Der verträumte Chirurg

Der verträumte ChirurgScott Matthew
„Unlearned“

(Glitterhouse)
Das kann nur ironisch gemeint sein: „Ob das dann ähnlich ergreifend wie bei den eigenen Liedern des Künstlers klingt?“ fragte die SPEX kürzlich auf ihrer Website. Das wäre ungefähr das Gleiche, als wollte man ernsthaft anzweifeln, Pep Guardiola (Achtung – aktueller Zeitbezug!) verstünde nach seinem Wechsel vom ruhmreichen FC Barcelona zum fast so ruhmreichen FC Bayern sein Trainerhandwerk nicht mehr. Oder anders: Scott Matthew kann eigentlich gar nicht anders als „ergreifen“ – er würde das mutmaßlich auch mit der einigermaßen scheußlichen Bayern-Hymne „Stern des Südens“ schaffen. Gottlob gehört dieses Machwerk dennoch nicht zu den Songs, die Matthew auf seinem neuen Album, „Unlearned“, einer Platte, die diesmal komplett ohne eigene Kompositionen auskommen muss, einer Neubearbeitung unterzogen hat – Überraschungen gibt es trotzdem.
Neben Wesensverwandtem wie Jesus And Mary Chain, Radiohead, Morrissey und Joy Division tauchen hier nämlich auch Stücke von Whitney Houston und den Bee Gees auf. Und an ihnen beweist sich eben nicht nur der Künstler selbst, auch der Songschreiber holt sich im Nachhinein noch ein Stück Rehabilitation ab. Natürlich fallen einem bei solcher Gelegenheit stets Travis ein, die zu Zeiten, als sie noch relevante Musik fabrizierten, Britney Spears‘ Chartklopfer „... Baby One More Time“ zu einem zauberhaftem Re-entry verhalfen. Ähnliches gelingt dem Australier nun mit „I Wanna Dance With Somebody“ und „To Love Somebody“ – entschleunigt und vom Schmelz befreit offenbaren beide Stücke ungeahnte Qualitäten. Matthew verfährt auch über den Rest des Albums nach dem Prinzip ‚Stripped to the bones‘, soll heißen: Jedes der ausgewählten Lieder wird auf ein Mindestmaß an  Instrumentierung heruntergedimmt, akkustische Gitarre, hier ein trauriges Cello, dort eine vereinsamte Tuba, dazu seine zarte, brüchige Stimme – so legt er, einem verträumten Chirurgen gleich, die Struktur eines jeden Stückes frei.
Roberta Flacks „Jesse“ gelingt ihm so mindestens genauso gefühlvoll wie das Original, auch „L.O.V.E.“ und „Smile“ von Nat King Cole, ersteres im Duett mit Neil Hannon, enttäuschen im neuen Gewand nicht und der Wechselgesang mit seinem Vater für „Help Me Make It Through The Night“, ursprünglich von Kris Kristofferson, erwischt garantiert auch niemanden ohne Rührung. Dass zudem das regelrecht zu Tode gecoverte „Love Will Tear Us Apart“ noch zu überzeugen vermag grenzt fast an ein Wunder – Neil Young, Rod Stuart („I Don’t Wanna Talk About It“!), The Motels und abschließend John Denver, keines der Lieder verliert durch Matthews Interpretation an Schönheit und Glanz. Schade eigentlich, dass er mit Chan Marshall alias Cat Power nur für zwei Konzerte in Italien die Bühne teilt, aber wahrscheinlich ließe sich diese geballte Zerbrechlichkeit ohnehin nicht länger ertragen. Das Gespür für den guten Song und die Fähigkeit, sich diesen auf unnachahmliche Weise zu eigen zu machen, ist Matthew jedenfalls nicht abhanden gekommen – man muss sich um ihn diesbezüglich also keine Sorgen machen. www.scottmatthewmusic.com
13.07.  Rüsselsheim, Phono Pop Festival
17.07.  Berlin, Sommerloft
18.07.  Nürnberg, Desirena
19.07.  Feldkirch, Poolbar Festival
29.10.  Graz, PPC
30.10.  Innsbruck, Weekender
31.10.  Linz, Ahoi Pop Festival
01.11.  Wien, Porgy And Bess
02.11.  Salzburg, Arge
11.11.  München, Kammerspiele

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