"Die neun Pforten" / "The Ninth Gate" [F, E 1999]


Umschreiben ließe sich "Die neun Pforten" mit einer dezidiert antiquarischen "Bücher-Atmosphäre": überzeitlich muffig, losgelöst von allen Erschwernissen. Ende der 1990er entstanden, blickt der Film viel, viel weiter zurück. Anhand dessen, wo diese Schnitzel- und Papierjagd stattfindet, in Frankreich, Spanien und Portugal, ergibt dies alles eine gemächlich-gemütliche Grübelei, die von einer fragilen, unbestimmbaren Angst überschattet wird – unter der bürgerlichen Normalität Johnny Depps, seines Zeichens Glaubensskeptiker, öffnen sich die Pforten zum Paradies. Oder zur Hölle. Und nicht erst bei der so trocken ins Bild gerückten "666" als Aufzugsnummer. Mündend in einem sinnenfreudig aufgeladenen Finale, stellt Depps vitalisierender Fimmel, etwa jene Gebärden, Kippen anzuzünden, Schnaps zu vernichten und, wichtiger denn je, die verrutschte Brille zu justieren, ein Unterbrechen, ein hibbeliges Betäuben des sich irrational auf den fanatischen Rationalisten auswirkenden Klimas sicher, das Polanski für gewöhnlich unzweifelhaft "fleischlich" wie samtweich auszustellen weiß, ohne dass die Gefahr, eine okkulte Gefahr, wie sich mehr und mehr andeutet, allzu platt veräußerlicht wird. "Die neun Pforten" stellt sich einer Welt, die der manipulativen, demnach pervertierten Magie Tür und Tor öffnet, in einem verwunschenen Märchen voller Todesbrunnen und freischwebender, loser Blätter, die sich lösen und eine Staubspur hinterlassen. Nicht von dieser Welt, aber das haben Bücher so an sich.   
6 | 10

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