Der Fisch stinkt vom Kopf her

Was ist eigentlich so schwer daran, eine vernünftige Abrechnung vorzulegen und ein paar Antworten zu geben? Der Deutsche Boxverband (DBV) jedenfalls schafft es irgendwie nicht. Es gelingt ihm einfach nicht plausibel zu machen, wofür die Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya 2.967,00 Euro bezahlen mussten.
Zuerst hieß es, der DBV hätte ein Problem mit der Finanzierung, weil sie, die Verbandsführung, nicht wissen konnte, was ansonsten aber jedem anderen Boxinteressierten durchaus schon bekannt war, nämlich dass Frauenboxen olympisch wird. Der DBV erklärte damals leichthin: „Nach Informationen des Deutschen Boxverbandes liegt das Problem der Finanzierung des olympischen Frauenboxens an der späten Bekanntgabe der Olympiateilnahme 2012 in London. Bei der Aufstellung des Haushalts und der Einteilung der Gelder waren WM und London 2012 als Kostenfaktoren noch nicht eingeplant. Erst mit der Bestätigung des Olympischen Komitees entstand international eine entsprechende Basis.“
Was dann folgte war ein unwürdiges Schauspiel. Der DBV konnte oder wollte den Teilnehmerinnen keine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten zukommen lassen. Was sich jedoch zeigte, war, dass ein Teil der Zahlen wohl so nicht stimmen konnte (Übernachtungskosten) und ein anderer Teil schien schlicht auf Bereicherung hinauszulaufen. Wie ist es denn sonst zu erklären, dass die Frage immer noch nicht beantwortet ist, warum die Teilnehmerinnen ca. 1.567 Euro Euro für Betreuer und Trainer aufbringen mussten. Die Trainer werden doch wohl immer noch vom DBV bezahlt. Muss ich das so verstehen, dass die Trainer doppelt kassiert haben oder dass der Verband sich auf Kosten seiner Athletinnen refinanziert hat. Die Begründung, die der Sportlichen Leiters Michael Müller hierfür liefert, grenzt für mich an einer Unverschämtheit: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse.“ Ist das nun das Alternativlos von Herrn Michael Müller?
Ein paar Worte möchte ich doch noch verlieren über den Sportlichen Leiter des DBV Michael Müller. Ich habe mich an dieser Stelle ja schon einmal gefragt, was Herrn Müller eigentlich zu diesem Amt qualifiziert. War er ein guter und erfolgreicher Boxer? War er ein renommierter Trainer? Oder war er seit Jahren schon anderweitig dem Boxsport verbunden? – Vermutlich nichts von all dem. Focus Online schrieb über Müller: „Müller war seit 1997 als Sportdirektor für die leistungssportliche Ausrichtung und Führung des Trainerteams [bei den Ruderern] verantwortlich. Unter seiner Leitung hatte die deutsche Mannschaft in Peking [bei den Olympischen Spielen] erstmals seit 52 Jahren kein Olympiagold gewonnen.“ Womit wohl meine Frage beantwortet ist.
Der DBV hat inzwischen, soweit ich weiß, den Landesverbänden und damit den Teilnehmerinnen 1.192 Euro zurück erstattet. Die Boxerinnen haben aber 2.967,00 Euro bezahlt. Für mich heißt das erstmal nur, dass es umso dringender notwendig ist, eine detaillierte Aufstellung der Ausgaben mit entsprechenden Belegen vorzulegen.
Es wird kolportiert, dass der Präsident des DBVs Jürgen Kyas damit prahlt, durch seine guten Verhandlungen hätte das Trainingslager in Antalya nicht bezahlt werden müssen. Meinen Informationen zufolge war aber das Trainingslager von vorneherein für alle Nationen kostenlos. Oder muss ich diese Äußerungen so verstehen, dass jetzt alle Amateurboxverbände der Welt Herrn Kyas zu tiefem Dank verpflichtet sein müssen, weil er den türkischen Ausrichter erst hierzu bewegt hat. Dann wäre ja Herr Kyas einer der großen unbesungenen und zu Unrecht nicht gewürdigten und gehuldigten Helden.
Offensichtlich ist der DBV aber mit sich im Reinen und findet deshalb auch nichts dabei nun 1.350 Euro für die WM-Teilnahme der U17 der Männer zu verlangen. Nein – stimmt nicht so ganz. Der DBV schickte den Landesverbänden „einen Bogen, auf dem sich die einzelnen Vertreter mit der Zahlung von 1.350 Euro pro Teilnehmer einverstanden erklären sollen. Werden weniger als 50% der möglichen Stimmen abgegeben, gibt es keine deutsche Beteiligung an dem Turnier.“ Also, in meinem persönlichen Sprachgebrauch klingt das nach Erpressung.
Apropos Sprachgebrauch: Wenn die Spitze des DBVs auf Forderungen des Präsidenten des hamburger Amateurboxverbandes, Jimmy Jamal Abboud, nach Offenlegung der Kosten für die WM in Antalya und auf andere offene Fragen mit der Androhung von Schadensersatzforderungen in Höhe von 500.000 Euro reagiert, dann verstehe ich das als einen Versuch der Einschüchterung.
Da kommt mir irgendwie der Spruch in den Sinn: „der Fisch stinkt vom Kopf her“.
© Uwe Betker



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