DIIV: Dem Virus den Finger

DIIV: Dem Virus den FingerDIIV
Support: Chastity
Strom, München, 11. März 2020
Man tritt wohl niemandem zu nahe, wenn man vermutet, dass unsereiner als Arbeitnehmer Normalverbraucher über ein paar Tage Zwangsurlaub (so called Home Office) nicht allzu böse wäre (zumindest, wenn sie gesundheitlich unbegründet sind und nur der allgemeinen Sicherheit dienen, puh). Künstler, besonders solche, deren Leben zu gleichen Teilen im Tonstudio und auf der Bühne stattfindet, sehen das naturgemäß etwas anders, die Klagen über die zunehmende Einschränkung der Bewegungsfreiheit, verbunden mit Auftrittsverboten bzw. Konzertabsagen hört man immer lauter und kann sie sehr wohl verstehen. Insofern dürfen wir Zachary Cole Smith und Colin Caulfield, beide gerade sehr mit dem Comeback ihrer Band DIIV beschäftigt, schon beim Wort nehmen, wenn sie mehrmals betonen, für Auftritte wie den im Münchner Strom überaus dankbar zu sein. Schließlich ist das nicht weniger als ihr Leben. Am Abend zuvor waren sie in Wien beschäftigungslos in den Seilen gehangen, Zürich ist fraglich und über Lyon und Nimes steht schon in großen Lettern „ANNULÈ“ – eine mittlere Katastrophe.

Was um so ärgerlicher ist, als dass die vier Herren aus New York City, die als verwegene Jungs vor knapp zehn Jahren reihenweise Köpfe verdrehten, mit „Deceiver“ ein richtig gutes Album am Start haben, das es wert ist, vor Ort gehört zu werden. Apropos vor Ort: Wenn wer gedacht hatte, dies sei der richtige Abend, um die Angst des sonst ja eher zurückhaltenden Münchner Publikums vor dem bösen C in Augenschein zu nehmen, dann ging das massiv in die Hose. Zweihundert Meter Kassenschlange, der Laden rappelvoll und nach einer halben Stunde derart am moshen, dass selbst ein multresistentes Virus Angst um seine Unversehrtheit haben mußte. Was ja dann irgendwie auch schön ist, denn es gibt kaum etwas Tröstlicheres – jetzt müssen wir mal kurz etwas kitschig werden – als die Unbekümmertheit der Jugend, die dem Alltagsfrust den Finger zeigt und einfach weiterfeiert.

DIIV also. Dass dieses Quartett ursprünglich vom Dreampop kommt, ist live allenfalls eine hübsche Erinnerung. Der Einlauf erfolgt schon mal zu den Klängen von „Heavy Rain“ der japanischen Doom-Rock-Kapelle Boris und auch in der Folge gab sich die Band alle erdenkliche Mühe, maximal hart und laut rüberzukommen. Was problemlos gelang. Der Bass von Caulfield war von ordentlicher Power, der verrückte Andrew Bailey quälte seine Gitarre zu angestrengtem Grinsen nach allen Regeln der Folterkunst und von hinten gab Drummer Ben Newman Saures. Allein die Stimme des Sängers ging etwas unter in all dem wunderbaren Lärm, wobei das bei Shoegazern und Soundmauerbauern ja fast zum Gesamtkonzept gehört. Viele schöne Songs jedenfalls, das alte „Doused“ vom Debüt war ebenso dabei wie die feine Single „Blankenship“ von der aktuellen Platte – alles sehr schön grungey. Ob DIIV noch als Pulsbeschleuniger, Mädchenschwärme und Kopfverdreher durchgehen, ist schwer zu sagen (dem ersten Anschein nach: ja, aber…), ihre Musik hat mit Sicherheit nichts von ihrem Reiz eingebüßt.
DIIV: Dem Virus den Finger

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