Der letzte Drink

Vor einigen Jahren habe ich für den Deutschunterricht in der Schule eine Kurzgeschichte schreiben müssen. Mehr oder weniger erfolgreich. Jahre später ist sie mir wieder in die Hände gefallen, aber in der damaligen Form war sie nicht mehr angebracht. Darum eine Neuentwicklung der KG mit ähnlicher Thematik, aber einem neuen, direkteren Setting.

Nur eine rissige Fensterscheibe trennte ihn von der staubigen Welt außerhalb des Saloons. Er hatte sich hierher zurückgezogen, um noch ein letztes Mal Whiskey auf seinem Gaumen zu schmecken. Der Saloon war verlassen. Keine Gäste saßen an den Tischen und selbst der Barkeeper räumte seinen Posten. Nun stand er alleine an der Bar, mit einem Schluck Whiskey in der Hand und zwei weiteren in seinem Magen, während er an die Theke gelehnt auf die sandige Straße starrte.
Längst vergessen waren all die Male, in denen er im Saloon die Unruhe aus seinen Zellen spülte. Doch heute war es anders. Heute genoss er den Drink. Sonst war es nur ein Kitt für seine Seele gewesen.
Er kippte den Whiskey mit einem Zug herunter. Länger konnte er sich nicht Zeit lassen. An sein Ohr drangen die Rufe des Mannes, der sein Leben beenden würde. Vorsichtig fingerte er eine alte, goldene Taschenuhr aus seiner Weste. Sie gewährte ihm noch ein paar Minuten. Genug Zeit für letzte Vorbereitungen.
Der junge Mann vorm Saloon war berüchtigt für seinen schnellen Arm. Jeder, der ein Duell mit ihm anstrebte, läutete seine eigene Totenglocke. Nur eine einzige Kugel, mehr brauchte er nicht. Der alte Mann in der Bar bedauerte es, dass der Jüngling auf der falschen Seite des Gesetzes stand.
Noch immer haftete sein Blick auf der Taschenuhr. Seine Gedanken hingen seinen zahllosen Taten nach. Er hatte viel für diese Stadt geleistet. Er war der Sheriff. Und geachtet. Aber der Westen entwickelte sich weiter und für alte Haudegen wie ihm gab es keinen Platz mehr. An seine Stelle traten gewissenlose Halunken, die ihre Pflicht mit Dollars vergüten ließen. Vielleicht konnte er seiner Stadt noch einen letzten Dienst tun. Er richtete seinen Blick wieder zum Fenster.
Behutsam schob er die Uhr an seinen Platz zurück und nahm stattdessen mit der anderen Hand seinen Revolver aus dem Gürtel. Etliche Schlachten hatte er mit ihm geschlagen und noch mehr unehrenhafte Gestalten erledigt. Nur ein letztes Mal musste sie ihm zu Diensten sein. Nur ein letztes Mal musste die Kugel ihr Ziel finden. Er öffnete die Munitionstrommel des Revolvers. Geladen, so musste es normalerweise sein. Doch er brauchte keine vollständig geladene Waffe. Mehr als einen Schuss würde ihm sein Kontrahent nicht gönnen. Darum entfernte er fünf Patronen und ließ nur eine einzige zurück. Dann schob er die Trommel zurück und entsicherte den Revolver.
Noch einmal hörte er die Stimme des Mannes, der sein Leben beenden wird. Noch einmal schaute er hinaus auf die weite staubige Welt, die nicht mehr die seine war. Dann setzte er sich in Bewegung und verließ den Saloon.


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