Die Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt im Februar 2015

Pünktlich wie immer publizierte das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auch heute wieder seinen Bericht zur Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Schweizer Kantonen. Lesen Sie im heutigen Blogbeitrag wie es im Monat Februar – gerade vor dem Hintergrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und der prekären wirtschaftlichen Situation Europas – um die Arbeitssituation in unserem Land bestellt war.

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die Anzahl registrierter Arbeitsloser im Vergleich zum Januar 2015 trotz der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen nicht etwa angestiegen, sondern sogar um 0,7 Prozentpunkte gesunken ist. Somit befinden sich schweizweit aktuell 149’921 registrierte Arbeitslose auf der Suche nach einer neuen beruflichen Tätigkeit, was einer Arbeitslosenquote von 3,5% entspricht. Vergleicht man die Zahlen allerdings mit dem Februar des Vorjahres, so ist diesbezüglich ein Anstieg von 0,4 Prozentpunkten zu verzeichnen. Mit einem Anteil von 63,1% gehört der weitaus grösste Teil der registrierten Arbeitslosen der Altersklasse der 25 bis 49 Jährigen an.

Mit einer Arbeitslosenquote von 5,8% ist, wie schon im Monat Januar, der Kanton Neuenburg diesbezüglicher Spitzenreiter. Der Kanton Wallis, welcher im Monat Januar in Sachen Arbeitslosenquote noch auf dem selben Stand war, wie Neuenburg, kann im Februar hingegen einen Abfall der Quote um 0,4 Prozentpunkte verzeichnen. Damit befindet er sich mit einer Arbeitslosenquote von 5,4% aktuell an dritter Stelle der Kantone mit der höchsten Arbeitslosenquote. Auf Platz zwei liegt, mit einer Quote von 5,6%, der Kanton Genf.

Auch bei der Rangfolge der Kantone mit der geringsten Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Januar wenig geändert. Obschon sie um 0,2 Prozentpunkte angestiegen ist, liegt der Kanton Obwalden mit seiner Arbeitslosenquote von nur 1,1% noch immer auf Platz eins der Kantone mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Auch die Plätze zwei und drei gehen mit einer Quote von 1,2% und 1,4% nach wie vor an die Kantone Nidwalden und Appenzell Innerrhoden.Bildschirmfoto 2015-03-10 um 10.14.49

Quelle: SECO

Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist schweizweit gesunken. Während im Januar 2015 noch 19’511 Jugendliche als arbeitslos registriert waren, sind es im Februar 2015 nur noch 19’041, was einer Verringerung der Anzahl stellensuchender Jugendlicher von 2,4% entspricht.

Können wir unter Einbezug dieser Zahlen also annehmen, dass sich die Aufhebung des Euromindestkurses mitnichten so verheerend auf den Schweizer Wirtschaftsmarkt auswirkt, wie dies von vielen Seiten prophezeit wurde? Eine klare Antwort auf diese Frage kann nach wie vor nicht gegeben werden. Fakt ist jedoch, dass das Ausbleiben grober Veränderungen nach solch kurzer Zeit noch längst keinen Grund zur Entwarnung darstellt. Noch kann keine fundierte Aussage darüber getroffen werden, wie das Handeln der Schweizer Nationalbank die Arbeitssituation ihres Landes längerfristig beeinflussen wird, oder wie sich die allgemeine Wirtschaftslage in Europa auf die Schweiz auswirkt. Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass die jüngsten Ereignisse in Sachen Stellenabbau einiger grosser Konzerne eine andere Sprache sprechen, als die oben publizierten Arbeitslosenquoten. So hat zum Beispiel die Warenhauskette Manor angekündigt, 150 Arbeitsplätze in ihrem Hauptsitz in Basel zu streichen. Der Bauausrüster AFG gibt an, sich ob der „neuen Währungsrealität“ und des nun massiv gestiegenen Import- und Kostendruckes dazu gezwungen zu sehen, bis zu 200 Stellen abzubauen. Ähnlich düster sieht es bei der Flugzeugwartungsfirma SR Technics aus – auch diese gab die schwierige wirtschaftliche Situation als Grund dafür an, in naher Zukunft bis zu 250 Stellen in der Schweiz zu streichen. Einem weiteren grossen Stellenabbau werden sich Arbeitnehmer in der Schweiz und Österreich bei UPC Cablecom gegenübersehen. Bis 2018 ist hier ein gesamthafter Stellenabbau von 10% geplant, was gut 250 Arbeitsplätzen entspricht. Auch an den Banken geht der starke Franken selbstverständlich nicht spurlos vorbei. So kündigte Boris Collardi, CEO von Julius Bär, an, auf Grund des starken Frankens ein Sparprogramm in der Höhe von 100 Millionen Franken einzuführen, in dessen Rahmen auch rund 200 Stellen gestrichen werden sollen. Dieser nur sehr kleine Ausschnitt an Unternehmen, die 2015 teils massive Stellenkürzungen angekündigt haben, zeigt bereits deutlich, dass uns die fatalsten wirtschaftlichen Auswirkungen erst noch bevorstehen, und dass noch lange kein Grund zum Aufatmen besteht. Welche Auswirkungen das Ganze tatsächlich auf die Schweizer Wirtschaft und die Anzahl Arbeitsloser in der Schweiz haben wird, bleibt abzuwarten – aber dass noch etwas passieren wird, scheint mehr als wahrscheinlich zu sein.

Dennoch sollten Stellensuchende den Kopf nun nicht in den Sand stecken! Gemäss der Onlinestellensuchmaschine jobagent.ch gibt es aktuell noch 123’463 offene Stellen in der Schweiz die darauf warten, besetzt zu werden. Die Chancen, im dynamischen Arbeitsmarkt der Schweiz eine Stelle zu finden, sind also nach wie vor gross, und die Schweiz ist als Arbeitsort nach wie vor attraktiv.

Autorin: Lisa Weber

Quelle: SECO, Handelszeitung