Die Kraft der Musik als verpflichtendes Erbe

Die Kraft der Musik als verpflichtendes Erbe

Prof. Kurt Masur erhielt am 13. September im Kraftwerk von Peenemünde den diesjährigen Europäischen Kulturpreis für sein Lebenswerk. 1100 Gäste erlebten eine bewegende Verleihung und einen bereichernden Höhepunkt des diesjährigen Wagnerjubiläums. Text und Fotos: Uwe Roßner. In Peenemünde wird Geschichte geschrieben. Dort, wo einst in der Heeresversuchsanstalt des Dritten Reiches an der Wunderwaffe für die Kehre des totalen Kriegs geforscht wurde, ist heute eine Stätte, an der Europa gelebt und dessen musikalischer Nachwuchs ausgezeichnet auf die Zukunft vorbereitet wird. Als eine Krönung aller bisheriger Bemühungen des Usedomer Musikfestivals, sich als Podium der Ostsee in der multinationalen Region zu festigen, muss das Sonderkonzert vor dem offiziellen Saisonstart am 21. September an gleicher Stelle angesehen werden. In Kurt Masur fand das Musikfestival einen von Anfang an tatkräftigen Schirmherren, einen auf die unbedingte Liebe zur Musik setzenden Dirigenten und seit 2012 einen inspirierenden Mentor junger Orchesterleiter. „Danke für ihr Wirken und die Unterstützung“, äußerte Intendant Thomas Hummel in seinem abendlichen Grußwort. Mit Dankbarkeit und Demut blicke er zudem auf die letzten zwanzig Jahre zurück. Mit Musik sei es gelungen, Grenzen zu überschreiten.
„Wir ehren heute einen wirklichen Weltkünstler und –bürger“, sagte Thilo Braune als Präsident der Europäischen Kulturstiftung. Als Botschafter europäischer Kultur und Werte sowie als engagierter Förderer musikalischer Nachwuchstalente habe dieser sich große Verdienste erworben. Zudem vermochte sein humanitäres Engagement und seine menschliche Größe dem Prozeß der friedlichen Revolution in Deutschland maßgebliche Impulse zu geben.
Als Laudator erinnerte sich der Freund und Weggefährte Prof. Siefried Matthus an den bewegten Lebenslauf des heute 86jährigen Maestros: „Wie ist aus diesem in der Jugend verträumten sensiblen Geschöpf ein universeller Weltmusiker geworden? Dieser lange Weg war schwer erkämpft und erobert. Bei vielen Tourneen in den Musikzentren der Welt und anderswo habe ich erlebt, wie Kurt Masur im Verlaufe des Konzerts den Erfolg für sich und sein Orchester errungen und erkämpft hat.“
„Das ist der schwierigste Moment meines Lebens. Ich weiß es war nicht sinnlos“, gestand der Gewürdigte im Beisein seiner Frau der Festgesellschaft. Mit dem Blick auf die Konflikte in der Welt mahnte er, sich um die Zukunft des Nachwuchses zu kümmern. Welch bewegende Früchte seine Meisterklasse in der vergangenen Woche erbrachte, bewiesen die vier von einhundert ausgewählten jungen Dirigenten mit Anton Bruckners 4. Sinfonie und dem Vorspiel zu Richard Wagner „Tannhäuser“. Deutlich stach dabei der Norweger Martin Olsen heraus, der Bruckner als glühenden Wagnerverehrer nicht mit brüllender Pracht, sondern mit fesselnder Eleganz und Klarheit bei den von ihm geleiteten Andante wie Scherzo Glanz verlieh. Mit dem Vorspiel Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ bewies Kurt Masur mit einem erfrischend zupackenden Baltic Youth Philharmonic (BYP) tadellos, seinen unbändigen Anspruch, selbst im hohen Alter auf höchstem Niveau musizieren zu wollen. Ein anderes auch: Wagners Musik in ihrer bis heute verführerischen Kraft kann trotz ihrer einstigen politischen Instrumentalisierung beglücken. Trotz Peenemünde.
„Ich wußte, dass es ein großartiger Abend werden würde. Dennoch sind alle meine Erwartungen übertroffen worden“, gestand Georg Friedrich Prinz von Preußen als Ehrenpräsident des Usedomer Musikfestivals. „Ich bin tief beeindruckt von Kurt Masur und sehr dankbar, wie er sich für uns eingesetzt hat.“
„Kurt Masur ist eine lebende Legende“, äußerte Martin Olsen im Anschluß anerkennend. „Ich werde diesen Abend nie vergessen“, versicherte Yuwon Kim. Mit der Teilnahme an der einwöchigen Meisterklasse ging für die 25jährige Koreanerin ein Traum in Erfüllung. „Peenemünde ist ein gigantischer Ort von Geschichte und großartiger Faszination. Es hat mich sehr gefreut, Kurt Masur den Preis hier überreichen zu können“, so Thilo Braune. Im Mai konnte dieser aus gesundheitlichen Gründen an der Gala des Europäischen Kulturpreises in Leipzig nicht teilnehmen.
Bildunterschriften:
Fotos: Uwe Roßner 2013
Prof. Wolfgang Kenntemich, Prof. Kurt Masur, Prof. Siegfried Matthus und Thilo Braune am Freitagabend im Peenemünder Kraftwerk kurz nach der Auszeichnung des Europäischen Kulturpreises 2013 an Kurt Masur. 

  • Der Preis
  • Prof. Siegfried Matthus
  • Thilo Braune
  • Georg Friedrich Prinz von Preußen