Der Ringer: Fassungslos

Der Ringer: FassungslosDer Ringer
„Soft Kill“

(Staatsakt)
Der Hang, alles zu kategorisieren, ist aus Sicht des Musikrezensenten sicher verständlich, muss er doch versuchen, aus dem Gegenüber zunächst einen „Zuleser“ zu machen, der sich idealerweise zu einem Zuhörer entwickelt – und das gelingt nun mal schneller und einfacher, hat man ein paar griffige Verweise und das passende Label parat. Nun tut sich die Hamburger Band Der Ringer, folgt man ihren Wortmeldungen, selbst schon schwer, eine angemessene Beschreibung für ihren Stil zu finden, auf keinen Fall Retro, sonst vielleicht Space Pop, Soft Punk, klingt alles ein wenig linkisch und bemüht, wie also soll dann erst der Außenstehende damit zurechtkommen? Gegenfrage: Was ist schon schlimm daran, das Ganze im Ungefähren zu lassen? Ohnehin wirkt der Sound des Quintetts auf so sonderbare wie reizvolle Weise undefiniert und entrückt, ein Hybrid aus wuchtigen Gitarrenwänden und feingliedrigen, synthetisch kühlen Melodiegebilden. Hinzu kommt Jannik Schneiders zuweilen verfremdete, wattierte Stimme, die in einem eigenen Kosmos zu schweben scheint und vom Orbit, Fremdbestimmtheit und der zerbrechlichen Schönheit frostiger Eiskristalle singt. Major Tom, Space Oddity, Raumpatrouille?

Das und anderes. Das Leben als Avatar und so gar nicht real, künstliche, sich selbst fremde Cyberwesen hier („Apparat“, „Violence“), faszinierende Zellhaufen dort, die einander zwar interessiert und amüsiert betrachten, aber kaum begreifen („Mikroskop“) – es ist eine seltsame Welt, die Schneider als Textur zu den Stücken des Debütalbums baut. Dabei weiß er selbst nicht so genau, was und wieviel er will. Ewiges Bemühen, bis die Knochen brechen, ist keine Alternative und zudem recht schmerzhaft, stumm der Welt beim Drift zuschauen, scheint auch nicht die wahre Lösung und so treibt ihn die eigene Ohnmacht zur Verzweiflung – „Ich will doch nur erwachsen sein“, warum aber das Ganze, das kann ihm auch keiner glaubhaft sagen. Unbestimmte Formen, gleichsam fassungslos, selten waren sie so anmutig wie auf dieser Platte. Sie haben also konsequent das fortgeführt, was sie mit ihrer EP „Das Königreich liegt unter uns“ (2013) und einem Stück wie „Keine Trance, kein Rausch, kein Beifall“ angekündigt hatten und wenn das Weltall gerecht ist, wird man sie dafür lieben.
15.02.  Hamburg, Hafenklang
16.02.  Mainz, Schon Schön
17.02.  Stuttgart, 1210
18.02.  München, Orange House
19.02.  Wien, Orangehouse
21.02.  Düsseldorf, FFT
22.02.  Leipzig, Naumanns im Felsenkeller
24.02.  Berlin, ACUD