„Die goldene Kette“ – Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen

Ich habe in meinen Weihnachtsdokumenten die nette Weihnachtsgeschichte „Die goldene Kette gefunden“. Eine schöne Vorlesegeschichte für ältere Kinder und Erwachsene: 

Hallo! Ich hoffe, ihr habt ein wenig Zeit, denn ich möchte Euch eine Geschichte erzählen, die ich selber erlebt habe. Das ist zwar jetzt einige Jahre her, aber dafür ist alles wirklich passiert.

Es fing damit an, dass ich eine Einladung bekommen habe. Eine ganz, ganz entfernte Verwandte, die schon seit langem in einem anderen Land lebte, erwartete ein Kind. Und zum Fest der Geburt war ich eingeladen! Zwei meiner Freunde waren auch eingeladen, und weil wir noch nie in dem fremden Land waren und noch überhaupt keine so weite Reise gemacht haben, beschlossen wir voller Abenteuerlust, uns auf den Weg zu machen.

Damals, das müsst Ihr wissen, gab es noch keine Flugzeuge oder Schnellbahnen, und so mussten wir viel Zeit für unsere Reise einplanen. Aber das war nicht das Problem, wir freuten uns schon darauf, unterwegs neue Länder kennen zu lernen. Wir machten uns vielmehr Gedanken darüber, was wir wohl als Geschenk mitnehmen könnten. Meine beiden Freunde hatten sofort eine gute Idee, aber ich überlegte lange, was ich wohl mitnehmen kann. Zu groß und zu schwer darf ein Geschenk nicht sein, das man auf eine solange Reise mit sich tragen will.
Da fiel mir nach einigem Überlegen die goldene Kette ein, die schon seit Jahren in unserer Familie immer dem ältesten Sohn gehörte. Eine ganz wertvolle goldene Kette aus kostbaren, großen Kettengliedern mit einem seltsamen Schmuckstück dran. Das Schmuckstück sah aus wie zwei gekreuzte Stäbe und war auch aus Gold. Ein Kreuz, sozusagen. Keiner aus unserer Familie konnte sich erklären, was das zu bedeuten hatte, denn in unserem Land sah der Schmuck eigentlich ganz anders aus: Wir hatten Herzen, Sterne, in einander verschlungene Kreise und kleine Tiere aus Gold. Besonders die Tiere fand ich damals besonders schön. Aber ein einfaches Kreuz? Ich wusste nicht, ob das Kind sich darüber freuen würde. Aber immerhin war es aus Gold, und das war schon ein richtiger Schatz.

Ich hing mir die Kette aus Sicherheitsgründen um den Hals und wir machten uns auf den Weg. Durch viele fremde Länder kamen wir, manchmal haben wir auf freiem Feld übernachtet; und einmal sind wir sogar zwei Tage in einer Höhle gewesen, weil es in Strömen regnete und wir über den aufgeweichten Boden nicht weitergehen konnten. Viele kleine und große Abenteuer haben wir erlebt, aber davon möchte ich euch ein anderes Mal erzählen.

Eines Tages geschah etwas Merkwürdiges. Ein kleines Kind stand plötzlich mitten im Weg und bat mich um eine Gabe. Es war ganz abgemagert und hatte sicher schon seit Wochen nicht mehr richtig gegessen. Leider haben wir solch arme Menschen oft getroffen, denn es gab zu der Zeit viel Not und Elend bei den Menschen. Doch diesmal merkte ich, wie sich die Kette um meinem Hals auf einmal löste. Mit der einen Hand konnte ich sie noch gerade fassen, und mit der anderen Hand fing ich ein einzelnes Kettenglied auf. Ihr könnt euch vorstellen, was für große Augen das Kind bekam, als es in meiner Hand den goldenen Ring sah. Weil es dachte, dass ich ihn verschenken wollte, strahlte es über das ganze Gesicht, begann vor Freude zu hüpfen und umarmte mich.
Als ich den kleinen, ausgemergelten Körper in meinen Armen spürte, konnte ich nicht mehr anders. Ich habe dem Kind wirklich das Kettenglied geschenkt und zugesehen, dass ich schnell weiterkam.

Natürlich war die Kette jetzt zu klein, um sie weiter um den Hals zu tragen. Aber so ein neugeborenes Kind hat ja nicht so einen dicken Hals wie ich, nicht wahr? Die Kette würde wohl schon passen.

Aber ein paar Tage später sah ich auf unserem Weg ein Gruppe Waldarbeiter, die Bäume fällten und zu Brennholz machten. Als wir vorbeizogen, fiel einer der Holzfäller vor Erschöpfung zu Boden. Sofort kam der Vorarbeiter mit einer Peitsche in der Hand und schlug auf den armen Mann am Boden ein. Ich hatte meine Hand, in der ich die goldene Kette jetzt trug, in meiner Manteltasche. Da spürte ich, wie sich diesmal zwei Glieder der Kette löste. Ohne zu zögern gab ich das eine Kettenglied dem Vorarbeiter und kaufte den armen, erschöpften Mann frei. Das andere drückte ich dem ausgepeitschten Mann, der mich fassungslos anstarrte, in seine schwieligen Hände. «Wenn er das goldene Glied verkauft», dachte ich, «hat er sicher genug Geld, um ein Jahr gut zu leben. Vielleicht kann er sogar noch eine Familie ernähren, wenn er eine hat.» Aber ich habe nicht gefragt – ich bin weitergezogen, noch bevor jemand unangenehme Fragen stellen konnte.

Die Kette war jetzt eigentlich keine Halskette mehr. Aber vielleicht konnte das Kind, dem ich sie schenke wollte, die Kette wie ein Armband um das Handgelenk tragen?

Aber noch einmal kam mir etwas in die Quere. Eine heruntergekommene Räuberbande lauerte uns auf und umstellte uns von einen auf den anderen Augenblick. Meine beiden Freunde wollten schon zu ihren Waffen tragen und sich zur Wehr setzen, als sich die restlichen Kettenglieder alle auf einmal lösten und mir in meine offene Hand kullerten. «Was!?» dachte ich, «Ich soll damit Verbrecher und Lumpenpack unterstützen?» Aber die Kette hatte wohl ihren eigenen Willen, und so bot ich den Räubern an, dass ich jedem von ihnen ein Stück Gold geben würde, wenn sie uns in Frieden ziehen lassen würden. Nun, offensichtlich hatte keiner von ihnen Lust zu kämpfen, und so stimmten sie schnell zu und ließen uns in Frieden ziehen, jetzt um eine beträchtliche Summe reicher als zuvor.

Aber mir war gar nicht wohl zu Mute. Die wertvolle Kette war verloren, mir blieb als Geschenk nur noch dieses seltsame Kreuz. Ohne Kette sah es einfach nach gar nichts aus, und ich fragte mich, ob ich es überhaupt verschenken soll. Alle würden vermutlich lachen, denn wer hat schon jemals ein so langweiliges Schmuckstück gesehen?

So kamen wir schließlich an unser Ziel. Durch unsere Abenteuer waren wir nicht rechtzeitig zur Geburt gekommen, aber das war nicht schlimm; es war schön, überhaupt angekommen zu sein. Als ich aber die ärmliche Unterkunft sah, in der der Vater, die Mutter und das Kind untergekommen waren, tat es mir nochmal so leid um die wertvolle Kette. Die drei konnten Geld wirklich gebrauchen: In einem Stall war das Kind zur Welt gekommen, ganz in der Nähe von Bethlehem. Schon viele andere Menschen – hauptsächlich arme Leute, Hirten und Bauern – waren der Einladung gefolgt und hatten das Kind begrüßt. Meine beiden Freunde knieten ebenfalls vor dem Kind nieder, der eine schenkte eine große Kiste mit Weihrauch, ein ganz seltener und kostbarer Schatz; und mein zweiter Reisegefährte gab seine wertvollsten Salben und Düfte her: Myrrhe, Aloë und Kassia.
Nur ich stand etwas verlegen vor dem Kind. Meine Kette war ja verloren. Sollte ich nun wirklich das unscheinbare Kreuz hergeben? Immerhin war es aus reinem Gold, und wenn es auch zusammen mit der Kette mehr wert war als alle anderen Geschenke, so war es auch alleine eine hilfreiche Sache für die armen Leute. So beugte auch ich meine Knie und gab dem Kind das goldene Kreuz.

Ihr glaubt gar nicht, was da geschah: Plötzlich sah ich die Welt voller Licht, Musik erfüllte den Stall von so wunderbarer Reinheit, wie ich sie nie wieder vernommen hatte. Und dann hörte ich das Kind sprechen. Ja, der kleine, frischgeborene Sohn sprach zu mir! Ich hörte seine Stimme in meinen Ohren, auch wenn der Kleine seinen Mund nicht bewegte.

„Danke!“ sagte er zu mir und strahlte mich an.

„Och, nicht dafür!“ gab ich leise zurück, und wurde ein wenig verlegen: „Eigentlich gehört noch eine Kette dazu, aber die habe ich auf der Reise verloren.“

„Nein,“ sagte das Kind und lächelte, „nichts hast Du verloren. Du hast Deine Kette aus Gold nur eingetauscht in eine unendlich wertvollere Kette.“ und schaute an mir vorbei. Da wendete ich mich um und mir kamen die Tränen: Ich sah, dass alle, denen ich ein Glied der Kette geschenkt hatte, mir heimlich gefolgt waren und nun ebenfalls das Kind anbeteten. Das abgemagerte Kind war mit seiner Familie und seinen Freunden dort und schaute im Gebet versunken auf die Krippe. Der gemeine Vorarbeiter sah gar nicht mehr so gemein aus und betete genauso wie der arme Holzfäller. Sogar die Räuberbande kniete hinter mir und blickte andächtig auf das Kind. Frieden erfüllte ihre Gesichter.

„Mit den Menschen, die Du mir geschenkt hast, werde ich eine Kette durch alle Zeiten bauen“, meinte das kleine Kind. „Und hiermit“ fuhr das Kind ernst fort und hielt mit beiden Händen das goldene Kreuz fest, „hiermit werde ich dafür sorgen, dass diese Kette bis in den Himmel reicht.“

Der Autor und die Quelle der Geschichte „Die goldene Kette“ ist mir leider unbekannt.

Die Weihnachtsgeschichte „Die goldene Kette“ als PDF downloaden.

„Die goldene Kette“ als Krippenspiel verfasst zum Download als PDF.

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