Das Selbstmitleid der Richterin

(Diese Texte sind schon vor Tagen erstellt. Im Zirkus um die WM gab es keine Gelegenheit, sie zu veröffentlichen. Hiermit wird das nachgeholt.)

Da sollte die Leiche dieser Richterin gefunden worden sein, die in der letzten Zeit mit ihrem Verschwinden Schlagzeilen machte. Deutschland härteste Richterin ist verschwunden, hiess es da vor einigen Tagen. Sie war auf die Verfolgung der minderjährigen Täter spezialisiert und anscheinend voll bemüht, ihren Klienten die besten Voraussetzungen für den Ausbau ihrer kriminellen Karrieren abzusichern: ihre drakonische Strafen für verirrte oder versaute Jugendlichen halfen bestimmt vielen von ihnen, sich endgültig im illegalen kriminellen Milieu anzusiedeln. Wegen ihrer Härte gegen diese halben und grundsätzlich ratlosen Kindern, zwang sich bei ihrem Verschwinden das Motiv der Rache auf. Das lag auf der Hand, dass sie mit ihrer Unerbittlichkeit bei manchem ihrer Opfer `nun-ist-schon-alles-egal`-Haltung und Rachegedanken provoziert hatte. Da gab es sicher auch manche funktionierende Eltern, die es nicht sehen können, wie die entfesselte Gewalt der Staats-Faschisten ihre geliebten Kinder quält, gegebenenfalls sogar irreparabel kaputtmacht. Da kommt man auch leicht auf die Idee, es der entfesselten Paragraphen-Furie heimzuzahlen – sie eben irreparabel kaputt zu machen.

Später aber kamen neue Details auf. Verdacht auf Selbstmord, dann gewisse Äusserungen, die sie raren Vertrauten in ihrer Umgebung gemacht hatte, und die von ihrer tiefen Verzweiflung sprachen. Ihre Ehe war zerrüttet, ihre Kinder wollten lieber mit Vater leben - wer würde ihnen es bei solcher Mutter (die offensichtlich gerne Kinder quält) verdenken?! Sie wusste nicht mehr weiter, erzählte sie da jemanden: sie wäre total verunsichert.

Nun soll sie über sich selbst gerichtet haben.

Ungeachtet der Tatsache, dass der Selbstmord nur in einem Fall von vllt 100 Tausend einen Sinn hat, also an sich total dämlich ist, bezeugt diese Frau mit ihrer Tat ihre persönliche Dummheit. Ihr hatte offensichtlich niemand gesagt, dass die Ordnung der Gesellschaft nur eine aufgezwungene Ordnung der jeweiligen Machtform ist, an die sich manche eben besser anpassen als andere. Das erzählt man keinem Juristen während seiner Ausbildung, obwohl das vllt am wichtigsten wäre. Und selbst war die Dame offensichtlich nicht so denkfähig, um es selbst herauszufinden.

Man kann es von Heranwachsenden nicht verlangen, sich an den Spielregeln zu halten, die eigentlich überhaupt nicht existieren. Unsere Rechtsnormen gibt es ja nur am Papier, nicht aber als höhere Beispiele für die Massen. Die Eliten (die als Beispiel dienen müssten) leben ja selbst in einem völlig rechtsfreien Raum. Ein Mensch also, der durch seine Unerbittlichkeit und schiere, brutale Rigidität von dem Nachwuchs das Unmögliche verlangt, ist nicht nur ein Schuft, sondern auch unsäglich blöde.

Nun könnte sich die Richterin natürlich nicht als blöde finden. Immerhin übt sie einen Beruf aus, der durch seine (angebliche!) Weisheit berühmt ist. Bestimmt war sie auch in den Fachkreisen als kompetent bekannt. Aber sie könnte wenigstens Mitleid mit sich haben: obwohl sie streng gerecht auftritt hatte ihr Leben doch keinen Sinn; ihre Äusserungen hören sich so richtig weinerlich an.

Und dann hatte sie mit sich Mitleid gehabt, und hatte sich den Gnadenstoss gegeben. Fein ist das, denkt sich Kungfutius, wenn man wenigstens mit sich selbst Mitleid haben kann, wo man mit den Halbwüchsigen kein Mitleid hat.



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H54F / KW 33 / 2018