Der Qualitätsverlust im Kinderfernsehen

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...?" Den Gesang des Walrosses aus der Kindersendung „Urmel aus dem Eis" können viele Kinder heute nicht mehr vollenden, geschweige denn zuordnen.

Von Urmel aus dem Eis zu Spongebob aus der Ananas

Heutzutage träumen Heranwachsende davon, so berühmt zu sein wie ihre Idole in den sozialen Medien. Täglich begleiten sie ihre Helden vor den Bildschirmen bei deren Abenteuern. Sie bewundern die erdachten Welten und Superkräfte der Protagonisten und nehmen sie sich zum Vorbild. In den Schulpausen werden sie selbst zu ihrem Lieblingscharakter und spielen die actionreichen Kurzgeschichten nach.

Jedoch wird man wohl kaum Zeuge, wie eine Klasse in die Rolle von 101 Dalmatinern schlüpft und friedlich auf ihrem Bauernhof lebt. Jungen tragen wilde Kämpfe untereinander aus und wenn Mädchen ihre Liebe zu Tieren demonstrieren, dann allerdings als geflügeltes Einhorn. Bugs Bunny, wer ist das? Was hat sich verändert?

Die Familie im Vordergrund

Früher waren die Kindersendungen aus dem wahren Leben gegriffen. Unser trautes Heim oder Onkel Bill erzählten den chaotischen Alltag einer liebenswerten Familie. Aber auch Fantasiewesen, die mit Puppen dargestellt wurden, tauchten auf den Bildschirmen auf. Die Augsburgerpuppen Kiste, Lukas die Lokomotive oder auch die Sesamstraße bildeten die Vorgänger der modernen Animation.

Der Lerneffekt wurde großgeschrieben

Aber auch der Zeichentrick war bereits populär. Die Sendung mit der Maus verband diese Technik mit realen Personen. Kinder bekamen auf diese Weise Wissen vermittelt, das die gezeichneten Tierfiguren mit Spaß und Unterhaltung unterstrichen. Ein ähnliches Prinzip verfolgte Peter Lustig in der Sendung Löwenzahn: Weil das Kinderzimmer stets ordentlich aufgeräumt sein musste, faszinierte es die jungen Zuschauer umso mehr, in einem chaotischen Wohnwagen zu experimentieren.

In der damaligen Zeit schrieben die Fernsehkanäle den Lerneffekt groß. Kinder saßen trotzdem wie gebannt vor dem Fernsehgerät. Zum einen, weil Berieselungssendungen, wie wir sie heute kennen, noch nicht ausgestrahlt wurden, zum anderen, weil die vereinbarte Fernsehzeit von meist nur einer Stunde etwas ganz besonderes war.

Nicht selten schlang man sein Abendbrot hinunter oder verzichtete sogar auf den Nachtisch, um das geliebte Abendritual nicht zu verpassen. Mit der Ankündigung der Tagesschau endete die Fernsehzeit, danach schickten die Eltern die Kleinen zu Bett.

Ganz anders ist es heute, da es vielen Kindern egal ist, welche Serienfigur gerade über den Bildschirm hüpft. Das Angebot ist quantitativ zwar umfangreicher, jedoch eintöniger denn je. Ob nun Spongebob Schwammkopf oder Typisch Andy eine gute Nacht wünscht, spielt keine Rolle. Früher war allein dem Sandmännchen der Abendgruß vorbehalten- unabhängig, ob in Ost- oder Westdeutschland.

Werte und sozialer Umgang

Bald verdrängten Disneycartoons die Puppen. Anstelle der unterhaltsamen Wissensvermittlung entführten Aladin und die Duck Tales aus Entenhausen ihre Zuschauer in andere Welten. Immer noch lebten Mensch und Fantasiewesen in derselben Welt, mit dem Unterschied dass nun alle Statisten gezeichnet waren. Ob die Schlümpfe oder die Gummibärenbande- der Familienbund stand im Mittelpunkt der Sendungen. Den Kindern sollten vor allem Werte vermittelt werden: das Miteinander in der Gesellschaft, dass man Fehler machen darf, solange man dafür gerade steht.

Immer mehr Gewalt

Solche Fehler resultierten häufig aus der Tollpatschigkeit der Charaktere. Missgeschicke sind Grundsteine eines Handlungsverlaufs und einer der bewährtesten Mittel, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Leider führten sie mit der Zeit immer öfter dazu, dass andere Figuren Schaden nahmen. Während der Rosa rote Panther ein harmloser Zeitgenosse war, erlitt der ein oder andere Bösewicht bei Chip und Chap schon mal Schmerzen.

Der zunehmende Gewalteinfluss gipfelte in der Serie Tom und Jerry, die deshalb stark in der Kritik stand. Natürlich fiel in der Sendung mit der Maus auch mal ein Buch auf den Kopf, oder der Maus standen nach einer harmlosen Explosion die Schnurrhaare zu Berge, jedoch versuchte sie nie jemandem mutwillig Schaden zuzufügen.

Reine Unterhaltung

Völlig gewaltfrei, dafür aber ohne jeden Sinn sorgten die Teletubbies für Kopfschütteln der Eltern. Mit der Absicht, Kindern durch Einfachheit zu belehren, schlug vielen auf den Magen. Die meisten Menschen waren überzeugt, dass der eigentliche Zweck im Gegenteil endete und die Heranwachsenden verblödeten.

Ein Großteil der Kindersendungen spielte in einer erfundenen Welt, die mal mehr, mal weniger Parallelen mit dem echten Leben besaß. Mit Angela Anakonda oder Disneys Große Pause verlagerte sich der Alltag der Helden aber wieder in ein reales Milieu.

Modernes Kinderfernsehen ist ungeeigneter als jemals zuvor

Mittlerweile ist der Einfluss amerikanischer Serien unübersehbar. Eltern sind teilweise entrüstet, welche Szenen sich ihre Kinder anschauen. Es gibt kaum eine Folge, in der nichts explodiert. Die Protagonisten verfügen in den meisten Fällen über Superkräfte.

Das führt dazu, dass Kinder sich falsche Ideale schaffen. Sie erfüllen gar nicht die Voraussetzung, die Handlungen die sie sehen genauso umzusetzen. In ihrer Naivität sehnen sie sich aber nach einem ebenso aufregenden Alltag.

Es fällt zunehmend schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren, weshalb der Lerneffekt ausbleibt. Zwar greift das Fernsehprogramm noch immer den Familienalltag auf, doch Serien wie die Simpsons oder Family Guy bedienen nicht nur Klischees, sondern besitzen einen stark sexistischen Unterton.

Der aufgezeigte Humor ist nicht mehr altersgerecht. Kinder verstehen meistens gar nicht genau, worüber sie lachen. Trotzdem nehmen sie die Phrasen in ihren Wortschatz auf. Schließlich weist das eingespielte Publikumsgelächter auf vermeintlich lustige Szenen hin.


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