Die Wissenschaft des erfolgreichen Buddelns

Archäologie ist, schon allein weil ich sie vorher noch nie aktiv betrieben habe, etwas ganz besonderes. Das gilt umso mehr für Biblische Archäologie. Nicht nur weil es - zumindest für mich - eine Herausfoderung werden dürfte, die empfohlenen 5-8 Liter pro Tag zu trinken (über 30° im Schatten sind in Israel schließlich keine Seltenheit) oder weil einige der Verantwortlichen bewaffnet sein werden (natürlich nicht um uns Volontäre zu "motivieren", sondern um uns vor möglichen Anschlägen zu schützen), sondern auch weil das Graben selbst gar nicht so ganz leicht zu sein scheint.
Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass bei wildem Drauf-los-Gebuddele die wissenschaftliche Verwertbarkeit gegen null ginge. Deshalb wird fein säuberlich an ausgewählten Stellen in 5 m² großen Quadraten gegraben. Hierbei lässt man allerdings seitlich je einen Rand von ca. 50 cm, sodass zwischen zwei solchen Quadraten eine etwa 1 m breite Mauer stehen bleibt. Diese Mauern dienen u.a. dazu, die Schichten, in denen gegraben wird, zu bestimmen (sichtbar werden diese Schichten anhand unterschiedlicher Färbungen der Erde in der Mauer). Bei den Funden innerhalb der besagten Quadrate handelt es sich nun zumeist um Keramik und hierbei fast immer nur um Scherben. Netterweise bestätigen aber Ausnahmen die Regel. Der Vorteil an Keramikscherben ist allerdings: man kann sie recht leicht erkennen. Das wiederum trifft durchaus nicht auf alle Funde zu. Ähnlich gut zu erkennen, wenn auch wesentlich seltener, sind wahrscheinlich höchsten noch Knochen (sowohl tierisch als auch menschlich) und Architektur. Letztere aber auch nur, wenn sie vertikal verläuft - also in Form von Mauern. Aber auch hier gibt es Einschränkungen: da nämlich in der Bronze- sowie Eisenzeit meist nur das Fundament aus Steinen, der gesamte Rest eines Hauses aber aus gebrannten Lehmziegeln bestand, diese aber heute - wenn überhaupt - nur noch teilweise erhalten sind, kann man sie vielfach nur schwer erkennen. Noch schwieriger wird das Ganze dann aber bei horizontaler Architektur, also z.B. Fußböden. Auch diese sind meist nur an leichten Verfärbungen der Erde zu erkennen und erfordern daher höchst aufmerksame Augen. Sollte man aber bei Grabungen auf Brunnen, Zisternen o.ä. stoßen wird's noch komplizierter: die Grundregel der Archäologie, nämlich die einzelnen Erdschichten penibel von oben nach unten nacheinander aufzudecken, wird dann nämlich komplett über den Haufen geschmissen. Da Brunnen und dergleichen ja in die Tiefe und somit in der Regel durch verschiedene Erdschichten ragen, aber dermaleinst hohl waren, enthalten sie natürlich potentiellerweise auch wesentlich jüngere Artefakte. Deshalb muss in diesem speziellen Fall zunächst einmal weiter in die Tiefe gegraben werden, bevor am umliegenden Gelände weiter gearbeitet werden kann.
Und all das ist natürlich erst der Beginn der eigentlichen Arbeit, die des Weiteren im "pottery washing" sowie "pottery reading" und natürlich - noch viel aufwändiger und umfangreicher - in der Auswertung aller Funde besteht.
Wohlan denn,
ora et labora!

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