Der Himmel über Halle XXXL

Er war, so sagen Himmelskunstkenner, ein großer Jahrgang, dieser 2010er. Ein Skyspektakel nach dem anderen ließen Verwaltung und Stadtrat der früheren mitteldeutschen Kulturhauptstadt Halle über den Köpfen ihrer Bürgerinnen und Bürger in wilden Farbfantasien explodieren, um wenigstens für ein paar Augenblicke von den drängenden Problemen der maroden Kommune abzulenken. Im Rathaus herrscht Krieg, auf den Straßen regiert die Gruppengewalt, nachts schleichen schwerbewaffnete Rocker auf "Mopeds" (dpa) knatternd um die wenigen noch bewohnten Häuser.
Doch wenn der Abend anbricht, kippt das alles nach hinten weg. Dann geben sich die Menschen an der Saale ganz dem Gefühl hin, in einer der schönsten Städte der Welt zu leben. Im Frühjahr nutzte die federführend verantwortliche Abteilung 7 des Grünflächenamtes und die auf Veranlassung des Stadtmarketingbüros bauausführende Firma Lichtschlag aus Nempitz die hereinschwebende Aschewolke, um den Himmel knallig rot zu malen. Später folgten grün und blau und Geld und schwarz, Kunstkritiker in der ganzen Republik waren verzückt, viele zufällige Gäste der Saalestadt staunten begeistert. Das von einer freiwilligen Wählerinitiative zum Rückbau des städtischen Bergzoos betriebene Internet-Board PPQ schließlich, von den ersten, noch unbeholfen an den Himmel projizierten Beta-Versionen offizielles Digital-Dokumentationszentrum der fortgesetzten Sky-Spektakel über dem Saaletal, wurde für seine Langzeitbeobachtungen der Kunstinstallation für den renommierten "Web-Award für klimaintensive Heimatkunde-Blogs" nominiert, den zuletzt die Macher des Films "Die Kinder von Golzow" erhalten hatten.
Inspiriert von den Heldentaten des Wasserdampf-Piloten Sandro Wolf, der im Auftrag der Stadtverwaltung seit Jahren verlässlich für freie Sicht am Himmel über Halle sorgt, haben jetzt 13 junge Künstlerinnen und Künstler vom früheren Gymnasium in Halle-Neustadt den Versuch unternommen, eine Zwischenbilanz der in Nachbarstädten wie Leipzig und Magdeburg neidvoll beargwöhnten Reihe zu ziehen. Als Lieferant des himmelsstürmenden Soundtracks konnten die bürgerschaftlich engagierten jungen Leute den Halle-Sympathisanten Jeremy Enigk gewinnen, als Sender wurde nach einer europaweiten Ausschreibung nach der Muster der Vergabe des laufenden Stadionbaus in Halle die Google-Tochter Youtube verpflichtet.
Noch mehr Himmel über noch mehr Halle:
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