Die reichen Wähler der AfD

Die reichen Wähler der AfD Nicht besonders arm seien sie, die Wähler der AfD. Behaupteten zum Beispiel der »Stern« oder die »Zeit« neulich erst, weil es Forsa so in den Raum stellte. Mittels einer Studie hatte das Meinungsforschungsinstitut herausgefunden, dass es nicht die Armen und Abgehängten (wie man diese Leute etwas despektierlich nennt) sind, die ihre Stimme der Rechtspartei geben, sondern eben viel mehr Bessergestellte. Lassen wir mal außer Acht, worum es in der Studie konkret ging, also um die Analyse der Wählerschichten dieser Partei. Reden wir mal davon, wo für manche in dieser Gesellschaft Armut aufhört und Reichtum beginnt. Denn diese Bewertung sagt viel aus über die momentanen Zustände in unserer Gesellschaft.

Die Studie behauptete, dass die AfD-Wähler nicht so arm seien, wie gemeinhin behauptet, weil lediglich 28 Prozent von ihnen ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro zur Verfügung hätten. Bei den Nichtwählern hätten 45 Prozent so wenig Geld in der Haushaltskasse. Alle anderen Wähler der AfD liegen über der Schwelle von 2.000 Euro Nettoeinkommen pro Haushalt. Sie seien daher also im Grunde nicht mehr als arm anzusehen.
Wir sprechen hier, um es nochmals zu betonen, von Haushaltsnettoeinkommen. Wenn ein Wähler der AfD alleine lebt, also einen Singlehaushalt führt, und über dieses Geld für sich selbst verfügen kann, dann herzlichen Glückwunsch: Dann geht es ihm wohl nicht ganz so übel. Dann wäre er jedoch auch mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen noch gut dabei und kein armer Schlucker. Wenn aber aus einem Haushalt zwei Wähler und drei Nichtwähler in Erscheinung von Kindern leben, dann wären auch 2.500 Euro in dieser Kategorie keine Größenordnung, die von nicht vorhandener Armut kündet.
Das Haushaltsnettoeinkommen ist letztlich keine Summe, mit der man erfassen könnte, ob jemand in Armut lebt oder vielleicht eben doch nicht. Es ist eine bloße Zahl, die nichts über die Menschen aussagt, die davon leben müssen. Haushaltsnettoeinkommen haben Singles wie fünfköpfige Familien. Letztere können trotz höherer Summe ärmer sein als erstere. Vom Umstand, wo denn letztlich diese Menschen leben, ob auf dem Lande oder in der teuren Großstadt, sprechen wir mal überhaupt nicht. Verkomplizieren wir die Angelegenheit heute mal nicht unnötig.
Es gibt da offenbar überhaupt kein Gefühl mehr für Armutsdebatten in den Redaktionen. Ganz speziell bei den Journalisten etablierter Medien nicht. Sie plappern nach und stellen keine Fragen. In der »Zeit« schenkt man dem Artikel zu der Studie beispielsweise noch einen letzten Absatz, in dem der ehemalige Generaldirektor der Welthandelsorganisation Deutschland für seinen Niedriglohnsektor lobt. Besser Leute hätten Arbeit als keine, urteilt er. Da fehlt es so sehr an Sensibilisierung und Taktgefühl, dass man den Wählern dieser Rechtspartei tatsächlich bestätigen kann: Ja, diese Presse ist sicher auch verantwortlich für das, was euch umtreibt.

Und das ist tragisch, denn man müsste die jeweiligen Notlagen schon erkennen können, will man als liberales und aufgeklärtes Medium gegen die Engstirnigkeit und Umtriebe solcher Parteien publizieren. Wenn man dies nicht zu erkennen vermag, wird es tatsächlich schwierig. Wer aber die Armut mit Zahlenspielen wie diesen kaschiert, der trägt sein Quäntchen als Scharfmacher in diesen dramatischen Tagen bei.

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