Das Thema mit dem Sterben...

Hey Mädels,

heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, welches sicher nicht so in den Beautybereich passt, aber uns dennoch immer begleitet - der Tod.

Vor ein paar Tagen hatte ich plötzlich das Bedürfnis darüber zu schreiben.

Ich saß auf der Couch und ich hatte mal wieder über die Arbeit nachgedacht.

Ich arbeite als Servicekraft in einer Seniorenvilla.

Seit 5 Jahren bin ich dort tagtäglich mit älteren Damen und Herren zusammen.
Jeden Tag sehe ich wie Menschen im Alter Leben, wenn sie krank sind.
Wie Menschen im Alter Leben, wenn der Partner gerade gestorben ist.
Wie Menschen im Alter Leben, wenn Sie einfach nur nette Leute um sich herum haben wollen.
Das Alter und der Tod verfolgen mich jeden Tag - aber wie geht es mir damit?
Was erwarte ich vom älter werden und wie gehe ich damit um, wenn ein Bewohner hinfort geht?

Als ich damals als Kochazubine in der Seniorenvilla anfing, hab ich nicht wirklich viel von den Bewohnern mitbekommen. Irgendwann dann, sollte ich mal im Service aushelfen.

Ich war damals wirklich noch sehr schüchtern, zurückhaltend, unsicher und wusste auch nicht so recht, wie ich mit den Leuten um mich herum umgehen sollte.
Also half ich im Service aus - die Bewohner waren sehr erstaunt, fragten nach meinem Namen und waren sehr interessiert, wer ich denn sei :)

Dann, nach genau 1 1/2 Jahren Kochlehre hab ich meine Zwischenprüfung übelst miserabel abgeschlossen und ich fühlte mich in diesem Berufsfeld nicht mehr wohl.

Also wechselte ich in den Servicebereich. Ab sofort hieß es für mich also: 
Jeden Tag die Bewohner mit Essen und Trinken verwöhnen.
Es hieß Verantwortung gegenüber Menschen, viel Geduld und Starke Nerven!

Und dann begann es. Mein "neuer" Beruf - und es gefiel mir!

Die Arbeit und der Kontakt mit unseren Bewohnern - es war toll.
Es war schön jeden Tag die gleichen Gesichter zu sehen, es war schön zu merken, dass man gebraucht wird und es war schön jemand zu sein. Nämlich die Sandra. Die Azubine. Die Kleine. Die Immer Grinsende.
Die Bewohner nahmen mich in ihre Familie auf - ich hatte ab sofort keine Arbeitsstelle mehr, sondern wirklich eine zweite Familie.

Aber so schön es auch war - natürlich gab es immer wieder Momente die mich herausforderten.

Ich war mittlerweile viel Selbstbewusster geworden, ich wusste wer ich bin und wie ich mit den Bewohnern umgehen kann. Es war ein sehr freundschaftliches Verhältnis - ich habe schon immer versucht es allen Recht zu machen - auch wenn es nicht immer ging. Aber dann kommt ein Moment in dem du nichts machen kannst.
Wenn der Bewohner plötzlich nicht mehr zum Essen kommt, es ihm schlecht geht.
Auch nach einer Woche kommt er nicht, und du fragst immer wieder nach und irgendwann heißt es:
Er liegt im Sterben.

Mittlerweile hab ich schon sehr sehr viele Tote gesehen und mich von ihnen verabschiedet.

Der erste Todesfall hatte mich sehr mitgenommen! Es war eine super nette, witzige Bewohnerin, die immer gern ihren Weißwein trank - die immer gelacht hat und sich gefreut hat, wenn ich im Dienst war.

Und eines Abends - ich rechnete null damit - genau gegen 18 Uhr, als unser Abendessen anfing und das Restaurant schon relativ voll war - da war sie gestorben.
Ein Angehöriger kam an den Tisch, wo sie saß und sagte dies den anderen Damen.
Mein Herz klopfte wie wild, ich konnte es nicht glauben, es war einfach so passiert!
Ich wusste in diesem Moment nicht, wie ich damit umgehen sollte.
Ich weinte und hatte ein innerliches Bedürfnis.
Ich musste mich verabschieden.

Ihr Zimmer befand sich sehr nah am Restaurant und ich ging zu der Familie und fragte ob ich mich verabschieden könnte.

Und sie sagten Ja. Und nun stand ich vor ihr.
Ein Tag vorher war sie noch so lustig und lebendig, wir hatten Witze gerissen und so viel gelacht.
Und nun lag sie da. Kalt. Starr. Tot.
Ich konnte nicht lange bei ihr bleiben, ich war mit der Situation überfordert.
Dieses Bild kriege ich bis heute noch nicht aus meinem Kopf.
Und so sehr ich nach diesem Abschiedsbesuch verwirrt war (es dauerte wirklich Tage bis es wieder ging) - so weiß ich heute : Es war gut so!

Der Tod kommt nicht angemeldet.

Es kann jeden Augenblick passieren.
Du wirst vom Auto überfahren, du wirst schwer Krank und stirbst daran oder dein Herz bleibt stehen.
Es gibt tausende Gründe zu Sterben.
Es geht mal schnell, mal dauert es ewig.
Aber irgendwann kommt der Tod.

Mittlerweile hab ich einiges mitgemacht.

Es ist für mich ein Ritual geworden, mich von Bewohnern zu verabschieden.
In aller Ruhe.
Die Bilder brennen sich nicht mehr so sehr ein - weil ich nun eine ganz andere Einstellung habe.
Das Alter zerrt an den Kräften und wenn der Punkt gekommen ist, wo man nicht mehr kann,
dann sollte man gehen. Und man sollte gehen lassen.
Es gibt nicht den perfekten Zeitpunkt.
Die einen Können loslassen - andere brauchen wirklich Wochen, bis sie von der Welt Abschied nehmen.

Die Möglichkeit mich verabschieden zu können, finde ich wichtig.

Ich meine, es stirbt ein Teil der großen Familie - manchmal will man das nicht einsehen...
Ich würde das auch gerne manchmal verhindern, aber ich kann mittlerweile sagen
"Es ist besser so" Keine Schmerzen mehr, kein Leid mehr. Erlösung.
Und so hab ich nochmal ein paar Minuten, nur mit dieser Person.
Es ist eine sehr intensive Zeit, man erinnert sich an positives und negatives und kann einfach
"Tschüss" sagen. Danach kann ich durchatmen und kann damit abschließen.
Ich hab ihn akzeptiert - den Tod.

Ich weiß wie ich mal sterben möchte: Schnell. Schmerzlos. 

Ich will nicht tage- oder wochenlang im Bett liegen und nicht loslassen können.

Ich wünsche jedem einen schnellen Tod.

Wenn man einmal mit angesehen hat, wie Menschen leiden können, dann wünscht man das niemanden. Nicht mal seinem größten Feind.

Diese Arbeit hat mich persönlich sehr verändert.

Ich habe eine ganz andere Lebenseinstellung bekommen, kann einfach und auch realistisch über den Tod reden und ich weiß, was ich mal im Alter will. 

Dieser Beruf hat mich wirklich sehr geprägt und ich kann nur jedem raten:
Wenn ihr die Möglichkeit habt mit Alten Menschen zu arbeiten, macht das!

Und glaubt mir eines:

Es ist nie zu früh, sich über den Tod oder das Älter werden Gedanken zu machen.
Ihr habt so viele Menschen um euch herum die älter sind, ob Oma oder Opa, die Nachbarn, Arbeitskollegen oder sogar die Eltern.
Aber ich kann euch nur raten, redet darüber.
Damit ihr und eure Familie wisst, was der andere mal möchte, wenn es passiert.

Denn es kann jeden Tag einfach so zu Ende gehen. ...