Das wundervollste Rätsel ist das Wort Rätsel

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In allen Kulturen lieben und liebten die Menschen Rätsel – besonders die Kinder. Auch am Fernseher haben die vielen Quiz-Shows hohe Einschaltquoten. Dem Ödipus hat damals die Sphinx persönlich das Rätsel aufgegeben, heute sind es die Rätselhefter am Kiosk, die uns versorgen.

Das Wort Rätsel taucht im späten Mittelalter auf, wurde aber erst durch Luthers Bibelübersetzung richtig gebräuchlich. Das klang dann etwa so:

Was ist süsser denn Honig? Was ist stercker denn der Lewe? Aber er sprach zu jnen / Wenn jr nicht hettet mit meinem Kalb gepflüget / jr hettet mein Retzel nicht troffen. (Richter 14.18; Lutherbibel von 1545)

Bald wurde auch das abgeleitete Verb rätseln benutzt – im Sinn von „sich den Kopf zerbrechen“ und natürlich ebenso das Adjektiv rätselhaft, mit der Bedeutung „dunkel, unverständlich“.

Was ist aber die Mutter des Wortes Rätsel? Natürlich der Begriff Rat. „Der Rat“, das waren primär die „Mittel, die zum Leben nötig sind“. Wir benutzen das Wort in einem ähnlichen Sinn immer noch:  in Vorrat oder dem Gegenteil, dem Unrat, aber auch im Hausrat und Gerät. Übrigens auch im Wort Heirat (Heim und Rat) – die Heirat war also „das Mittel, das zur Besorgung des Hauses notwendig ist“!

Später wurde „Rat“ dann zusätzlich im nichtmateriellen Sinne verwendet als „Vorschlag, Empfehlung“ zum Beispiel der Ratschlag – da erschlägt uns dann einer mit seiner Idee. Zudem wurde alsbald auch die Person, die solche Tipps zu geben vermochte, „der Rat“ genannt. Beispiele sind der Stadtrat, der Familienrat oder Goethe war noch ein Geheimrat (der geheime, also vertraute Ratgeber) – auch das wurde zu einem Titel – so wie heute der Berater. Sie alle geben Empfehlungen zur Enträtselung des Lebens.

Viel früher wurde das Wort von den alten Goten benutzt („radan“) im Sinn von „sich etwas im Kopf zurechtlegen, etwas ausdenken“ aber auch „etwas vorschlagen, empfehlen“. Überliefert ist das Wort vor allem im Zusammenhang mit dem Wahrsagen, nämlich dem lesen der Runen. Der heilige Druide liest also die Runen und legt sich dabei etwas zurecht im Kopf – er enträtselt die Zeichen.

Das englische to read (lesen) ist ebenso verwandt mit unserem raten. Während bei den Briten aus dem alten „radan“ also ein lesen wurde, haben wir uns im lieber ans raten gehalten. Genau wie der Wahrsager Runen las, so las der Schreiber im Mittelalter die Staben. Und da diese Staben in Büchern vorkommen, sind es Buchstaben. Erraten!

Wenn wir Texte in einer Sprache zu lesen versuchen, die wir nicht so gut können, dann spüren wir noch etwas von diesem Raten beim Lesen. Ebenso bei manchem Projektberichten oder wissenschaftlichen Abhandlungen. Wir lesen und raten. Während wir uns allerdings vom Quizmaster Rätsel wünschen, so erwarten wir in anderen Texten Antworten.


BILD oben: Im Grünen sich beraten /  22cm x 29cm / GMF Figur auf Siebdruck, Collage Siebdruckpapier 2010, Nr.10-065



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