DIE WAHRSCHEINLICHKEIT DER GÖTTER

DIE WAHRSCHEINLICHKEIT DER GÖTTER

Die monotheistischen Religionen gehen davon aus, dass ihr Gott allmächtig ist. Eine kühne Annahme und eine gewaltige Beruhigungspille. Da waren die Polytheisten schon realistischer. Die Macht ihrer Götter war beschränkt.

Hoffentlich werden die Gläubigen nicht enttäuscht, nachdem sie die Schwelle des Todes überschritten haben. Und wer weiß, vielleicht werden sie sich dann wünschen, sie wären richtig tot. Genauso wie es die Atheisten glauben…oder wünschen.

„Gott interessiert mich nicht“, hört man oft aus Kreisen der Atheisten und derer, die sich dafür halten. Das kann ich verstehen. Was es nicht gibt, kann auch nicht interessieren. Aber was, wenn sie sich irren? Wenn es anstelle des wohligen eternellen Nichts ein böses Erwachen gibt, in einer Welt, die sie drüben im Leben nie für möglich hielten? Sollte uns diese Möglichkeit nicht interessieren? Oder verdrängen wir sie, weil wir Angst davor haben. Genauso wie vielleicht die Gläubigen Angst davor haben, nicht gläubig zu sein? Ist die Angst Triebfeder des Glaubens? Liest man den Koran oder die Bibel, kommt einem zuweilen dieser Gedanke.

„Gott gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht“, missionieren die Atheisten die Gläubigen mit Plakaten und begeben sich dafür sogar auf „Kreuzzüge“. Woher sie diese „große Wahrscheinlichkeit“ nehmen, ist mir ein Rätsel. Korrekterweise müsste ihre Losung doch lauten: „Wir glauben an die große Wahrscheinlichkeit, dass es Gott nicht gibt.“

Interessant ist, dass sich auch die Atheisten eine Tür offenhalten. Denn wo es eine große Wahrscheinlichkeit gibt, muss es ihr Gegenstück, die kleine Wahrscheinlichkeit auch geben. In diesem Fall die kleine Wahrscheinlichkeit, dass es eben doch so etwas wie Gott gibt.

Sollte es tatsächlich Gott oder Götter geben, also Wesen, die vielleicht sogar das Universum geschaffen haben, so bin ich keineswegs sicher, dass wir ihnen im Jenseits auch begegnen werden.

Wir könnten zum Beispiel einfach wiedergeboren werden, und würden uns dann an das Vorher nicht mehr erinnern. Immer wieder, bis zum Ende der Welt. Nichts bliebe uns erspart, keine Mühsal, keine Pein. Nur ein perverser Gott könnte so etwas wollen. Oder unsere Seelen könnten sich in der Weite der Dimensionen verlieren, allein und ohne Hoffnung auf Erkenntnis, aber mit der Gewissheit der Unendlichkeit vor uns.

Doch vielleicht gelangen wir tatsächlich ins Paradies. Doch daran zu glauben, dass dort Harfen oder Jungfrauen auf uns warten, setzt eine gewisse Naivität voraus. Es wird wohl besser sein, wenn wir uns kein „Bildnis“ machen.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Abbild machen von dem, was im Himmel, noch von dem, was unten auf der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr. Dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Sünden der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit zeigt an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (Exodus 20, 4-6)

Ehrlich gesagt, klingt das gar nicht gut. Und schon gar nicht nach einem allmächtigen Wesen. Ob jemand der das Universum geschaffen hat, solche Dinge sagt? Ein Eiferer, der aus Rachedurst die Kinder und Kindeskinder für die Sünden der Väter bestraft?

Die Bibel ist voll von solchem Zeug und steht dem Koran in nichts nach. Ob wir uns darauf verlassen sollten, dass diese Märchenbücher ihre Versprechen halten?

Auszuschließen ist es nicht. Wer weiß, vielleicht sitzen Gott und der Teufel an einem Tisch im Restaurant der Ewigkeit am Ende des Universums und spielen um die Welt. Vielleicht gar nicht wirklich, sondern bloß in einer Simulation.

Doch ob wir wirklich sind oder simuliert werden, macht das einen Unterschied? Und außerdem: wer weiß schon, was „die Wirklichkeit“ wirklich ist? Da lob ich mir doch die Träume.

Zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen gibt es übrigens noch die ganz Schlauen, die Opportunisten in großer Zahl: Sie reden sich ein, sie würden an Gott glauben und machen zum Schein den Hokuspokus der Religionen mit. Ganz im Sinne von: nützt es nichts, schadet es auch nichts. Doch auch wenn Gott nicht allmächtig sein sollte, man sollte ihn nicht für blöd halten.

Nichts ist so, wie wir es sehen, nichts ist so, wir es glauben. Euer Traumperlentaucher