Die Samstagsgeschichte: Der moderne Mensch

Ein „moderner“ Mensch verirrte sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Dann in Wirklichkeit ist gar nichts da.

Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und vor allem die Quelle. Natürlich eine Hungerphantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur ist. Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. „Kanst du so etwas verstehen?“, sagte der eine zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“ Da antwortete der andere: „Er war ein moderner Mensch.“

(von Kadidja Wedeking, zitiert in Bischof Franz-Josef Bode, Zeit mit Gott: Ein Stundenbuch)



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