Doku Deutschland: Wahrheit ist flexibel

Doku Deutschland: Wahrheit ist flexibelLachen Sie ruhig, machen Sie schon. Ich habe überhaupt kein Problem damit. Wissen Sie, wenn Sie zwei Minuten lachen, habe ich 200 Euro verdient. Natürlich nur, wenn es gut läuft, das ist ja wohl logisch. Sonst säße ich bestimmt nicht hier. Rechnen Sie mal. 200 Euro in zwo Minuten, das sind 72.000 Euro in zwölf Stunden. Fünfzehn Millionen im Jahr. Glauben Sie, ich würde mir dann noch antun?
Vielleicht ein kleines bisschen, das ist wahr. Es macht einfach auch zu viel Spaß, da können Sie lachen, soviel Sie mögen. Als ich damals angefangen habe, da war das wie ein Rausch. Teldafax, Mobilcom, EM.TV, schon mal gehört? Namen wie Schall und Rauch für Euch junge Leute. Das waren meine ersten Aktien und wissen Sie, wie das seinerzeit lief? Die Kurse haben wir uns aus dem Videotext abgeschrieben, schön in ein Büchlein. Kanadische Minenstocks, herrjeh, da gab es einmal im Monat Neuigkeiten, wenn irgendsoein Börsenblättchen rauskam.
Wir waren die Härtesten, die mit kleinem Einsatz gespielt haben. Gespielt, würden Sie das doch bestimmt nennen. Ich habe damals schon immer gesagt, ich bin Langfristinvestor, einer wie Warren Buffett. Mir geht es nicht um den kurzfristigen kleinen Gewinn, sondern um den langfristigen großen, das war meine Rede. Wenn Sie in meinem Alter sind und ein halbes Leben damit verbracht haben, sich zu fragen, wieso der Kapitalismus als schlechtere Gesellschaftsordnung das bessere Leben bietet, dann werden Sie bei diesen Dingen komisch. Die Intelligenzrente, die ist weg, klar? Da beißt die Maus keinen Faden mehr ab. Jetzt muss man selber zuschauen, wie man noch auf einen grünen Zweig kommt.
Denken Sie nach. Wenn nichts haben, was verkaufen Sie dann? Nichts, denn erst müssen Sie mal was kaufen. Aber was? Wollen Sie da aus einer Mietwohnung darauf setzen, dass Rasenmäher nächstes Jahr besser gehen? Ich habe gesagt, man braucht was ohne Lagerhaltung, was Liquides, was Körperloses am besten.
Also Aktien, Wertpapiere. Lachen Sie ruhig. Wenn ich Ihnen erzähle, was unsereiner alles mitgemacht hat, werden Sie noch lauter lachen. Meine Generation, die ihre ersten Aktien noch für D-Mark gekauft hat, ist doch die gewesen, die alle Krisen weggetragen hat. Asienkrise, Russlandkrise, Long Term Capital-Kollaps, 11. September, Irakkrieg. Alles, was wir hatten, war zwischendurch immer wieder fort. Wie bei Großmutter nach dem ersten Weltkrieg, zwischendurch und nach dem zweiten wieder.
Unsere Weltkriege habe keine Kanonen gebraucht, da wurde immer nur mit Geld geschossen. Und meistens auf uns, da lachen Sie ruhig noch mal, machen Sie nur.
Aufzuhören war nie eine Option, nicht für mich. Man hat selbstverständlich die Typen gesehen, die sich die Finger verbrannt haben, nachdem sie die ersten paar hunderttausend gemacht hatten. Immer mehr, immer schneller immer mehr. So einer war ich nicht. Wenn die Krisen kamen, dann kamen sie immer unerwartet, aber umgeworfen hat uns keine, also nicht uns alle. Wer die Nerven verloren hat, bloß weil er 50 Prozent minus im Depot nicht ertragen konnte, der ist eben wieder zurück zum Sparbuch, hat Immobilien gekauft oder das Geld aus Kummer versoffen.
Ich wusste immer, dass 50 Prozent minus eine gesunde Grundlage für hundert Prozent plus sind, mindestens. Du musst in diesem Geschäft lernen, gegen deine eigenen Fluchtreflexe zu handeln. Lauf nicht weg vor dem Bären, man sagt ja Bär, wenn die Kurse fallen. Nein, spring ihn an, tanz mit ihm! Der alte Kostelany hat angeblich immer gesagt, wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen. Und wissen sie was? Recht hatte der.
Fehler gehören dazu, man lernt doch nur, wenn man Schmerzen hat. Wissen Sie, was das für ein Gefühl ist, auf 1000 Prozent Gewinn zu sitzen? Und du weisst ganz genau, verkaufst Du, steigt das Ding auf 10000 Prozent. Behälst Dus aber, sind die 1000 Prozent nächste Woche nur noch 500 und nächsten Monat bist Du im minus. Lachen Sie nur, das die Wahrheit!
Die Rechnung geht immer so, wenn Sie das ein paar Jahre mitgemacht haben, wissen sie, dass sie es selbst in der Hand haben, die Kurse zu beeinflussen. Allerdings leider immer nur in die Richtung, in der Sie vom Ergebnis nichts abbekommen.
Eine traurige Tatsache ist das, das ist wahr. Aber da muss man weitermachen, dranbleiben, gucken, wie es anders geht. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären ein Torwart beim Fußball. Der kann doch auch nicht nach jedem Gegentreffer heulen, der muss stehen und weitermachen. Genau so ist das an der Börse, war es nach der Rußlandkrise, nach der ersten und der zweiten Asiengeschichte, ich weiß gar nicht mehr, was da damals zuerst und zuletzt war. Man ist teilweise blauäugig langfristig eingestiegen, teilweise hat man versucht, eine ganz wilde Welle nach oben kurzfristig abzureiten, dann war man mal der Meinung, jetzt gehts runter, da rutschen wir schön mit mit ein paar Putscheinchen.
Das war aber noch bevor die Regierung die Schleusen für Spekulanten geöffnet hat. Ja, hat sie! Wir haben noch unter der Spekulationsfrist gestöhnt. Hat man die nicht eingehalten und vor Ablauf eines Jahres verkauft, musste man damals 50 Prozent vom Gewinn an den Finanzminister abtreten. Später, als die SPD dann den Finanzminister stellte, hatten die ein Einsehen mit Leuten, die vom Spekulieren leben müssen. Die Spekulationsfrist fiel weg, es war dann egal, ob man eine Aktie für eine Stunde oder ein ganzes Leben gekauft hatte, die Steuer kostet nun immer ein Viertel vom Gewinn. Eine faire Geschichte, wie gesagt, vor allem für junge Anleger, die noch nicht so viel Geduld haben und die schnelle Mark machen wollen. Sozialödemokraten für die schnelle Mark, haben wir damals gehöhnt. Totte Geschichte. Die kleine Sparer, die ihre paar Mäuse über in Fonds anlegen, um für das Alter vorzusorgen, sind natürlich gekniffen. Aber Mitleid muss man nicht haben, sage ich immer. Wer hat die denn gewählt? Und wer wird denn gezwungen, Gelegenheiten nicht zu ergreifen?
Wir Alten wissen es ein bisschen besser. Schnell rein und schnell raus, das kann gut gehen, muss aber nicht. Und wenn es gut geht, ist immer die Frage: Wohin denn nun mit dem ganzen Gewinn?
Ich sage Ihnen, wenn man sowieso wieder kauft, kann das Verkaufen auch gleich lassen. Man hat nicht immer Geld dabei gesammelt, aber Erfahrung. Und Erfahrung ist so was wie das Geld von Morgen. Darauf gibt ihnen keiner raus, aber damit zahlen Sie bargeldlos: Als der Eichel und der Schröder damals kamen und meinen armen Nachbarn und Verwandten diese Telekom-Aktien andrehten, denken Sie vielleicht, ich hätte nur eine Sekunde darüber nachgedacht, die Quatsch zu kaufen? Nicht eine Sekunde habe ich das gemacht. Mondpreise waren da, keine Frage. Da müssen Sie dann aber auch kalt wie Hundeschnauze sein, eisig gegen die Masse stehen, sich nicht anstecken lassen.
Aber Sie dürfen auch nicht Recht haben wollen, egal, was es kostet. Wahrheit ist an der Börse flexibel, keiner kennt sie, bis es zu spät ist, sage ich manchmal. Es kommt darauf an, ein gewisses Maß an Zufriedenheit zu entwickeln mit dem, was man hat. Schauen Sie nie auf die Aktien, die besser gelaufen sind als ihre eigenen, schauen Sie lieber auf die, die schlechter waren! Das gibt Selbstvertrauen, das baut einen auf, das macht einen besseren Investor aus jedem.
Wobei das so viele nicht mehr betrifft. Von Aktien haben doch glücklicherweise alle die Nase voll. Jetzt, wo wir im Paradies der Börsenanleger leben, wo die Kurse einen täglich reicher machen, ist keiner mehr da, der reich gemacht werden will. Glücklicherweise sage ich, weil mir das nicht schlecht gefällt. Irgendwann müssen die alle mal nachrechnen, wie sie das machen wollen mit dem alt werden und immer was zu essen auf dem Tisch haben un das neue iPhone und der Winter im Süden und autofahren und heizen. Dann steht die Frage, Rasenmäherverleih oder Aktienanlage. Lachen Sie ruhig, aber ich habe keine Sorgen: Wenn ich mein Depot ausräume, werd ich jemanden finden, der mir das Zeug abkauft. Zu Mondpreisen.
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