Die erlernte Unfähigkeit

Eine konstruktive Kritik an die Bloggerszene in Deutschland.
Diese und die Folgenden Zeilen fallen mir etwas schwer. Denn wer ist schon freiwillig, ohne Druck von außen und damit ohne Not bereit, auch eigene Fehler einzugestehen.
Den Anstoß zu diesem Beitrag hat mir Jens Blecker geliefert. Er hat in einem Beitrag erwähnt, das er den „Kongress der unabhängigen und alternativen Medien“ nicht mehr abhalten will. Er hat dies mit dem inzwischen inflationären Gebrauch von stattfindenden Kongressen begründet, die wie Pilze aus dem Boden sprießen.
Da ging kein Aufschrei durch die Bloggerszene, ich wage mal die Behauptung, dass das nur die wenigsten registriert haben. Doch ist dieser von Jens genannte Grund wirklich der einzige? Ich habe da meine Zweifel. Ich kenne Jens nicht gut genug, um zwischen seinen Zeilen den Hauptgrund zu erkennen. Was ich aber weiß, ist, das Jens ein Kämpfer ist und sich von Konkurrenz nicht abschrecken läßt, im Gegenteil. Was ist also der wahre Grund für die Aufgabe einer bislang erfolgreichen Veranstaltung?
Ich weiß es nicht, ich kann nur spekulieren. Vielleicht liegt es daran, das zwischen den Systemmedien und den „alternativen Medien“ kein großer Unterschied (mehr) besteht. Wir Blogger zerren so manche von den Systemmedien unterdrückte „Wahrheit“ ans Licht. Beschreiben die Ereignisse aus einer Sichtweise, die sich oft nur minimal von der der Systempresse unterscheidet. Beiträge auf manchem Blog sind vor lauter Werbung kaum zu finden. Ich habe nichts dagegen, das ein Blogger zumindest seine Webspacekosten decken will. Aber bei manchen hat wohl schon das Quotendenken eingesetzt.
Wollen wir Blogger wirklich eine Alternative sein? Wie definiert sich diese Alternative? In der Beschreibung von Zuständen wie die Euro-Krise, Schuldenkrise, welches Land nun abgestuft wird, welcher Konzern demnächst den Bach runter geht etc. kann es wohl nicht sein.
Das es auch investigative Beiträge gibt, die wichtig sind, bestreite ich nicht. Doch wie häufig kommt das vor? Und vor allem, welche Konsequenzen hat das?
Was machen wir Blogger besser?
Ist es nicht so, das wir den „Neugier-Reflex“ des Lesers genauso bedienen wie die Systemmedien?
Können wir uns nicht erst dann als „Alternative“ bezeichnen, wenn wir neben der Zustandsbeschreibung auch Lösungen anbieten?
Ich habe vor einiger Zeit ein paar Artikel für die Huffington-Post geschrieben. Als Blog für freie Autoren gedacht, wurde das Blog verkauft und vorher zahlreiche kritische Artikel gelöscht.
Es gab ja mal Bestrebungen, die Blogger zu „organisieren“. Allein das Wort „organisieren“ schreckt den Blogger ab. Blogger sind Individualisten und das ist gut so. Doch wenn wir Blogger eine echte Alternative zu der Systempresse sein wollen, kommen wir um einen gewissen Grad an Organisation nicht herum.
Und wenn wir diese Hürde nicht nehmen, dann scheitern wir an der erlernten Unfähigkeit.
Jens mag möglicherweise ähnliche Gedankengänge haben. Und damit wären wir schon zwei.
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