Der vierte Weg

Der vierte Weg

Wenn sich Dimensionen verschieben und die Schatten ihre Finger durch die Gänge der Zeit strecken, wenn das Licht zurückweicht, wenn fremde Welten in unsere eindringen und diese durchschneiden, wie mit einem Messer tranchieren und uns alle halbieren, dann müssen wir uns entscheiden: Wollen wir bleiben? Wollen wir gehen? Hinter dem großen Tor wartet ein dunkler Fürst und hinter dem kleinen sind Räume, die es gar nicht gibt.

„Die Gläubigen werden in den Himmel kommen, die Ungläubigen in die Hölle und die Zweifler werden sich in der unendlichen Einsamkeit des Zeitflusses verirren.“ Der alte Mann mit dem faltigen Gesicht und dem langen grauweißen Bart klopfte wie zur Bestätigung mit seiner Pfeife auf den Holztisch. In der düsteren Kneipe wurde es drückend ruhig. Die Gäste schauten verstohlen zu ihm.

Ob er mit sich selbst oder einem unsichtbaren Gegenüber gesprochen hatte, ließ sich nicht ausmachen. Der Alte saß alleine am Tisch.

„So einfach ist es nicht.“ Ein Mann in der Nähe des Alten war aufgestanden. Die übrigen Gäste tuschelten leise. Der Unbekannte war jung, lange schwarze Haare umrahmten ein schmales Gesicht aus dem zwei große hellbraune Augen blickten, sie leuchteten im Kerzenlicht. Der Mann trug einen langen dunkelgrauen Mantel mit zurückgeklappter Kapuze.

Der Alte schaute ihn nicht an. Nach wie vor starrte er auf ein unsichtbares Gegenüber. Seine Augen waren dunkel wie die Nacht. Ungerührt fuhr er weiter:

„Die Zeit ist nah, die Zeit ist reif. Bereitet euch vor für eine Reise ohne Wiederkehr. Verjagt den Zweifel und reinigt eure Herzen. Hinter dem Tor, jenseits der Träume, wartet das Paradies.“

„Es gibt kein Paradies“, warf der junge Mann ein. Er stand immer noch an seinem Tisch. „Hört nicht auf den alten Verführer. Er lügt und will euch in die Arme der Finsternis treiben.“

Die Menschen in der Kneipe wurden unruhig. Sie wussten, der Konflikt würde eskalieren. Der Wirt hinter der Theke vertiefte sich ins Gläserputzen und die leichten Damen verschwanden diskret durch die Hintertür.

Der junge Mann verließ seinen Platz und kam auf den Tisch des Alten zu. Auch der erhob sich nun, auf seinen Erlenstock gestützt.

Als sich die beiden gegenüber standen und mit ihren Blicken maßen, sagte der Alte:

„Träume existieren nicht, junger Mann. Sie sind bloß Illusion, hervorgerufen durch den nächtlichen Leerlauf des Gedanken. Dein Weg existiert nicht. Du hast nur die Wahl zwischen den beiden Toren. Dem großen, das ins Paradies führt und dem kleinen, hinter dem die Hölle wartet. Entscheidest du dich für keines der beiden, bist du ein Zweifler und deine Seele ist für immer verloren. Noch ist es Zeit, deiner falschen Religion zu entsagen.“

„Es gibt einen weiteren Weg und der benötigt weder Religion noch Zweifel. Wenn man bereit ist, das Unmögliche zu denken, werden sich seine Türen wie von selbst öffnen. Der Schlüssel dazu liegt in unseren Träumen. Sie sind mehr als sie scheinen, mächtiger als die Finsternis. Der Mensch hat nicht nur die Wahl zwischen Religion und dem Nichts, nicht nur die Wahl zwischen verführt werden und ewiger Verdammnis. Es gibt einen Weg der Selbstbestimmung.“

„Du verspottest Gott! Das ist Blasphemie.“ Der Alte zitterte.

„Nein, ich verspotte Gott nicht, er interessiert mich nicht. Ich will nichts mit ihm zu tun haben.“

„Dann bist du ein Zweifler und dazu verdammt, auf ewig im Nichts zu verzweifeln.“

„Nein, ich bin ein Suchender. Es gibt einen Weg ins Jenseits ohne Gott und Teufel, als freie Seele niemandem verpflichtet. Man muss ihn bloß finden.“

Hinter der Theke klirrte ein Glas. Der Wirt hatte es fallen lassen.

Leider bin ich im selben Moment aufgewacht, und so weiß ich nicht, wie der Streit ausgegangen ist. Euer Traumperlentaucher



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