Eat Them Alive

Eat Them Alive (c) 1977, 2019 Pierce Nace, Festa Verlag(2)

Eat Them Alive

Da unsere letzte Buchrezension Mein Name ist Nick Granit so gut gelaufen ist, haben wir beschlossen, dass der Sonntag von nun an der Lesetag bei uns sein wird. An dieser Stelle empfehlen wir Bücher und Comics. Ob aktuell oder älter, da machen wir keinen Unterschied, Hauptsache es ist eine ansprechende und/oder spannende Lektüre. Es geht weiter mit Eat Them Alive von Pierce Nace.

Horrorliteratur wird im Allgemeinen im deutschsprachigen Raum gerne belächelt. Wenn eine Buchhandlung denn überhaupt über ein Sortiment an Horror-Romanen verfügt, so bestehen diese meist aus ein paar Stephen King-Titeln und dem einen oder anderen Klassiker. Der deutsche Festa Verlag hat sich dieser Nische voll und ganz verschrieben und ist schlichtweg die Adresse für Horror im deutschsprachigen Raum. Der kleine Verlag hat sich über die vergangenen 20 Jahre eine treue und stetig wachsende Lesergemeinde aufgebaut. Das Angebot reicht vom klassischen Horror eines H.P. Lovecrafts, über gediegenere Thriller-Unterhaltung, bis zum brutalen Splatter-Trash. Der Verlag bietet zu dem einige Reihen an, die gar nicht über den Buchhandel vertrieben werden, sondern nur exklusiv beim Verlags-Shop direkt zu bestellen sind. So auch die Reihe „Pulp Legends“. Hier wird versucht, vergessene Schätze aus den Untiefen der Horrorliteratur des 20. Jahrhunderts zu heben. Neben unterschätzter Prosa wie Mendal W. Johnsons Komm, wir spielen bei den Adams oder dem atmosphärisch dichten Southern-Gothic-Horrorroman Die Elementaren von Michael McDowell, zog auch Eat Them Alive von einem gewissen Pierce Nace in die Reihe ein. Um diesen Roman soll es nun im Folgenden gehen, denn er hat es wahrlich in sich.

Eat Them Alive

Zum Inhalt: Dyke Mellis wurde vor Jahren von seinen Gangster-Kollegen, die er hintergehen wollte, übel zugerichtet, seiner Männlichkeit beraubt und zum Sterben zurück gelassen. Doch der Tunichtgut hat überlebt und sinnt seither auf blutige Rache. Als er eines Tages mit seinem Segelboot nahe an einer karibischen Insel vorbei tuckert, wird er Zeuge als bei einem Erdbeben gigantische Gottesanbeterinnen dem Erdreich entsteigen und sich an der Zivilbevölkerung der Insel ernährungstechnisch gütlich tun. Dyke versucht die größte Gottesanbeterin auf seinem Schiff gefangen zu nehmen und zu domestizieren. Der krude Plan gelingt ihm sogar. Dyke tauft sein neues Haustier „Slayer“ und gemeinsam ziehen die Beiden mit Hilfe weiterer Gottesanbeterinnen auf einen Rachefeldzug, den man selbst gelesen haben muss, um ihn zu glauben …

Eat them alive erschien erstmalig im Jahre 1977 in den USA und ist die erste und einzige Publikation, die jemals unter dem Namen Pierce Nace veröffentlicht wurde. Dass es sich hierbei um ein Pseudonym handelt scheint offensichtlich. Wer wirklich dahinter steckt ist dagegen unbelegt. Es wird vermutet dass es die Romanzen- und Pulp-Crime-Autorin Evelyn Nace gewesen sein könnte. Die gute Dame war zum Zeitpunkt des Erscheinens in ihren 60ern. Es ist wahrlich schwer vorzustellen, dass eine Frau jenseits der 60 diesen unglaublichen Gore-Trash fabriziert haben soll. Aber die Vorstellung macht diesen Schund nur umso charmanter.

Eat Them Alive ist völlig jenseitig. Auf knapp 300 Seiten wird hier gemordet, gemetzelt und verstümmelt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Die Story ist vollkommen stupide und herrlich haarsträubend geschrieben. Mit Dialog- und Monologzeilen zum Schreien. Kleine Kostprobe?

Laut versprach sich Dyke: Wenn wir auf dem Festland sind, finde ich heraus wo Pete Stuart sich versteckt. Ich hetze meine Monster auf ihn und seine Familie. Ich werde zusehen, wie meine grünen Insekten ihn fressen, und dabei begeistert brüllen.

Ähm, ja. Wie wir halt alle so von Zeit zu Zeit mit uns selbst reden, nicht? Die Gottesbeterinnen essen übrigens am liebsten Frauenbrüste. Das sei noch am Rande erwähnt. Alles in allem ist Eat Them Alive ein Buch, wie es nur die allerwenigsten von euch in ihrem Leben gelesen haben. Teilweise unfreiwillig komisch, schwer über jede Grenze des guten Geschmacks hinweg – aber sehr unterhaltsam. So gut in all seiner Schlechtigkeit, dass man es wohl nie wieder vergisst. Eben eine echte „Pulp Legende“ und daher bestens in dieser bunten Reihe aufgehoben. Wir wünschen guten Appetit!

Eat Them Alive von Pierce Nace, erschienen im Festa Verlag.


wallpaper-1019588
Me & May Boutique feiert 10-jähriges Jubiläum
wallpaper-1019588
Running Sushi in München: die besten Empfehlungen