Der Zufall und die Katastrophen

Letzten Samstag stand ich auf der Autobahn im Stau. Als ich mich da so umblickte, erinnerte ich mich an das letzte Mal, dass ich auf der Autobahn im Stau gestanden hatte, was auch an einem Samstag gewesen war, im Dezember 2016, worüber ich in diesem Blog sogar etwas schrieb. In der Woche auf jenen winterlichen Samstagsstau gab es den Terroranschlag mittels Fahrzeug in Berlin mit zahlreichen Toten. Ich dachte während dieses erneuten Staus darüber nach, wieder etwas dazu zu schreiben, hatte aber ein komisches Gefühl dabei. Jetzt, in der Woche auf diesen sommerlichen Samstagsstau, gab es den Terroranschlag mittels Fahrzeug in Barcelona mit zahlreichen Toten.

Das ist nur Zufall. Meine unfreiwillige Teilnahme an einem Verkehrsstau auf der Autobahn, ob nun an einem Samstag oder einem anderen Tag, ist kein Omen dafür, dass Tage später Menschen absichtlich von einem Terroristen totgefahren werden. Ich habe auch schon früher samstags im Autobahn-Stau gesteckt, ohne dass es kurz darauf einen Anschlag in einer europäischen Metropole gab. Nichtsdestotrotz sind solche Zufälle unheimlich. Sie machen einem Angst, weil dabei Rationalität und Logik auf diese leise Stimme im Hinterkopf treffen, die das Übernatürliche nicht ganz ausschließen will.

Der Zufall und die KatastrophenStaus sind auf deutschen Autobahnen nichts Seltenes. An Samstagen im Reisemonat August schon einmal gar nicht. Andererseits bin ich persönlich nicht besonders oft auf Autobahnen unterwegs. Wenn, dann allerdings tatsächlich fast nur am Wochenende. So kann man immer weiter argumentieren. Ja. Aber. Ich saß auch im selben Auto wie beim Stau davor, auf demselben Platz und hatte dieselben Kopfhörer auf. Das sind aber nun einmal unser Auto, mein Platz und meine Kopfhörer. Es war eine andere Strecke.

Die Geschichte der Menschheit ist voll von Zufällen, bei denen einem der Schauer durch die Glieder fährt, viel mehr noch als in diesem Stau-Fall. Besonders rund um Katastrophen offenbaren sich immer wieder unfassbare, willkürliche Vorgänge, durch die Menschen gerettet werden oder nicht gerettet werden. Vielen schrecklichen Ereignissen sind Situationen vorausgegangen, die im Nachhinein wie eine Vorhersage oder Warnung erscheinen, die offenbar nur keiner verstanden hat.

Plötzlich Prophet

Der Zufall und die KatastrophenDer Name Morgan Robertson ist den meisten Menschen kein Begriff, aber viele von denen, die mit seinem Namen etwas anfangen können, glauben, dass er den Untergang der Titanic vorhergesehen hat. Im Jahr 1898 veröffentlichte er den Roman „Titan. Eine Liebesgeschichte auf hoher See" (Original: „The Wreck of the Titan: Or, Futility") über ein luxuriöses Passagierschiff namens Titan, das im Nordatlantik mit einem Eisberg kollidiert und sinkt. Zahllose Menschen sterben, da das Schiff nicht mit ausreichend Rettungsbooten ausgestattet ist. Im Jahr 1912 kollidierte bekanntlich ein luxuriöses Passagierschiff namens Titanic im Nordatlantik mit einem Eisberg und sank. Zahllose Menschen starben, da das Schiff nicht mit ausreichend Rettungsbooten ausgestattet war.

Hatte Morgan Robertson damals etwa eine Vision der Katastrophe, die sich 14 Jahre später ereignen sollte, und machte daraus einen Roman? Immerhin gibt es noch weitere bemerkenswerte Parallelen zwischen der fiktiven Titan und der realen Titanic, wie die Tatsache, dass beide Schiffe unter britischer Flagge fuhren. Kann das alle wirklich nur Zufall sein? Nach dem Untergang der Titanic wurde das bis dahin kaum beachtete Buch zum Erfolg.

Mal abgesehen von den diversen Unterschieden zwischen dem Untergang der Titan im Buch und dem der Titanic in der Realität - so rammt die Titan den Eisberg bei Nebel, bei der Titanic war es eine klare Nacht, die Titan sinkt in Minuten, bei der Titanic dauerte es Stunden und im Buch überleben deutlich weniger Menschen als dies bei der wahren Katastrophe der Fall gewesen ist - war Morgan Robertson wohl weniger ein Hellseher als ein Kenner der Seefahrt seiner Zeit. Dass Schiffe mit Eisbergen kollidierten und sanken, in Stunden oder in Minuten, war damals nicht ungewöhnlich. Es ist wohl wahrscheinlicher, dass der Autor, der selbst zur See gefahren ist, von vergangenen Ereignissen wie dem Untergang des Schiffes Titania, das 1880 durch den Zusammenstoß mit einem Eisberg sank, inspiriert wurde, als dass er zukünftige Ereignisse vorhergesehen hat. Nicht selten erweist sich der Zufall einfach als naher Verwandter der Erfahrung.

Auch namhafteren Autoren als Mr. Robertson könnte man prophetische Gaben nachsagen. So verfasste Edgar Allen Poe 1838 den Roman „Die Erzählung des Arthur Gordon Pym aus Nantucket" (Original: „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket"). Darin töten drei schiffbrüchige Seeleute in ihrer Verzweiflung einen Kabinenjungen namens Richard Parker, um ihn zu essen. Im Jahr 1884, gut 45 Jahre nach Erscheinen von Poe's Werk, fanden sich vier Männer gefangen in einem Rettungsboot wieder, ohne Land oder andere Schiffe in Sicht. Drei der Schiffbrüchigen töteten schließlich den Jüngsten und Schwächsten von ihnen und aßen ihn auf. Sein Name war Richard Parker.

Anders als Zusammenstöße mit Eisbergen waren Fälle von Rettungsboot-Kannibalismus auch im 19. Jahrhundert (glücklicherweise) eine große Seltenheit. Auf den Namen Richard Parker trifft das freilich nicht zu, sowohl Richard als Vor- wie auch Parker als Nachname sind bis heute im englischsprachigen Raum sehr weit verbreitet. Es ist schon ein schauriger Zufall, keine Frage, aber mit Sicherheit nur das: ein Zufall.

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