Die Migrantigen

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Die Migrantigen

8Komödie

Österreichische Komödien haben es nicht leicht. Ganz besonders wenn keines der bekannten Kabarett-Gesichter dabei eine tragende Rolle spielt. Die Migrantigen funktioniert und bringt frischen Wind in das heimische Komödien-Genre.

Benny (Faris Rahoma) möchte unbedingt Schauspieler werden, während sein bester Freund Marko (Aleksandar Petrovic) eine eigene Werbefirma mehr schlecht als recht leitet. Aufgrund ihres Äußeren werden die beiden (eigentlichen Österreicher) von einer Fernsehcrew als Ausländer abgestempelt und prompt als solche vor die Kamera gezerrt. Überraschenderweise schießen die Einschaltquoten in die Höhe und die Regisseurin (Doris Schretzmayer) möchte eine TV-Doku-Soap über die beiden machen. Benny und Marko spielen mit, haben aber eigentlich keine Ahnung von den Lebensbedingungen am Rudolfsgrund. Kein Hindernis für den verkappten Method-Actor Benny und den an chronischer Geldnot leidenden Marko, denn sogleich mischen sie sich unter die zu imitierende Gesellschaftsschicht. Mit aberwitzigen Resultaten.

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In erster Linie muss man einmal das Drehbuch und die Autoren loben, denen es gelingt sich weit abseits gängiger Klischees zu bewegen und mit diesen gekonnt zu spielen um einen humoristischen Effekt zu erzielen. Wobei gerade bei Komödien die Gefahr besteht, dass die Witze abgeschmackt und langweilig sind, weil man sie schon von weitem riecht und kennt, aber Petrovic, Rahoma und Riahi umgehen diese Falle und können den Zuschauer mit stets originellen Einfällen und Wendungen zum Lachen bringen. Was auch zu einem nicht unerheblichen Teil den bis in die Nebenrollen perfekt besetzten Schauspielern zu verdanken ist. Egal ob die beiden Hauptdarsteller, die eine fantastisch humorvolle Chemie auf der Leinwand haben und sich perfekt ergänzen, bis hin zu nicht minder liebevoll geschriebenen und gespielten Nebenfiguren.

Während in vielen Komödien die Figuren gerne zu kurz kommen und eindimensional bleiben, wird in Die Migrantigen allen genügend Spielraum, auch wenn es sich manchmal nur um ein paar Minuten Filmzeit handelt, gegeben, um sie als lebensechte Charaktere, die alle ihre eigene Geschichte haben könnten, zu etablieren. Ob der zum Drogendealer degradierte Chris (Mahir Jamal), die in die Prostitution “gezwungene” Klara (Maddalena Hirschal) oder auch einfach die Eltern von Benny und Marko (Margarethe Thiesel bzw. Zijah Sokolovic), sie alle entfalten sich zu aberwitzigen Figuren mit ihren ganz eigenen Highlights.

So gelungen Die Migrantigen als Komödie auch ist, gibt es doch Kritikpunkte. Was für viele Komödien, vor allem gegenwärtige Komödien, typisch ist, ist der fehlende Biss um wirklich eine nachhaltige Wirkung beim Publikum zu hinterlassen. Nicht, dass ein jeder Film so etwas notwendig hat und es tut auch dieser Komödie keinen Abbruch was den Unterhaltungswert betrifft, aber es ist doch so, dass der Film dadurch leider schnell wieder vergessen ist. Auch wenn die Autoren und Regisseur Riahi durchaus mit Klischees und vorgefertigten Meinungen spielen und sie schön auf den Kopf stellen, ist der Film im Endeffekt doch zu brav. Etwas mehr biss, etwas mehr Mut zu echter politischer “Unkorrektheit” hätte nicht geschadet, auch wenn die Geschichte politisch und sozial relevante Themen anspricht, mangelt es stellenweise an der nötigen Härte und Konsequenz diese Themen auch im Gedächtnis des Publikums haften zu lassen, es geht schlichtweg in den Lachern unter. Was fehlt, in österreichischer Mundart, ist die sogenannte “Gnackwatschn”.

Wobei das durchaus Kritik auf hohem Niveau ist. Denn letztlich ist das Wichtigste bei einer Komödie und der aussagekräftigste Härtetest schlicht und weg der, ob das Publikum lacht oder nicht. Wenn es nicht lacht, scheitert die Komödie. Bei Die Migrantigen wird viel gelacht und so gut wie jeder Witz zündet. Von daher ist es eine durchwegs gelungene Komödie, eine erfrischend selbstironische und originelle österreichische Komödie, von denen es durchaus mehr geben darf und hoffentlich geben wird.

Regie: Arman T. Riahi, Drehbuch: Aleksandar Petrovic, Faris Rahoma, Arman T. Riahi, Darsteller: Faris Rahoma, Aleksandar Petrovic, Doris Schretzmayer, Zijah Sokolovic, Daniela Zacherl, Filmlänge: 98 Minuten, Kinostart: 09.06.2017, diemigrantigen.at


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Autor

Marco Rauch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoplatzbesetzer. Findet den Ausspruch „So long and take it easy, because if you start taking things seriously, it is the end of you” (Kerouac) sehr ernst zu nehmend.


 
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