Der Anfang muss packen

Der Anfang muss packen

Wenn ich durch einen Buchladen stöbere oder mich im Online-Shop nach neuem Lesematerial umschaue, dann gibt es immer die gleiche Reihenfolge, wie ich mich dem Werk nähere. Zuerst ist da der Titel, dann das Cover. Es folgt der Klappentext und wenn dies alles lockt, lese ich den Anfang. Wenn der mich nicht packt, lege ich das Buch zurück ins Regal. Es soll zwar auch Leute geben, die zuerst das Ende lesen, aber ich gehöre nicht dazu und bin damit bei der Mehrheit. Der Beginn der Geschichte, oft sogar der erste Satz, sind ganz entscheidend dafür, ob ich ein Buch weiterlese oder nicht. Doch es erscheint mir, dass dies vielen Autoren nicht bewusst ist.

Der Anfang entscheidet


Leser geben der Geschichte nur eine kurze Zeit, um zu entscheiden, ob sie ihnen gefällt oder nicht. Sol Stein schreibt in seinem Schreibratgeber "Über das Schreiben", dass es sieben Minuten seien. Ich bin sicher, dass dies in unserer schnelllebigen Zeit eher weniger geworden sind. Ich kann dies mit meinem eigenen Leseverhalten nur bestätigen. Wenn mir die ersten Absätze nicht etwas geben, was mich die Geschichte weiter lesen lässt, dann greife ich zum nächsten Buch. Dabei muss es zwar nicht der erste Satz alleine sein, der entscheidet, aber es gibt geniale Beispiele, bei denen dies der Fall ist.

Geniale erste Sätze


Ein Paradebeispiel für einen ersten Satz, der mich sofort in seinen Bann und damit in die Geschichte gezogen hat, lautet:

Vom Juli seines zweiten Jahres an der Universität bis zum Januar des folgenden Jahres dachte Tsukuru Tazaki an nichts anderes als den Tod.

Huraki Murakami "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki"

Ein Satz und man weiß, um wen es geht und hat jeder Menge Fragezeichen vor dem inneren Auge. Der sachliche Ton bei einer eher absurden Aussage macht einen zudem neugierig. Huraki Murakami gibt mir Informationen und spielt zugleich mit meinen Vorstellungen. Er nimmt mich gefangen und ich musste weiterlesen.
Gerne wird auch die wörtliche Rede als Anfang genommen. Mein absoluter Lieblingsanfang aus dieser Kategorie lautet wie folgt:

"Du hast meine verdammten Titten, du Schwein."

David Thomas "Girl"

Ich liebe den Anfang dieses Buch. So herrlich skurril und für mich ein Paradebeispiel, wie man Neugier weckt.

Ein guter Anfang erzeugt die Kernfrage


Den genannten Beispielen ist gemein, dass sie sofort Fragen im Kopf des Lesers entstehen lassen. "Warum will sich Tsukuru Tazaki umbringen?" "Warum hat er es noch nicht geschafft?" "Wer hat da wessen Titten?" "Wie geht das überhaupt?"
Es handelt sich dabei um die Kernfragen, um die sich die Geschichten drehen. Diese Fragen lassen einem beim Lesen des Buches nicht mehr los und führen dazu, dass ich von Seite zu Seite weiterlese. Ich will endlich wissen, was mit dem Tod von Herrn Tazaki auf sich hat. Die Geschichte mit den Titten entwickelt sich in eine unerwartete Richtung und hält mich fest im Bann.

Mit den Vorstellungen spielen


Noch etwas anderes macht die guten Anfänge so packend: Sie kollidieren mit unseren Erwartungen. Normalerweise denkt man nicht monatelang an den Tod und schildert es dann so sachlich. Brüste sind nichts, was man einem normalerweise so wegnehmen kann. Normalerweise, das ist das Schlüsselwort. Eine gute Geschichte lockt mich aus meinem normalen Leben in eine andere Welt und beginnt damit am besten am Anfang. Neulich las ich folgenden Anfang:

"Lisa knallte den Hörer des Telefons auf die Station. Sie schnaufte. Was für ein Idiot! Sowas hätte sich Bäuerle gegenüber ihrem Vater nicht herausgenommen."

Dieser Anfang wirft Fragen auf. "Wer ist Bäuerle?" "Worum ging es in dem Telefonat?" Aber spielt der Anfang mit Erwartungen? Macht er wirklich neugierig? Nein, mich eher nicht. Es regt sich jemand am Telefon auf, na und? Passiert täglich. Da ist nichts Überraschendes. Das ist normal, es ist meine alltägliche Lebenswelt und nichts bricht diese Vorstellung. Daher verfängt dieser Anfang nicht so sehr. Wenn ich mich tagsüber gerade selbst am Telefon aufgeregt habe, spricht mich das noch weniger an. Schließlich möchte ich vom Alltag abschalten. Zudem sind da für mich zu viele Detailfragen, statt der einen essenziellen Frage, um die es sich im Buch dreht.

Meine ersten Sätze


Der Anfang einer Geschichte ist ein kritischer Punkt und natürlich kämpfe auch ich damit. Hier ein Beispiel:

"Wieso brauchen sie hier so viele Versicherungen?"


Das ist der erste Satz aus meinem Roman "Rausgekickt: Blaue Vögel". Er ist das Ergebnis einer längeren Diskussion mit meiner Lektorin Dorothea Kenneweg. Sie hat darüber einmal einen Gastartikel verfasst. Dieser Satz stellt selbst eine Frage. Versicherungen assoziieren zugleich Unfälle und Unvorhergesehenes und damit ist man schon ziemlich nah am Kern der Geschichte. Zur Vollständigkeit meine anderen ersten Sätze:

Sprechen dich meine ersten Sätze an? Welche Buchanfänge haben dich besonders gepackt? Welche konnten dich gar nicht locken?


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