Die süße Gier

Wer die Wahrheit finden will tut gut daran sie aus vielen Positionen und verschiedenen Perspektiven zu umrunden – und so macht es auch Paolo Virzì in Die süße Gier (Originaltitel: Il capitale umano) nach der Romanvorlage von Stephen Amidon.

Am Anfang der Erzählung steht ein Autounfall, bei dem ein Fahrradfahrer verletzt und seinem Schicksal überlassen wird. Daraufhin folgt die Erzählung zweier Familien, deren Wege sich kreuzen und queren, während die Unklarheiten der Geschichte sich langsam lüften und sich schlussendlich der Kreis wieder schließt. Am Kopfe der einen Familie steht der Immobilienhändler Dino Ossola (Fabrizio Bentivoglio), der sich in die finanziellen Spekulationen des anderen Pater familias Giovanni Bernaschi (Fabrizio Gifuni) einkauft, jedoch in der Wirtschaftskrise seine Investition verliert. Giovannis Frau, die ehemalige Schauspielerin Carla (Valeria Bruni Tedeschi) benutzt derweil das Geld ihres Mannes um ein historisches Theater vor dem Abriss zu beschützen und geht dabei eine Affäre mit dem Theaterprofessor Donato (Luigi Lo Cascio) ein. Auch ihre Träume nach Mehr werden in der finanziellen Dürrezeit nicht mehr realisierbar.

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Die Kinder der Familien, Massimiliano Bernaschi (Guglielmo Pinelli) und Serena Ossola (Matilde Gioli) scheinen zu Anfangs ein zufriedenes Paar zu sein, jedoch stellt sich heraus das Serena genug von dem verwöhnten Massimiliano hat und ihr Glück lieber wo anders sucht. Um den kleinen und großen Tragödien die Krone aufzusetzen wird Massimiliano auch noch verdächtigt den Radfahrer vom Anfang des Filmes angefahren zu haben. Er beteuert seine Unschuld, doch wer war es wirklich?

Die süße Gier teilt sich in vier Abschnitte während sie die Schichten langsam abschält und folgt dabei jeweils Dino Ossola, Carla Bernaschi und Serena Ossola um dem Kern näher zu kommen. Definiert werden diese drei Charaktere maßgeblich durch ihre Sehnsucht danach am Status Quo ihrer mäßig zufriedenstellenden Existenz zu rütteln. Diese Gefühle werden von den drei Hauptdarstellern hervorragend übermittelt ohne miteinander zu verschwimmen. Dino’s ständiges Geplapper lässt den Zuschauer die Momente wirklich spüren, in denen er sprachlos ist. Die Motive der Frauen sind wohl etwas abstrakter als finanzielle Bereicherung und so wirft sie der Film auch in dynamischere Gefühlslagen, bei denen von Lust bis Verzweiflung alles dabei ist. Matilde Gioli und Valeria Bruni Tedeschi meistern ihre Aufgaben mit Bravour.

Die Verwandlung von amerikanischem Roman zu italienischem Film ist jedoch nicht nur über die Wahl der Schauspieler geglückt, die auch hin bis zu den kleineren Rollen überzeugen können, der Stoff wurde auch genug verändert um ihn mit dem Gefühl italienischen Kinos auszufüllen. Neben den raffiniert geschrieben Dialogen erstrahlt Die süße Gier auch in präzise abgefilmten Bildern, die über glühende Farben Pathos vermitteln oder gedeckt naturalistisch bleiben.

Den Film gänzlich zu deuten würde zu viel der Handlung vorweg nehmen, jedoch dominiert die Lust nach Mehr – nach jeglicher Entwicklung die Charaktere. Diese Ambitionen werden allerdings durch verschiedene Elemente zurückgehalten, wie der verletzte Radfahrer, der die Geschichte zusammenhält, und die einbrechende Wirtschaftskrise. Wie man dies lesen will bleibt dem Zuschauer überlassen, doch auch ohne nach sozialkritischem Subtext zu suchen sollte Die süße Gier jeden Freund des italienischen Kinos unterhalten können.

Regie und Drehbuch: Paolo Virzì
Darsteller: Fabrizio Bentivoglio, Matilde Gioli, Valeria Bruni Tedeschi, Fabrizio Gifuni, Guglielmo Pinelli
Filmlänge: 120 Minuten, Kinostart: 06.02.2015


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