Die Logik der Nicht-Logik

Die Logik der Nicht-Logik

von Rainer Buchheim

Warum hängt eine überwiegende Mehrheit der Menschen irgendeiner Religion an? Birgt Religiosität einen evolutionären Vorteil in sich, und wenn ja, welchen? Wo liegen die biologischen Wurzeln von Glauben und Religiosität? Was ist letztlich Substanz und Funktion von Religionen?

Wer Antworten auf solche und ähnliche Fragen sucht, sollte durchaus zu dieser rund zweihundert Seiten umfassenden Abhandlung des Biologen Dr. rer. nat. Andreas A. Kilian greifen.

Sein konsequentes Herangehen an den allgemein als Kulturphänomen betrachteten Gegenstand Religion aus der Sicht der Evolutions- und Verhaltensbiologie mag zunächst verwundern, führt aber letztlich zu außerordentlich klaren, naturwissenschaftlich begründeten, unaufgeregten und polemikfreien Aussagen über Begriffe wie Spiritualität, Religiosität, Religion, Religionsgemeinschaft, Kirche u. dgl. Genau aus dieser exakten biologischen (und keineswegs biologistischen!) Definition der Begriffe erwächst die Stärke des Buches.

Nach seiner Eingangsfeststellung, dass es bisher keine wissenschaftliche Definition des Phänomens Religion gibt, entlarvt Kilian dieses konsequent als geschickte Argumentationsebene biologischer Egoisten, die sich die natürliche Spiritualität ihrer Gruppenmitglieder geschickt zunutze machen, um sich Vorteile zu erschleichen. Zitat: „Religiöse Inhalte unterliegen … einer permanenten Auslese dessen, was den Gläubigen gerade noch verkauft werden kann und was nicht. Daher sind auch die meisten religiösen Glaubensinhalte in allen Religionen der Welt relativ ähnlich. … Die Evolution der Religionen war … wohl eher – nach den Aussagen ihrer Vertreter – eine Evolution der ‘Unwahrheit‘ und der Irrlehren.“

Kilians Untersuchung mündet schließlich in seine biologische Definition des Phänomens Religion. Die Fairness gegenüber dem Autor gebietet selbstverständlich, diese hier nicht zu verraten.

Bei aller Wissenschaftlichkeit und begrifflichen Exaktheit gelingt Kilian ein außerordentlich gut lesbarer, ja an einigen Stellen geradezu spannender Stil, so dass das Studium des Buches einen runden geistigen Genuss bietet. Und ich habe endlich die christliche Trinitätslehre verstanden, die mir bisher kein Pfarrer oder Theologe plausibel machen konnte (vgl. S. 156f).
Mit seinem umfangreichen Anmerkungsapparat (Quellen, Fußnoten, Glossar und weiterführende Literatur) ist dieses Werk ausgezeichnet als Schlüssel zu weiterführenden Studien zum Thema nutzbar.

Andreas Kilian: Die Logik der Nicht-Logik
Untertitel: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann
Alibri Verlag Aschaffenburg 2010, ISBN 978-3-86569-062-3

hpd-Rezension
Interview mit dem Autor (hpd)
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