De dicto

"Das integrationskritische Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin wäre für mich kein Grund gewesen, den Mann seines Postens als Bundesbankvorstand zu entheben.
[...]
In einem Gespräch mit der „taz“ polterte Sarrazin auf die Frage, was er von der Kritik der Ex-Bischöfin Margot Käßmann an seinem Buch hält: „Vielleicht hat sie das Buch nicht gelesen. Oder sie hat beim Lesen wieder ein bisschen zu tief ins Glas geschaut. Wenn die Buchstaben auseinanderlaufen, kann man schon etwas missverstehen.“ Wenn einer hier alles missverstanden hat, dann der feine Herr Sarrazin. Er hat sich über einfachste Regeln menschlichen Umgangs hinweggesetzt."
- Peter Hahne, BILD-Zeitung vom 12. Dezember 2010 -
Zum Gesagten sei angemerkt: Natürlich überrascht es wenig, dass eine Kreatur des Springerkonzerns, die Sarrazin zweifelsohne ist, gegen eine Antiheldin made by Springer, gegen Margot Käßmann also, schießt. Das ist Normalität in einem Land, dessen Eliten bekennende BILD-Leser sind. Dennoch hat Hahne natürlich recht, wenn er behauptet, dass Sarrazins Großkotzigkeit, der Bischöfin stete Trinkfreude zu attestieren, eine infame Sauerei ist. Gut, er nannte es nicht so, er sprach von einfachsten Regeln - aber so einfach, wie Hahne schreibt, sind derlei Regeln dann doch nicht.

Hahne findet also, dass sich Sarrazin über die einfachsten Regeln menschlichen Umgangs hinweggesetzt hat - eine Bischöfin zu verspotten, gleich aus welchem Grund, sie aufgrund ihres Lapsus' von einst zur tumben Trinkerin zu stempeln: das findet Hahne unanständig! Sich mit unaufrichtiger Vererbungslehre hausieren zu gehen, von Kopftuchproduzenten, von Kosovoisierung zu sprechen im Bezug auf türkische und muslimische Mitbürger: damit kann Hahne aber durchaus leben, das ist nicht unanständig, es ist notwendig und richtig. Was ihn empört ist, dass dieser mutige Mann, "der über deutsche Leitkultur schwadroniert, [...] eine der wichtigsten Tugenden für sich selbst außer Acht [läßt]: Anstand." Wer die deutsche Leitkultur verinnerlicht hat, so lehrt uns Hahne damit, der verunglimpft Moslems und unterlässt fade Kalauer auf Kosten einer Geistlichen. Noch etwas lernen wir: deutsche Leitkultur bedeutet, anständig zu sein! Der wohlgeleitete Deutsche ist ein anständiger Mensch...

Überhaupt liest man aus Hahnes Sonntagswort heraus, dass Sarrazins Positionen schwer in Gefahr sind, wenn er sich nicht besser benimmt. Mensch, Sozialrassist, läßt sich leise aus dem Text deuten, Mensch, Sozialrassist, leg dir ordentliche Umgangsformen an, damit du auch im Bürgertum akzeptabel bleibst! Sei anständig, wahre Anstand, dann sind deine Thesen gesellschaftsmittig salonfähig! Hahne sorgt sich, wie er selbst sagt, nicht um Käßmann (er wolle sie nicht verklären, behauptet er) - er, der er ja jahrelang Mitglied des Rates der EKD war, dürfte ohnehin bitterlich von jener Dame enttäuscht sein. Als protestantischer Moralmessias und Medienbajazzo ist er nicht der Anwalt einer fehlgegangenen Bischöfin: er ist der strenge Herr Knigge des sozialrassistischen Trommlers, den man anleiten, dem man zivilisiertes Benehmen beibringen muß, wenn er weiterhin angehimmelt sein will. Mensch Thilo, rät im Peter, sei freundlich zur Margot, es reicht doch, wenn du Melek und Gülsüm brüsk ohrfeigst!


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