Ein Haus voller Erinnerungen, ein Garten voller Fragen, ein Brief, der von Schuld und Vergebung erzählt. Manche Geheimnisse warten nur auf den richtigen Moment, um Vergangenheit und Gegenwart neu miteinander zu verweben.

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" aperture="aperture" />Cover von Die Gegenwart vergangene TageManchmal führt der Weg nach vorn durch die Schatten der Vergangenheit. 

Wenn Vergangenheit und Gegenwart sich berühren – Es gibt Geschichten, die beginnen mit einem Ereignis und es gibt Geschichten, die beginnen mit einem Gefühl. „Die Gegenwart vergangener Tage“ von Rola Rausch gehört ganz eindeutig zur zweiten Art. Schon die ersten Seiten tragen eine leise Melancholie in sich, eine Ahnung davon, dass hinter dem Offensichtlichen noch etwas anderes liegt. Etwas, das lange verborgen war. Etwas, das endlich gesehen werden möchte. Und hier liegt die besondere Stärke dieses Buches: Es erzählt nicht nur eine Geschichte über Geheimnisse. Es erzählt von den Spuren, die Menschen hinterlassen. Von Entscheidungen, die lange nachhallen. Und von der Hoffnung, dass selbst alte Wunden irgendwann heilen können. Wenn du jetzt neugierig geworden bist, dann komm doch mit auf eine Buchlänge nach Magdeburg. Auf geht’s…
Lena: zwischen Sicherheit und Sehnsucht – Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lena Schubert, eine junge Frau, die als Floristin in einer kleinen Berliner Gärtnerei arbeitet. Ihre Welt ist geprägt von Pflanzen, von Farben und von einem Rhythmus, der ruhig und vertraut wirkt. Blumen sind für Lena nicht einfach nur Dekoration. Sie sind Ausdruck von Leben, von Wachstum, von Veränderung. Doch genau dieses scheinbar sichere Leben beginnt zu bröckeln, als der Mann ihrer Chefin Nicole plötzlich als neuer Kollege auftaucht. Seine Anwesenheit bringt eine unterschwellige Spannung mit sich, die das bisher harmonische Arbeitsumfeld spürbar verändert.
Zwischen Misstrauen und unterschwelligen Konflikten beginnt Lena zu begreifen, dass manchmal ein einziger Mensch ausreicht, um ein ganzes Gleichgewicht ins Wanken zu bringen. In dieser Phase der Unsicherheit erreicht sie eine Nachricht, die zunächst wie ein unerwartetes Geschenk wirkt: Eine ihr völlig unbekannte Frau hat ihr eine Villa in Magdeburg vererbt. Plötzlich öffnet sich eine Tür zu einem anderen Leben. Zu einem Traum, den Lena lange in sich getragen hat, einem Studium der Landschaftsarchitektur, einem Neubeginn, einem eigenen Weg.
Doch dieser Traum ist nicht so einfach, wie er zunächst scheint. Denn mit dem Erbe kommt ein Brief. Ein Brief, der von Schuld spricht. Von einem begangenen Unrecht. Und von einer Bitte um Vergebung. Und mit einem Mal steht nicht mehr nur ein Haus im Raum – sondern eine Geschichte, die darauf wartet, erzählt zu werden.
Die Villa: ein Ort voller Erinnerungen – Die Villa in Magdeburg wirkt zunächst wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Verwitterte Mauern, bröckelnder Putz, ein Garten, der längst sich selbst überlassen wurde. Alles wirkt still und doch liegt eine spürbare Präsenz in diesem Ort. Es ist, als hätte die Vergangenheit hier ihre Spuren nicht nur hinterlassen, sondern bewahrt. Besonders der Garten wird zu einem Symbol für die Geschichte selbst. Überwuchert, wild und voller verborgener Schönheit erinnert er daran, dass Dinge manchmal nur deshalb verloren wirken, weil sich lange niemand mehr um sie gekümmert hat. Während Lena beginnt, das Erbe zu erkunden, wächst in ihr ein Gefühl, das schwer zu greifen ist. Neugier. Zweifel. Und die leise Ahnung, dass sie Teil einer Geschichte geworden ist, die viel größer ist als sie selbst.
Edgar: ein Mann zwischen Nähe und Geheimnis – In dieser neuen Welt begegnet Lena schließlich Edgar Bonté. Ein Mann, der zunächst ebenso ruhig wirkt wie der Garten, den er pflegt und doch eine Tiefe in sich trägt, die nicht sofort sichtbar wird. Edgar ist sympathisch, aufmerksam und gleichzeitig ein wenig verschlossen. Es scheint, als würde auch er Dinge mit sich tragen, über die er nicht leicht spricht. Zwischen ihm und Lena entwickelt sich eine Verbindung, die nicht von großen Gesten lebt, sondern von kleinen Momenten: Gespräche zwischen Pflanzen, Blicke, die mehr sagen als Worte, und eine Nähe, die langsam wächst. Gerade diese leise Entwicklung der Beziehung macht sie so glaubwürdig. Es ist kein lautes, dramatisches Aufeinandertreffen zweier Menschen, sondern ein vorsichtiges Annähern, das Raum lässt für Zweifel, für Vertrauen und für Hoffnung.
Zwei Zeitebenen: ein Geheimnis, das nicht vergessen werden kann – Eine der faszinierendsten Ebenen des Romans ist die Verknüpfung von Vergangenheit (1892) und Gegenwart (2025). Stück für Stück entfaltet sich eine zweite Zeitebene, die zeigt, dass manche Geschichten niemals wirklich abgeschlossen sind. Diese Rückblicke sind nicht nur spannend konstruiert, sondern auch emotional tief bewegend. Sie zeigen, wie Entscheidungen aus einer anderen Zeit noch Jahrzehnte später Wirkung entfalten können. Während Lena immer mehr über die Vergangenheit der Villa erfährt, entsteht ein Netz aus Erinnerungen, Schuld und Sehnsucht, das die Geschichte immer dichter werden lässt. Die Autorin versteht es dabei hervorragend, Spannung aufzubauen, ohne die Emotionen aus dem Blick zu verlieren.
Der Schreibstil: leise, poetisch und berührend – Der Schreibstil von Rola Rausch ist geprägt von einer ruhigen, beinahe poetischen Erzählweise. Sie nimmt sich Zeit für Stimmungen, für Details und für die kleinen Nuancen zwischen den Figuren. Gerade diese ruhige Intensität verleiht dem Roman seine besondere Atmosphäre. Man spürt beim Lesen förmlich den Duft der Blumen in der Gärtnerei, das Rascheln der Blätter im verwilderten Garten und die stille Melancholie eines Hauses, das lange darauf gewartet hat, wieder gesehen zu werden. Die Autorin schafft es, Emotionen nicht zu überzeichnen, sondern sie sanft entstehen zu lassen. Dadurch wirken viele Szenen besonders authentisch und bleiben lange im Gedächtnis.
FAZIT: Wenn die Vergangenheit plötzlich in der Gegenwart steht – Dieser Roman hat mich von der ersten Seite abgeholt und bekommt natürlich eine absolute Leseempfehlung. Mit „Die Gegenwart vergangener Tage“ hat Rola Rausch einen Roman geschaffen, der weit mehr ist als eine romantische Geschichte mit einem geheimnisvollen Hintergrund. Es ist ein Buch über Erinnerungen, über Schuld und über die Möglichkeit von Vergebung. Die Verbindung von zwei Zeitebenen, die atmosphärische Kulisse der alten Villa und die leise wachsende Beziehung zwischen Lena und Edgar machen diesen Roman zu einer Geschichte, die sowohl emotional berührt als auch spannend erzählt ist.
Besonders beeindruckend ist dabei die Art, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben werden. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass das, was einmal geschehen ist, nicht einfach verschwindet, sondern oft nur darauf wartet, verstanden zu werden. Dieser Roman erzählt von verlorenen Träumen, von Mut und von der Kraft der Liebe, die manchmal genau dort beginnt, wo wir sie am wenigsten erwarten. Wer Romane liebt, die emotional berühren, die langsam ihre Tiefe entfalten und deren Figuren sich echt und menschlich anfühlen, wird in diesem Buch eine Geschichte finden, die lange nachklingt.
Persönliches Schlusswort – Für mich war „Die Gegenwart vergangener Tage“ ein Buch, das sich leise in mein Herz geschlichen hat. Es ist eine Geschichte, die nicht laut sein muss, um zu berühren. Eine Geschichte über das Erinnern, über das Verstehen und über die Hoffnung, dass selbst aus den schwierigsten Kapiteln unseres Lebens etwas Neues wachsen kann. Vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke: Dass sie uns daran erinnert, dass Vergangenheit nicht nur etwas ist, das hinter uns liegt, sondern auch etwas, das uns formt, begleitet und manchmal erst den Weg in die Zukunft möglich macht. Und während man die letzte Seite schließt, bleibt ein Gefühl zurück, das schwer in Worte zu fassen ist: eine Mischung aus Wehmut, Hoffnung und dem stillen Wunsch, dass auch im eigenen Leben immer wieder neue Gärten entstehen können. Mir bleibt jetzt nur noch dir eine schöne Lesezeit mit diesem tollen Buch zu wünschen, denn vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Buches: Dass Vergangenheit nicht nur Schatten wirft. Manchmal zeigt sie uns auch den Weg zu einem neuen Anfang. 

Wieder lege ich ein sehr sehr tolles Buch beiseite und muss sagen, dieses hat mich sehr berührt. Wenn man überlegt, was in der Vergangenheit alles passiert sein könnte. Also, lasst uns eine Vergangenheit schreiben, wo unsere Nachkommen nicht böse erwachen! Ich schaue jetzt auf meinen Reader, denn da warten noch viele tolle Bücher darauf, gelesen zu werden. Bleibt also neugierig und bis bald 
