Das Pinocchio-Syndrom

Das Pinocchio-Syndrom

Lügen ist eine Untugend. Das wissen wir, und doch lügen wir immer wieder oder ziehen eine Notlüge immerhin für den Bruchteil einer Sekunde in Erwägung. Natürlich empfinden wir unsere Lügen nur als Notlügen, die nur notgedrungen in ganz speziellen Situationen ausgesprochen werden sollten. Ob die Flunkerei dadurch vertretbarer wird? Beurteilen Sie!

  • Bei der Anmeldung für die Skischule oder für den Kids Club am Meer mogeln wir unsere Kinder älter. Hauptsache, wir können sie abgeben und kinderlos die Pisten wie früher hinunter brettern oder mit einem Drink in der Hand in Ruhe auf der faulen Haut an der Sonne liegen.
  • Auf Ausflügen stehen unsere Kinder hingegen immer ganz knapp vor demjenigen Geburtstag, bei welchem die Zahlungspflicht für den Eintritt in den Zoo, ins Museum, ins Hallenbad oder für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln einsetzt. Dass die paar gesparten Batzen nur einen Tropfen auf dem heissen Stein darstellen, vermag das Gefühl des Triumphs in diesem Augenblick nicht zu trüben.
  • Sind die Kinder – Murphys Gesetz folgend – an einem Krippentag fiebrig, übertünchen wir dieses mit Paracetamol und übertölpeln ganz hinterlistig die Gruppenleiterin. Hauptsache, die Abgabe gelingt und wir können verschwinden. Ganz nach dem Motto: nach uns die Sintflut.
  • Erhalten wir dann doch einen Anruf der Krippe, weil sich das Fieber dummerweise nicht länger als 4 Stunden weglügen lässt, überhören wir das Telefon einfach. Weshalb haben wir schliesslich eine zweite oder gar dritte Notfallnummer angegeben? Sollen doch der Partner oder die Grosseltern das fiebrige Kind von der Krippe holen, und den Rest des Tages auch gleich hüten. Schliesslich könnte es wirklich sein, dass wir im Sitzungszimmer unerklärlicherweise keinen Empfang hatten.
  • Und weshalb sollte ein Kind wegen etwas brennenden Augen oder wegen einer paar Pickel rund um den Mund nicht zur Krippe gehen können? Hauptsache, wir wissen, was es ist und verabreichen ihm Antibiotika. Allen anderen müssen wir ja nicht unter die Nase reiben, dass eine Bindehautentzündung oder eine Hand-Fuss-Mund-Krankheit hochansteckend sind. Oder sollten wir das?
  • Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für Kopfläuse: WIR haben nichts gesehen. Sorry, tut uns wirklich leid.
  • Verpassen wir allerdings einen Termin, vergessen wir etwas oder wollen wir uns schlichtweg nicht mit jemandem treffen, schieben wir unsere ach so kranken Kinder vor. Die Genugtuung, den Druck losgeworden zu sein und gut dazustehen, ist grösser als die Angst, mit dieser Ausrede möglicherweise gleich den Teufel an die Wand gemalt zu haben.

Wir würden nicht so viel lügen (oder zumindest lügen wollen), wenn es nicht auch ein wenig gut täte. Lügen kann uns zu einer Verschnaufpause verhelfen, es kann helfen, unangenehme Situationen zu umgehen oder Ärger und Aufwand zu vermeiden. Lügen ist menschlich, oder nicht?

Habt Ihr auch schon einer Notlüge bedient? Mit welchen Gefühlen? Mit welchen Folgen?

Dieser Beitrag ist auch auf dem wir eltern-Blog zu lesen!


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