Die Angst des weißen Mannes: Pekinger Luft

Bei Olympia 2008 war die Luftverschmutzung ein großes Thema. Würde die pekinger Luft die Athleten in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigen? Die chinesischen Teilnehmer hat sie jedenfalls nicht beeinträchtigt. Sie holten die meisten Goldmedaillen von allen Nationen. Es wurde im Vorfeld viel getan gegen die Luftverschmutzung. Künstlicher Regen wurde mit Chemie-Raketen, die in den Himmel gefeuert wurden, erzeugt, je nach Wochentag durften eine zeitlang auch jeweils nur Autos mit geraden, respektive ungeraden Nummern gefahren werden. Man mag selbst beurteilen, ob in diesen Handlungen gegen die Luftverschmutzung eine Prise Aktionismus lag. Jedenfalls zeigt sich hieran, dass der weiße Mann die Angst vor der pekinger Luft nicht exklusiv hat.

Doch ist die Luftverschmutzung der Stadt Peking wirklich so schlimm, wie sie in den westlichen Medien dargestellt wird? Nein, ist sie nicht, sondern noch schlimmer. Leute mit Mundschutz sind, im Gegensatz zu Großstädten anderer asiatischer Länder, im Straßenbild selten, aber man sollte daraus nicht schließen, dass die Luft gut wäre. Es herrscht scheinbar lediglich nicht dieselbe Besorgnis der Menschen, wie zum Beispiel in Tokio.

Dass einem, im Vergleich mit Peking, Städte wie Berlin, Madrid, oder London wie Luftkurorte in der Rhön vorkommen, liegt nicht allein an den Abgasen von Industrie und Verkehr. Auch Pekings extrem trockenes Klima und seine Lage, hin zum mongolischen Steppenland, tragen dazu bei. Mitunter wird Sand aus der Wüste Gobi vom Wind bis nach Peking getragen. Der Sand greift die Haut an, und macht die Luft noch trockener. Trotz des windigen Klimas der Stadt ist somit fast nie gute Luft. Die Sonne ist im Sommer oft nur an sehr windigen Tagen zu sehen. An den Tagen, an denen das Regenwasser bräunlich bis gelbfarben ist, hofft man natürlich, dass es nur der Wüstensand ist, der diese Färbung verursacht.

Diese faszinierende Stadt hat bedauerlicherweise unter ihrer Luft zu leiden. Man muss gut aufpassen, bei Erkältugen, oder anderen Atemwegserkrankungen. Wer die Gelegenheit hat, spätabends in Peking in einem Auto auf den großen Ringautobahnen, die die Stadt durchziehen, unterwegs zu sein, wird an besonders schlimmen Tagen kleine Wolken in Bodennähe zu sehen bekommen. Diese Wolken sind kein Nebel.

Nicht nur der weiße Mann fürchtet die Luft in Peking. Der Tanz mit dem Drachen fordert von allen Tänzern seinen Tribut, ob sie seine Kinder sind, oder nicht.  Alle sind froh, wenn sie für ein paar Tage aus der Stadt rauskommen, und außerhalb etwas frische Luft tanken können.

Der große Drache vereint viele Gegensätze in sich, und wie er im Ganzen ist, so ist auch seine Hauptstadt, im Kleinen. Peking ist ein Ort der Gegensätze. Es mag vielleicht auf den ersten Blick wie ein einziger, riesenhafter grauer Moloch erscheinen, doch diese Beurteilung würde ihm nicht gerecht. Peking besitzt, über sein Stadtgebiet verteilt, viele große Grünanlagen. An den großen Seen jener Parks, im Grünen, ist die Luft ein Wenig besser und wohlschmeckender. So scheint es einem zumindest.

Die Angst des weißen Mannes: Pekinger Luft