Deutscher Schwarzarbeit Mythos & FDP Steuermärchen

Die steuerliche Abgabenbelastung für Arbeitnehmer und Unternehmer sind in Deutschland bekanntermaßen hoch, und liegen über dem europäischen Durchschnitt. Deswegen können viele Erwerbstätige irgendwann keinen Sinn mehr in ihrer Steuerehrlichkeit mehr sehen; sie fühlen sich buchstäblich um den Lohn ihrer Arbeit beraubt und entziehen sich der legalen Wirtschaft. Der Schwarzarbeiter ist geboren. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden geht in die Millliarden. Wir alle leiden furchtbar darunter, wie können Strassen und Schwimmbäder noch finanziert werden?

ad 1: Mythos

Es ist der Ökonom Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz, der nun schon seit bald 15 Jahren die deutsche Öffentlichkeit dermaßen verschreckt und deutsche Wirtschaftspolitiker auf die Palme bringt. So behauptete Schneider einst, der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP habe sich zwischen 1970 und 2003 auf 17 Prozent fast versechsfacht! Seither schwankt der Gesamtwert der schattenwirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland nach Angaben des Linzer Wirtschaftswissenschaftlers zwischen 340 und 360 Milliarden Euro pro Jahr. Und das, liebe Freunde, entspricht umgerechnet der Arbeitsleistung von sechs bis sieben Millionen Vollzeitjobs. Auf die offizielle Arbeitslosenquote bezogen würde das bei einer Reintegration der Schwarzarbeit in den legalen Arbeitsmarkt schlichtweg Vollbeschäftigung bedeuten, inklusive Wiederbelebung der  darbenden Sozialversicherungssysteme.

ad 2 Falsche Schlüsse von falschen Experten

Die FDP hat den Braten sofort gerochen und schlussfolgerte: Wenn Schwarzarbeit wegen der hohen Abgaben ensteht, dann müssen wir einfach nur die Steuern senken, und zwar für alle, und besonders für die besser Verdienenden, damit sich Leistung wieder lohnt, man sich wertgeschätzt fühlt und nicht mehr abgemolken. Sofort würden alle ehemaligen Steuerhinterzieher sofort  sozial werden und freiwillig im Rahmen von Charity geldwerte Wohltaten unter das Volk bringen – ganz so, wie es in den USA schon vorbildlich praktiziert wird. Alle sind glücklich und alles wird gut.

Abgesehen von der völlig sinnfreien und unlogischen Begründung ihrer Steuerpolitik,  hat die FDP noch einen weiteren fachlich fragwürdigen Schlenker hingelegt. Sie überprüfte ihre wissenschatliche Datenbasis nicht.

ad 3: Widerlegung

Schwarzarbeit ist nämlich in Deutschland weitaus weniger verbreitet als angenommen. In der ersten Dekade des Jahrtausends wurden deutlich unter fünf Prozent aller Arbeitsstunden schwarz geleistet, so die Studienergebnissen des Volkswirts Lars P. Feld, der als Wirtschaftsweiser dem Sachverständigenrat angehört. Er widerlegte  damit die so lange gepflegte Legende von einer wuchernden Schattenwirtschaft mit einem Anteil von bis zu 17 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Feld wertete in Zusammenarbeit mit der renommierten dänischen Rockwool-Stiftung 14 wissenschaftliche Befragungen aus den Jahren 2001 bis 2008 aus, um dem tatsächlichen Ausmaß der Schwarzarbeit in Deutschland nahe zu kommen. Übrigens gibt es auch einen kleinen Unterschied zwischen Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft. Zur Schattenwirtschaft gehören auch Mafia Einkünfte, Erlöse aus Drogengeschäfte, Schmuggel und Betrügereien. Und die lassen sich durch ein Steuerkonzept bestimmt nicht in die legale Wirtschaft überführen.

ad 4: Dumm aus der Wäsche gucken und froh sein, dass keiner hinschaut

Die FDP sieht nun ihre Datenfelle davon schwimmen und sieht sich genötigt alles neu zu überdenken. Das geschieht freilich jetzt im Stillen und Verborgenen, zumal mit Eurokrise, Bankenrettungsschirm, Occupy Anarchie und Schlecker Delirium der öffentliche Fokus eindeutig auf gewichtigere Themen liegt. Was für ein Glück für unsere Finanzelite.

ad 5: Kleine Frage – wie geht es weiter?

frag’ nicht…schau nach Europa.

beste Grüße ans Steuervolk

René Brandstädter – humanicum

PS: auf der Site des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung wird Prof. Lars P. Feld mit seiner Arbeit vorgestellt. Ein Blick darauf lohnt.