Der Kulturbanause, Teil IX


Neil Young auf dem 25. "Farm Aid"- Festival in Milwaukee, das am 2.10.2010 stattfand.
Man möge es dem damals fast 65jährigen Young nachsehen, dass seine Stimme nicht mehr die Dynamik von einst hat. Seine Botschaft und sein Engagement gingen allerdings nicht verloren. Wie früher, setzt sich Young unverdrossen für eine lebenswertere Welt ein. Der Musiker, der nicht nur ganze Generationen von nachwachsenden Musikern beeinflusste und als "Godfather of Grunge" (Schöpfergott des Grunge) bezeichnet wird. Weltbekannte Gruppen wie Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden verdanken ihre Erfolge u.a. diesem Mann, der bereits beim legendären Woodstock- Festival gegen den Vietnamkrieg protestierte. Der sich zusammen mit Tom Petty beständig weigert, sich von Firmen sponsern zu lassen, die nichts mit Musik zu schaffen haben und Projekte zur Unterstützung der Indianer als auch für die Ausbildung behinderter Kinder ins Leben rief bzw. unterstützte. Dies, um nur wenige Beispiele für das Schaffen dieses "eigensinnigen Kauzes mit der weinerlichen Stimme" zu nennen.
Als 2001 die Anschläge in den U.S.A. stattfanden, brachte Young zunächst sein patriotisches Album "Are You Passionate?" (Bist du leidenschaftlich?) heraus, das nicht nur mich enttäuschte. 2006 brachte er sein Album "Living with war" (Leben mit Krieg) heraus, auf dem er sich "endgültig von seinem Engagement nach dem 11.9. distanzierte". Der auf dieser Platte enthaltene Titel "Let’s impeach the President" (Lasst uns den Präsidenten anklagen) ist eine offene Kriegserklärung an George W. Bush.
In meinen Augen verließ Young mit "Living with War" seinen politischen Irrweg von 2001. Das war wieder der Young, wie ich ihn seit jungen Jahren schätze. Meine Enttäuschung über ihn konnte ich endlich begraben.
Doch zurück zum "Farm Aid" (Bauernhof Hilfe). Dieses Projekt startete erstmals am 22. September 1985 und wurde zunächst von Willie Nelson und John Mellencamp organisiert. Später stießen Neil Young und Dave Matthews als Organisatoren dieser Veranstaltung hinzu.
Der Zweck dieser Hilfeveranstaltung - das verrät bereits ihr Name - war und ist die materielle und moralische Unterstützung zur Bewahrung der "family farms" (Familienhöfe), also der familiär geführten landwirtschaftlichen Betriebe in den U.S.A.
Diese Unterstützung ist dringend notwendig für das Überleben der freien Bauern, die sonst den Interessen von Konzernen wie Monsanto zum Opfer fallen würden. Hierbei geht es auch darum, dass weiterhin gesunde und (hoch-)wertige Lebensmittel zur Verfügung stehen und die Umwelt nicht nachhaltig geschädigt und zerstört wird.
In Deutschland würde das die Betriebe betreffen, die wir als "Biobauernhöfe" kennen, also Bauernhöfe, auf denen "ökologische Landwirtschaft" praktiziert wird.
Leider ist die hiesige Musikerszene (Ausnahmen bestätigen die Regel) mit ihren gewinnbringenden und karrierefördernden "Konzerten gegen rechts" derart stark beschäftigt, dass sie kein Interesse an Themen hat, die der vorherrschenden "politischen Korrektheit" nicht entsprechen. Und dabei bräuchten auch hierzulande die letzten freien Bauern dringend deren Unterstützung. Im Interesse aller.
Unsere Maßstäbe setzen wir letztendlich selbst, sie sind abhängig von unserem Bewußtsein.
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