Die versunkene Stadt Z

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Die versunkene Stadt Z

7Biopic

Der Spannungsgrad von James Grays epischer Dschungelreise hängt an den Erwartungen, mit denen das Publikum den manischen Helden auf seinem verhängnisvollen Weg begleitet.

Als Indiana-Jones-Action enttäuscht das Drama unweigerlich. Stattdessen folgt der Regisseur und Drehbuchautor seinen Protagonisten auf einem Irrweg, der ihn mit jedem erfolgreichen Schritt näher an ein unabwendbares Schicksal bringt. Die geographische Erkundung ist ebenso sehr eine psychologische und symbolische. Der romaneske Name verweist auf die Metaphorik des Titelorts. Es ist das Konglomerat seiner unerfüllten Träume, enttäuschten Illusionen und eines höheren Sinns der für seine Berufslaufbahn geopferten Jahre. Verlorene Zeit mache ihn ungeduldig, sagt Percy Fawcett (Charlie Hunnam) seiner Frau und zuverlässigen Unterstützerin Nina (Sienna Miller).

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Bezeichnenderweise ist der Kartograph und Offizier da im Begriff, Jahrzehnte in ein schier aussichtsloses Unterfangen zu investieren. Zuerst will er den durch einen trunk- und spielsüchtigen Vater besudelten Familiennamen reinwaschen. Doch kaum hat er den brasilianischen Dschungel mit seinen Begleitern Costin (Robert Pattinson) und Manley (Edward Ashley) betreten, verschlingt ihn die Verheißung eines zweiten Eldorado. Im Auftrag der National Geographic Society erschließt der auf dem realen Percy Fawcett basierende Hauptcharakter Wasserläufe voller Piranhas und speist mit Kannibalen. „Ich bin frei“, prophezeit ihm sein unterjochter Indio-Führer, „aber du entkommst dem Dschungel nicht.“ Ein wortwörtlich wegweisender Orakelspruch, den in der von der grünen Hölle unendlich weit entfernten des Ersten Weltkrieges ein Medium wiederholt.

Gray mäandert zwischen Mystifizierung und Realismus wie Fawcett zwischen dem von Gier und Ruhmsucht korrumpierten Eroberer-Club und der Befriedigung einer in Manie abgleitenden Passion. Der Urwald verspricht dem Skeptiker, der wiederholt die Arroganz der Kolonialherren am eigenen Leib erfährt, ein spirituelles Zuhause. Der Reiz liegt in jenem Kontrastbild zur überlegenen Abenteurergestalt, die ein Gedicht Rudyard Kiplings evoziert. Dieses psychologische Moment drosselt unvermeidlich das Tempo, aber bereichert das düstere Biopic, dessen Ausgang historisch festgelegt und allgemein bekannt sind. Die Suche nach der Ruinenstadt findet einen besessenen Forschergeist und weist in der allegorischen Schlussszene auf die historiografische Verschmelzung von Fakt, Fiktion und kollektiver Psychose.

Regie und Drehbuch: James Gray, basierend auf dem Roman von David Grann, Darsteller: Charlie Hunnam, Sienna Miller, Tom Holland, Robert Pattinson, Franco Nero, Filmlänge: 141 Minuten, Kinostart: 31.03.2017


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Autor

Lida Bach

 
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