Republik nämlich per Hausantenne Fernsehsender aus dem Westen Deutschlands empfangen konnte, mussten sich die Bewohner in der südöstlichen Ecke der DDR mit den zwei Sendern des Staatsfernsehens und systemtreuen Informationen zufriedengeben. Ironie der Geschichte: Trotz der fehlenden Nachrichten aus dem westlichen Ausland soll es in Dresden und Umgebung die meisten Ausreiseanträge gegeben haben.

Übelst?
Viel verwendetes Adverb im Sinne von "krass" oder "extrem".

Viehisch?
Wenn etwas nicht menschlich ist, dann ist es für den Dresdener "viehisch" ("viehsch"). Schmerzen können zum Beispiel so sein, Anstrengungen oder aber auch eine schlecht gemachte --> Eierschecke.

Zitronenpresse?
Bezeichnung für die gläserne Kuppel der Kunsthochschule im historischen Zentrum von Dresden.
Quelle sueddeutsche.de

Alles klar? Na dann viel Spaß und Glück als "Neusachse"!
Eine Service von Arbeiten in Braunschweig

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