Dieter Schlesak, Soll mein Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“ verboten werden? Dem Autor als „Nestbeschmutzer“ die geplanten Ehrenbürgerrechte seiner Heimatstadt versagt werden?

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„Transsylvania mon amour“ heißt mein jüngstes Buch. Es ist eine deutsche und rumänische Liebeserklärung an mein Herkunftsland, an meine Herkunftsstadt. Ich gebe zu, diese ferne Geliebte ist mein schwächster Punkt; ich durfte sie erst 1990 nach vierzehn Jahren schmerzlicher Abwesenheit wieder besuchen, da mich wegen meiner Flucht aus der Diktatur, aber auch wegen meines Werkes, ein Militärgericht zu sieben Jahren erurteilt Haft hatte.
Doch Liebe hat mich nicht blind gemacht, mein ganzes Werk setzt sich mit meinem Land, meiner Stadt, meiner Herkunft kritisch auseinander: Vor allem im Roman „Transsylwahnien“ und mehr noch im Buch „Capesius, der Auschwitzapotheker“.
Seit 1990, seit das Land wieder frei ist, fühle ich mich in Siebenbürgen wieder zu Hause; von rumänischer Seite wurde ich wieder sehr gut aufgenommen und sehr gefördert: mein Geburtshaus konnte ich zum Zentrum einer Kulturstiftung machen (ADS), ein Literaturkabinett wurde von Mariana Gorczyka, der Direktorin des Colegiul National „Mircea Eliade“ eingerichtet, das meinen Namen trägt. Die Universität Bukarest verlieh mir den Dr.h.c.
Jedoch, das Unvorstellbare für mich geschieht jetzt nach 20 Jahren: viele meiner deutschen Landsleute versuchen mich wieder zu „vertreiben“, zu verleumden, begegnen mir mit Hass. Und zwar wegen eines Buches über den Landsmann Victor Capesius, den freilich nicht ich zum „Auschwitzapotheker“ gemacht habe, ich habe seinen Fall in einem Dokumentar-Roman nur beschrieben und bekannt gemacht, seit kurzem weltweit.
Im Herbst bin ich von der Uni (Prof. George Guţu) nach Bukarest zu einem Celankongress und zu Lesungen , sowie zu einer Fernsehaufnahme ( Fernsehporträt tvr) eingeladen; ich wollte auch in meine Heimatstadt in Siebenbürgen zu Lesungen fahren. Was ich überdenken muss, denn sie wurde mir inzwischen wieder (moralisch geraubt). Dort wollen die jetzt dort „Zurückgebliebenen“, allen voran und als Sprecherin tritt die Nichte des Auschwitzapothekers auf, mir die Heimatstadt zum zweiten mal nehmen. Und zwar weil ich es gewagt habe, dieses Buch über den Schässburger Apotheker und Massenmörder (Capesius, der Auschwitzapotheker, Dietz 2006, Hora, Sibiu 2009) zu schreiben. Aus dem gleichen Grund gibt’s nun nach der roten Zensur, eine „Sachsenzensur“. Diese „Landsleute“ setzen sich vehement in der Presse gegen das Buch und den Autor als „Nestbeschmutzer“ ein und wollen verhindern, dass er, wie von rumänischen Autorenkollegen, Ion Negoş etwa, der einen profunden Essay über „Capesius“ veröffentlicht hat, von Lehrern, Rechtsanwälten Buchhändlern, Presse etc., der Lyzeumsdirektorin Mariana Gorczka vorgeschlagen, vom Bürgermeister Dorin Dăneşan, der den Vorschlag schon akzeptiert hatte, zum Ehrenbürger der Heimat-Stadt ernannt zu werden. Ausnahmen wie der Stadtpfarrer Bruno Fröhlich oder der Leiter des deutschen Forums Stefan Gorczyca u.a. bestätigen nur die Regel. Ich schlug vor, die Siebenbürger Sachsen aus meiner Heimatstadt sollen doch den Auschwitzapotheker Capesius zum Ehrenbürger ernennen!
Der Fakten zu dieser Initiative gibt es wenige, es ist eher die Stimmung, die nicht messbar ist; es war und ist noch nichts entschieden, sondern seit es in der Lokalpresse bekannt gegeben wurde, und es den, auch schriftlichen Protest, in der Presse der Nichte des Apothekers gab, nur auf Eis gelegt worden; nichts mehr geschieht. Und, wie mir ein Freund, Gernot Wagner, Schässburger, der im August einen Monat in der Stadt verbracht, mit vielen geredet hat, berichtete und riet: Fahr nicht! Pass auf mit den Lesungen, du wirst dann geschnitten mit leeren Sälen musst du rechnen. Dein Name ist zu Hause verflucht.
Es geht also um nichts Offizielles, Fassbares, nur um „Stimmungen“, doch immerhin um Hass.
Ich glaube, dass dieser skandalöse Fall bei weitem den kleinen örtlichen Skandal überschreitet und auch mein Name ist unwichtig, denn egal wer da in dieser Weise so „sonder-behandelt“ wird, es bleibt unglaublich, und es geht um einen unerhörten „Fall“, um eine Stadtschande, die auch mich schmerzt, sie wäre eines weltweiten Protests würdig, da es bei diesem Hass oder auch bestenfalls Ignoranz, um das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte geht, der Siebenbürger/ Schässburger Capesius inmitten. Da dieses Buch gerade wegen dieser unerhörten Nähe und Fassbarkeit des Verbrechens eine weltweite Anerkennung gefunden hat, in alle großen Sprachen und viele kleinen übersetzt wird, die spanische und die englische Übersetzung sind eben da, ist diese hasserfüllte Provinzialität erschreckend! Dabei, es ist nicht zu vergessen, viele „Landsleute“ weltweit, zu diesen Hassern gehören! Und möglicherweise erfüllt dieser Skandal auch den strafgesetzlichen Tatbestand der Auschwitzleugnung , einen Paragrafen, den es sowohl in Rumänien als auch in Deutschland gibt.
Mir hat es gereicht, dass meine Erinnerungen, auch die so kostbaren Kindheitserinnerungen durch die Erinnerung an 4 SS-Verwandte, alles Schässburger, und den Heimatstadt-Apotheker, die alle in deutschen KZs zu Verbrechern geworden waren, vergiftet wurden! Ich hab das alles durch Schreiben, durch mein Werk versucht (auch für andere!) zu verarbeiten! Jetzt soll es eine neue Vergiftung geben? Jeder weiß, wie wichtig dieser Schatz der Erinnerungen für jeden Menschen ist; für einen Autor aber sind sie fundamental, die Basis seines Werkes. Diese Liebe zu meiner Stadt soll nun neu vergiftet werden?
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Die Capesius-Nichte Rus-Capesius hat mich in der kleinen „Hermannstädter Zeitung“ (9. Juli 2010. [email protected]) unter dem Titel „Alte Wunden neu aufgerissen“ attackiert und quasi wegen „Capesius, der Auschwitzapotheker“, der übrigens als Massenmörder in Rumänien zum Tode verurteilt worden ist, in Deutschland kam er mit 9 Jahren im Frankfurter Prozess davon, zur Verantwortung gezogen, unter heftigem Kopfnicken „meiner“ Sachsen, sozusagen das Buch zu „verbieten“, mich zum Schweigen zu bringen.
Nach einigen unhaltbaren Behauptungen, Capesius habe nie in Schässburg gewohnt, nur seine Frau und seine Kinder; Frau Friederike Capesius führte in jenen furchtbaren Jahren 1942-1944 diese Capesius-Apotheke „Zur Krone“, fragt mich die Capesius-Nichte, ob ich denn nichts anderes zu tun und zu schreiben hätte?!!. Ja, ich habe…:
Capesius, jener, den ich aus der Kindheit in S. kannte, und der mit meinen Eltern befreundet war, verwaltete das Zyklon B? Ja. Seit 2 Jahren etwa, seit es nun weltweit bekannt ist, beschäftigt mich immer mehr auch das Schicksal der Täter-Familien, diese Nähe zu meinem „Nest“, auch ihre Psyche, als wäre es meine eigene.
Das Schicksal der Täter von innen und auch von ihnen aus gesehen also, auch die Vier Täter aus meiner eigenen Familie will ich ins Zentrum stellen, Familienbriefe, Familienerzählungen, eigne Erinnerungen etc. aber auch Dokumente kommen hinzu. So verstehe ich durchaus auch Rosel Rus-Capesius, die Rus heissen wollte, nicht mehr Capesius, dass ihr all dieses keine Ruhe lässt, sie quält. Und ich glaube, dass vor allem auch die Frau von Capesius und ihre drei Töchter sehr gelitten haben. Durch die Trennung, die Haft, den Prozess. Den Namen. Das Exil. Und mein nächstes Buch wird sich mit all diesen Schicksalen und Psychen, den Seelennöten, den Gewissensqualen, aber auch dem Seelentod der SS-Täter beschäftigen. Und mit der Frage: Muss der Einzelne vor der Blutspur der Geschichte, ihrem Wahnsinn nicht geschützt werden?
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Doch dann kommt gleich die Frage: Und die Familien der Opfer, Kinder, Babys, Frauen, Alte, die in die Gaskammern getrieben wurden, was geschah mit den Überlebenden, die alleine blieben mit dieser WUNDE?! Im Auschwitzapotheker gibt es mehrere Augenzeugenaussagen dafür.
Und wenn wir uns vorstellen, dass solche Szenen, die auch in meinem Buch geschildert werden, wo 2000 arme nackte Menschen, schreiende Säuglinge, jammernde Kinder, weinende Frauen im Stockfinstern eines riesigen kalten Betonraumes zitternd auf ihren Erstickungstod warten? Der Auschwitzapotheker mit dem Zyklon B sie dann (oft auch persönlich) „erlöste“?
Verblasst mein Mitleid mit den Familien der Täter.
Hier eine Szene aus meinem Buch, eine Prozessschilderung, in Anwesenheit von Capesius im Gerichtssaal und einem jüdischen Opfer-Augenzeugen:
„Vorsitzender: Sie haben hier den Angeklagten Dr. Capesius erkannt. Was können Sie über ihn sagen?
Paisikovic: Er war Arzt und ist einmal mit dem Rote-Kreuz-Wagen zum Krematorium gekommen. Er hat den Fahrer noch um eine Gasbüchse geschickt, weil eine fehlte. Ich kann mich bei ihm keinesfalls irren.
Verteidiger Dr. Laternser: Wollen Sie den Vorfall genau schildern?
Zeuge Dov Paisikovic: Der Mann ist einmal ins Krematorium gekommen mit dem Roten-Kreuz-Wagen. Und sind rüber auf die andere Seite, wo die Gaskammer war. Sie warfen die von der anderen Seite, nicht wo … warfen die von unten. Der Mann sagte so: »Wo ist die Büchse? Wo ist das Zyklon?« Der Chauffeur bringt eine Büchse. Sagt er: »Wo ist die zweite?« Sagt er: »Ich habe nur eine gebracht.« Hat er ihn angeschrien und ihn geschickt, noch einmal … Büchse zu holen.
Vorsitzender Richter: Bitte sehr. Ja. Und damals, als er da war und nach der zweiten Büchse geschickt hat, waren da die Menschen schon in der Gaskammer, dass sie vergast wurden?
Zeuge Dov Paisikovic: Die Menschen waren in der Gaskammer, noch nicht vergast.
Vorsitzender Richter: Ist er da allein gekommen mit dem Rotkreuzwagen, mit dem Chauffeur, oder waren da noch andere dabei?
Zeuge Dov Paisikovic: Es war unsere SS dabei. Der Mann und unser Unterscharführer, Steinberg. Die Gasmaske hat der Unterscharführer Steinberg gehabt. Und er hat das Gas hineingeschüttet.
Vorsitzender: Wie oft haben Sie Capesius beim Krematorium gesehen?
Paisikovic: Vielmals“.
Pein, Schuld, Scham …dass solcher Henker ganz nahe kommen als Siebenbürger…
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Und Frau Rus-Capesius wagt zu schreiben, C. sei „als freier Mensch in seinem Bett friedlich gestorben“, wie Roland Albert, der andere Verbrecher übrigens auch. Und: „hat DS nichts anderes zu schreiben, als alte Wunden aufzueißen“.
DS hat. Er hat auch anderes zu schreiben!! Jetzt auch über die „Rote Hölle“ der Securitate. Aber da hätte Frau Rus jetzt dann Beifall geklatscht, wie viele Sachsen. Es ist mein Beruf, gegen das Vergessen und das friedlich Schlafen und die angebliche Schuldlosigkeit anzugehen!! Mit zu verhindern, dass diese furchtbaren Dinge auf andere Weise wieder geschehen. Denn ich habe mir ein großes Gewicht, das mir keine Ruhe ließ und lässt, als gehörte ich (zumindest virtuell) mit zu den Schuldigen, auch für andere, auch für Frau Rus von der Seele schreiben wollen. Und es ist mein Beruf als Autor als Zeuge der Augenzeugen alles aufzuschreiben! Die Nichte des Auschwitzapothekers aber, sie wagt zu urteilen, ohne eine blasse Ahnung zu haben. Sie hat es selbst so gesagt: Sie habe weder das Buch über das vielleicht größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit gelesen, noch will sie wahrhaben, dass ihr Onkel im Zentrum dieses Verbrechens stand! Es ist unglaublich: Sie behauptet, nicht einmal zu wissen, wofür er verurteilt worden ist!!! Das, wofür er verurteilt worden ist, kann man nicht einfach, wie sie als Argument wagt anzuführen: 9 Jahre lang absitzen, wie ein normales Verbrechen, und dann friedlich in seinem Bett, sogar als „freier Mann“ sterben, mit sich und der Welt gar im Reinen. So etwas Ungeheuerliches zu sagen…
„Alte Wunden“? Für mich sind diese Wunden nicht alt und vernarbt, sondern immer noch offen. Seit über dreißig Jahren arbeite ich an diesem Buch über den so nahen Schässburger Auschwitzapotheker, nicht nur im Versuch, sie zu heilen, zu therapieren, sondern vor allem um Zeugnis abzulegen, gegen das Vergessen anzugehen, diese Wunde offen zu halten. Dabei geht es auch um meine eigne Familie, nicht nur um die von Capesius. Auch meinen Kopf und Biografie hin zu halten: denn wäre ich 7 Jahre älter gewesen, wäre ich (mit der gleichen deutschen Erziehung und Herkunft) vielleicht auch ein SS-Offizier geworden, in Auschwitz oder anderswo eingesetzt worden, nachdem es den Vertrag Bukarest-Berlin April 1943 gab, durch den alle Rumänien-Deutschen zur Wehrmacht und SS eingezogen, ihre Wehrpflicht ableisten mussten.
Aber noch etwas: Diese „Wunde“ erleben wir doch täglich, nämlich, dass die meisten Sachsen nicht mehr zu Hause leben, dass wir wegen dieser SS- Verbrechen und dem Kriegs- und KZ-Einsatz, und dafür ist Capesius das schlimmste Symbol, die Gräuel in Russland auch, bis nach Moskau und Stalingrad kamen, die Rote Armee dann diese Heimat verteidigte, dann unsere berechtigterweise besetzte, die Deutschen in den Rückzug trieb, und dann blieb, das Rote Inferno, die Zerstörung, denn die Auswanderung war unsere eigne Anfangs-Schuld. Die alte Wunde leben wir täglich in der Heimatlosigkeit und in der Fremde.
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Diese offene Wunde: Massenmörder aus unsern Reihen, unseren Familien verdient als Beispiel einen anderen Umgang. Warum müssen immer „unsere“ Sachsen die „Zurückgebliebenen“ sein, die nichts als vergessen wollen oder gar leugnen, dass es unter ihnen solche Fälle gegeben, gar dass es Auschwitz gegeben hat! Da gibt es in Deutschland andere Stimmen von Nachfahren der SS-Täter, denen die Taten ihrer Väter, Großväter oder Verwandten keine Ruhe geben, und die jetzt –anders als die, die alles unter den Teppich kehren wollen - Bücher über diese „Fälle“ schreiben, bedrängt von der Frage: Wie das möglich sein konnte, dass ihr Vater, Onkel oder Großvater zu solchen Massenmördern wurden. Die Zeit scheint genau jetzt erst dazu reif zu sein! Etwa im Falle von Heinrich Himmler, über die Katrin Himmler, die Großnichte von Himmler ein Buch geschrieben hat: "Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte", S. Fischer 2005.. Sie nennt ihren Großonkel einen „Jahrhundertemörder“. Oder auch die Enkelin von Wilhelm Boger, der die schreckliche Boger-Schaukel für Verhöre in Auschwitz erfunden hatte, er ist im Auschwitzapotheker porträtiert, hier die Enkelin, die keine Ruhe finden kann. Sie schreibt: „Wegschauen, es nicht so genau wissen wollen, scheint erst mal einfacher. Doch es wirkt hemmend und bremsend in meinem Leben. Und hinschauen ist unendlich schmerzhaft und macht mich immer wieder sprachlos… Auch wenn ich weiß, dass ich selber nicht schuldig bin und nicht mein Großvater bin, empfinde ich Scham und in meinem Herzen ist tiefe Traurigkeit und ein Ozean von Tränen.”
— Ursula Boger
Heilung begann für sie, als sie anfing ihre Gedanken, Erfahrungen und starken Emotionen mit anderen zu teilen. „Es ist ein großes Geschenk, wenn da jemand ist, der Interesse daran hat und mit einem offenen Herzen zuhört.“ Ihr Weg führte sie zu einer jüdischen Psychotherapeutin und ihrem deutschen Kollegen, die zusammen seit Jahren Retreats zu den Nachwirkungen des Holocausts organisieren. An diesen Veranstaltungen nahm Ursula mehrmals teil und konnte dort die heilende Kraft der offenen Begegnung erfahren. Demnächst wird sie auf dem Treffen der Generationen in Weimar von ihren Erlebnissen berichten.
Oder der Fall Baldur von Schirach, dessen Sohn (Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters; München, Wien: Hanser, 2005;) über ihn geschrieben hat, der Sohn zunehmend fassungslos wird angesichts der Greueltaten des Regimes und der Schuld des Vaters, der keine Worte der Reue findet. Viel schärfer greift der Sohn Niklas von Hans Frank, des hingerichteten Gewnergouverneurs von Polen.. „Wenn man seinen Vater verfolgt, wie ich, wenn man in sein Hirn hineinkriecht, wie ich, wenn man seine Feigheiten studiert, und sie wieder findet, wie ich bei mir, wenn man bei den Recherchen sieht, welch Gierzapfen meine Mutter war, wie sie das Generalgouvernement Polen als Supermarkt auffasste, in dem sie als ‚Frau Generalgouverneur‘ die Preise selbst bestimmen konnte, wenn man, wie ich mit ihr, durch die Gettos fuhr und Pelze auflud aus den jüdischen Geschäften, deren Inhaber fälschlicherweise glaubten, durch Brigitte Frank ihr Leben retten zu können, dann kann aus all dem Leid und Hass zwischen den Leichenbergen nur eines entstehen: Die Groteske.“ (tern: Mein Vater der Nazimörder“.). Dann als Buch: Niklas Frank: Der Vater. Eine Abrechnung. Vorwort Ralph Giordano. Bertelsmann, München 1987. Aber auch die Enkelin von Roland Albert, sie ist Wiener Dramaturgin und Filmemacherin, beschäftigt sich in diesem Sinne mit ihrem Großvater. Und daher bin ich froh, dass es auch bei den Siebenbürger Sachsen nun solch ein Buch gibt, das ich schreiben musste.
Auch den vielen, durch Siebenbürger Sachsen Ermordeten zum Gedenken!

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