Die Todesstrasse und Seelen im Fotoapparat

Ich darf mich jetzt auch "Survivor of the Death Road" nennen! Bin die angeblich gefaehrlichste Strasse der Welt gefahren. Naja, es war nicht mit dem Mountain Bike (strenggenommen steht nur den Radlern dieser Titel zu), sondern in einem Auto. Aber da seh ich jetzt gern mal drueber hinweg... Diese Strasse, eigentlich eine Piste wie die meisten Strassen hier, verbindet den Pass La Cumbre unweit von La Paz auf 4600 Metern mit dem Ort Coroico in den Yungas, auf etwa 1200 Metern. Landschaftlich ein super Erlebnis, entlang gruenen Huegelketten und unter herabfallenden Wassern hindurch allmaehlich in wohltemperierte bis feuchtheisse Tiefen vorzudringen. Bis zum Amazonastiefland ist es dann nicht mehr weit... Hab einen strahlenden Tag erwischt, ohne Smog, und in Coroico waren "nur" die Spuren frueherer Brandrodungen zu sehen, auf denen dann in der Tat Cocaplantagen errichtet wurden.
Seit vor ein paar Jahren eine asphaltierte Umgehungsstrasse in Betrieb genommen wurde, bleibt die alte mehr oder weniger den Touristen - und unter denen vor allen den Radfahrern - vorbehalten. So ohne Gegenverkehr ist es meiner Ansicht nach nicht wirklich gefaehrlich. Aber wenn ich mir die Trucks und Busse auf der an vielen Stellen nur drei Meter breiten Piste vorstelle, direkt neben steilen Abgruenden... Es sind frueher aber nicht nur Autos abgestuerzt, sondern tatsaechlich auch schon ziemlich viele Radfahrer. So saeumen Kreuze und Gedenksteine in verschiedenen Sprachen, von hebraeisch bis spanisch, den Strassenrand. Ich denke, dass man sich bei der Strecke leicht ueberschaetzt - mal ganz abgesehen davon, dass sehr oft Wolken zwischen den Bergen haengen und die Sicht dann (wie beim Schifahren) gegen null geht..
Jedenfalls kamen wir gut in Coroico an, wo ich Baden ging, in einem Hotelfreibad. Die dunkle Farbe auf meiner Haut kam uebrigens doch nicht von der Sonne, wie ich abends festgestellt habe als sie verschwunden war. Muss wohl das nicht ganz soo saubere Wasser gewesen sein;-)
Heute wollte ich es dann nochmal wissen, das mit dem Fotografieren. Hat mir ja die ganze Zeit nicht wirklich Ruhe gelassen. Also habe ich mir Yolanda zur Seite genommen, die hier als Fremdenfuehrerin arbeitet. Sie schien mir die noetige Mischung aus Zaehigkeit und zuckersuesser Freundlichkeit zu haben mit der man allenfalls die Marktfrauen "knacken" kann! Und ausserdem wollte ich wissen, ob es vielleicht doch an einem falschen Vorgehen  lag, dass nicht viel geklappt hat ausser heimlichen Schnappschuessen, die aber nicht meinem Anspruch auf Portraits genuegen. Von wegen! An mir lag es nicht. Wir sind durch die Maerkte gezogen, beide mit viel Geduld (auch ich;-), und haben uns viele Male "no" abgeholt.
Ich fragte Yolanda, wie sie das erklaeren koenne. Schliesslich ist es in anderen Kulturen nicht so. Was nun kommt, kann ich kaum glauben. Sie meinte, bis vor ein paar Jahren sei es moeglich gewesen, Menschen zu fotografieren, sie haetten es in der Regel zugelassen wenn man gefragt hat. Aber dann seien bei Frauen, die sich haetten fotografieren lassen, die Geschaefte schlechter gegangen. Und sie haben es darauf zurueckgefuehrt, dass man ihre Seele mit dem Fotoapparat geraubt hat. Das habe sich dann herumgesprochen, und inzwischen haben alle Angst davor von den boesen Seelenraeubern abgelichtet zu werden. Au weia. Ob die Geschichte nun wahr ist oder nicht, sie gibt auf jeden Fall die Stimmung wieder und das was ich als hierzulande extremen Aberglauben bezeichnen wuerde. Der durchdringt hier den christlichen Glauben und ueberlieferte Traditionen, so dass ein ziemlich undurchschaubares Gemenge aus Riten, Opferzeremonien (Lamafoeten!) zu Ehren von Pachamama, Maria und anderem heiligen Personal entsteht.
In meinem Fotoapparat konnte ich uebrigens noch keine Ansammlung von Seelen entdecken, die ich auf meinen Reisen so eingesammelt haette;-) Ich passe da schon schoen auf, dass nichts mitgeht was nicht zu mir gehoert, alles andere waere mir laestig.

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