Die Cloud oder: Mein Jekyll & Hyde Syndrom

Typisches Bild, mit dem jede Cloud-Diskussion beginnt (Source Miki Sandorfi, Hitachi)

Typisches Bild, mit dem jede Cloud-Diskussion beginnt (Source Miki Sandorfi, Hitachi)

Vergangene Woche war ich zu Gast bei Hitachi Data Systems und der Villa Kennedy in Frankfurt. Es wurde ein Roundtable zum Thema Cloud veranstaltet, moderiert von Miki Sandorfi, Chief Strategist von Hitachi und aus den USA zu Gast.

Zuerst wollte ich in diesem Blog ausführlich über das Leistungsangebot von Hitachi und von uns schreiben und welche Technologien wie am besten funktionieren. Aber die Diskussion in der Runde hat doch in mir gearbeitet, und so schreibe ich heute über das Marketing-Problem von Cloud, jedenfalls bin ich inzwischen der Meinung, dass Cloud ein solches hat.

In der Diskussion waren einige Vertreter aus der IT von Banken vertreten – per Definition und zu Recht sehr skeptisch diesem Thema gegenüber. Während des munteren Austausches wurde mir klar, dass Cloud-Skepsis nicht wegen der eigentlichen Leistungen vorhanden ist. Cloud hat ein Marketingproblem:

Nein – Cloud ist kein nebulöses Verschwinden von unternehmenskritischen Daten in eine externe Umgebung. Da ist schon der Begriff Cloud = Wolke problematisch. Vielleicht erleben wir hier den interessanten Fall, dass eine Marketingbegriff sich tatsächlich im richtigen Leben im Weg steht.

Ja – Cloud ist vielmehr der Ausdruck eines ultimativen Problems der IT-Organisation: Wie gestalte ich die IT so effizient, dass ich den fordernden Business-Abteilungen 1. schnell gewünschte IT-Leistungen bereit stelle und 2. zu einem sinnvollen Preis. Denn Business-Abteilungen wollen, dass sie alle IT-Leistungen sofort bekommen – aber es soll nicht die eigene Kostenstelle belasten. So – und wenn es jetzt eine Entwicklung gibt, die es dem CIO ermöglicht, große Mengen an Daten nachzuhalten, dynamisch Kapazitäten auf- oder abzubauen und auch nur die wirklich genutzte Kapazität zu bezahlen, dann ist das hilfreich.

Nur – wer wählt nach welchen Kriterien aus, welche Daten in diese Infrastruktur gehen und welche nicht? Das ist die große Frage. Die Antwort von Miki Sandorfi war, dass die Geschäftsregeln und Filter das Unternehmen erstellen muss: „We give you the tools and technology – you need to know your business.“ Damit hat er natürlich recht, dennoch ist das eine anspruchsvolle Aufforderung. Hier sehen wir Cirquent als Schnittstelle.

Ich als Marketingexpertin in einer IT-Beratung habe zwei Herzen in meiner Brust. Man kann es auch das Jekyll & Hyde Syndrom nennen. In IT-Diskussionen verstehe ich die Krux der IT-Organisation (Auftritt: Ich als Frau Jekyll). Immer mehr, immer schneller, immer billiger – aber in bester Qualität – das ist ein enormer Druck. Andererseits erlebe ich IT-Vertreter oft auch in einer gewissen Starre. Mein Lieblingsbeispiel für den aktuellen Brandbeschleuniger dieses Konfliktes: Social Media. Und auch beim Mittagessen führte ich diese Diskussion, diesmal als Vertreterin meiner Marketingzunft (Auftritt: Ich als Frau Hyde). Wenn dann IT-Vertreter gegenüber dem Business beim Thema Social Media (= neue Kommunikationskanäle zum Kunden) so ablehnend stehen („Das Twitter sitzen wir auch noch aus“) – nun, dann laufen die Business-Abteilungen eben allein los mit ihren Ideen und Wünschen, fordern immer ungnädiger.

Und schon sind wir wieder bei dem ultimativen Druck. Gegen den das Konzept „Cloud“ ein Hilfsmittel sein kann!


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