Der Gemütsmaler

Der Gemütsmaler
Niels Frevert „Zettel auf dem Boden“ (Tapete Records)
Mit Kalkül braucht man diesem Mann nicht kommen, Vorsatz trifft es schon eher. Sicher, die Tage werden kürzer, die Abende kühler und dunkler, da will Freverts neues Album ganz gut hineinpassen – der ehemalige Sänger der Nationalgalerie ist jedoch Zeit seines Soloschaffens als Melancholiker ein Überzeugungstäter, seine Lieder funktionieren ebenso gut in einer lauen Sommernacht wie in wohliger Wärme auf der Flucht vor dem frostigen Draußen. Eine Flasche guten Roten zur Seite zu haben ist dabei bestimmt kein Fehler, auf redselige Gesellschaft zu verzichten kann auch nicht schaden, will man Freverts Gedankenbildern und -geschichten ungestört nachhängen.
Es gibt ja nicht viele hierzulande, die die hohe Kunst beherrschen, sich einer gepflegten und fantasievollen Sprache zu bedienen, ohne gleich gestelzt und prätentiös daherzukommen, Jochen Distelmeyer fällt einem da ein, Dirk von Lowtzow natürlich und Gisbert zu Knyphausen – in diese Reihe kann man Niels Frevert bedenkenlos stellen. Auch er wählt bewußt und behutsam die leiseren Worte, knüpft aus Alltagsbetrachtungen fein gesponnene Netze, in denen man sich gern verliert. Dass manches dabei etwas ungewohnt klingt – wer sonst verwendet schon Sachen wie „ich geh so für mich hin“ oder „Melodei“ – geschenkt, Frevert ist als Musiker ein Gemütsmaler, die eine oder andere Marotte sieht man ihm deshalb gern nach.
So sitzt man beinebaumelnd und offenen Ohres neben ihm, hört Versonnenes über Parkausflüge („Schlangenlinien“), die Albträume der Therapeutin („Frustrationstoleranz, Herr Frevert“) und eine angenehm unbeholfene Liebeserklärung an Zürich. Ein verschmitztes Grinsen schleicht sich ins Gesicht bei Zeilen wie: „... niemand wird kommen, dich zu retten wie einen Regenwaldquadratmeter oder ein WWF-Tier“ („1m2 Regenwald“) oder „Und wenn ich falsch, aber richtig lieg, liegt’s vielleicht an mir, ob Du mich verlegen machst, weil mir so viel liegt an Dir“ („Ich würde Dir helfen...“). Irgendwie verspürt man ständig den Drang, ihm beipflichten zu müssen – so nah scheint er am eigenen Empfinden entlang zu singen. Am Ende hockt man der Küche und meditiert über all der Unordnung („Küchensee“) den Sinn flüchtiger Begegnungen und verschenkter Möglichkeiten („Eines flüchtigen Tages...“).
Zum Einordnen: Den Verweis auf die Verwandschaft Freverts zu Bill Callahan hat ja vor Zeiten der Spiegel schon verbraten, auch wenn ihm dessen Bissigkeit noch etwas abgeht. Verglichen mit Axel Prahl, dessen erstes Album (Blick Aufs Mehr) mir kürzlich in die Hände fiel, ist das Gefälle – der Hieb sei erlaubt – aber doch schon erstaunlich groß: Hier die bedachte, ungekünstelte Art, jedes Lied, sowohl in Text als auch Begleitung, als ein eigenes wirken zu lassen, dort der laute Ausflug in brechtsche Gefilde, wo sich der verirrte Akteur selbst auf dem Cover noch zum Popanz macht. Bei „Bis mich jemand hört“ meint Frevert: „Das Leben ist hart, ich sehne mich so nach einem positivem Geräusch.“ – diese Platte ist weit mehr als das.
http://www.nielsfrevert.net/
Für Kurzentschlossene:07.12.11 Hannover - Faust08.12.11 Hamburg - Uebel & Gefährlich09.12.11 Berlin - Lido10.12.11 Leipzig - Moritzbastei12.12.11 Stuttgart - Zwölfzehn13.12.11 Frankfurt - Das Bett14.12.11 Köln – Luxor15.12.11 München - Hansa 3916.12.11 A-Wien - B7217.12.11 Essen - Zeche Carl

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