Die Zeit ist schon erschienen

Philipp Otto Runge

Weihnachten 1803 an Pauline

Die Zeit ist schon erschienen
Des lieben heil’gen Christ;
Und wenn die Felder grünen,
Die Vöglein wieder singen,
Die Bäume Blüthen bringen,
Du wieder bey mir bist.

Das freut mich diese Stunde,
Daß doch die Zeit vergeht,
Und daß auf deinem Munde
Mit tausend heißen Küssen
Die Noth ich mag versüßen,
In der mein Herz nun steht.

Für dich auf unsre Reise
Pack’ ich den Mantel bey:
Du siehst auf diese Weise,
Daß ich mit allen Sinnen
Sie trachte zu beginnen –
O wär’ die Zeit vorbey!

Gemach, mein Herz, indessen!
Die Zeit entweicht zuletzt.
Das wäre zu vermessen,
Den Frühling her zu zwingen,
Es würde nicht gelingen:
Aus Noth bin ich gesetzt.

In: Philipp Otto Runge, Schriften. Fragmente / Briefe. Berlin: Friedrich Vorwerk 1938, S. 655



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