Das „Mei you“ – Syndrom

Heute bin ich wieder in den Geschmack des chinesischen Services bzw. der Kundenbetreuung gekommen. Mein Handy hatte gestern im Unterricht, unter starken Auslastung (hab Vokabeln nachgeschaut), einen fatalen Systemabsturz erlitten und ließ sich nicht mehr bedienen. Dadurch musst ich in den Shop gehen, indem ich es gekauft hatte. Und siehe da, die zwei netten Chinesinnen erkannten mich sofort wieder und kümmerten sich um mich. (Klimperklimper) Sie haben mich zur Servicestation geführt und nach 15 Minuten hatte ich eine neue Software drauf und das ganze für…NICHTS. In Deutschland hätte man es einschicken und nach 3 Wochen Wartezeit noch eine Gebühr von mindestens 60 € entrichten müssen.
Dies ist hier allerdings eine Ausnahme eigentlich regiert in der Volksrepublik das „Mei you“ – Syndrom. “Mei you” heisst übersetzt “nicht haben” und ist eine Art chinesische Universalantwort auf jede Frage, die man nicht versteht, nicht verstehen will, oder auf die man keine Antwort weiss. Frage an den Verkäufer: “Entschuldigen Sie, gibts hier irgendwo…” – “Mei you!” – “…Feuerzeuge, Reißzwecken, Verlängerungskabel, Kerzen?” – “Mei you! Mei you!” Gut! Ähnliches gilt in der Uni im Ausländerbüro: „Ich möchte Bücher kaufen!“ Mei you! „Wann sind Ferien?“ Mei You! In einem Cafe, auf die Frage nach Wireless LAN. “Was?” – “Wireless Internet.” – “Aah… mei you!” Mein Blick fällt auf einen jungen Mann, der zwei Meter entfernt einen Cappuccino schlürft und dabei seelenruhig auf seinem Laptop im Netz surft. Mei you. Mei you. Mei you… *Kopfschütteln* Nach langem Beten und Betteln geht man endlich auf einen ein. Nun ist es aber nicht so, dass die Chinesen unhöfliche Menschen sind. Ich würde hinter dieser Haltung vielmehr das Muster vermuten, dass es unhöflich wäre, mit “ich weiss es nicht” (bu zhedao)  zu antworten. Denn dann könnte der Eindruck entstehen, man wolle seinem Gegenüber vielleicht gar nicht helfen. Dabei will man ja, man weiss halt nur nicht wie. Also gibt man lieber eine entschiedene Antwort – auch wenn sie falsch ist.
Anderes positives Beispiel: Als meine Uhr kaputt war, ging ich Abends um 7 zu einem Uhrmacher in einer kleinen Seitenstraße… „Ja reparieren ist kein Problem, aber es könnte etwas länger dauern…“ Hmm ok, wenn es keine drei Wochen dauert kein Problem. Ich hole die Uhr auch nächste Woche ab. Nein, nein so lange doch nicht, wir haben bis 24 Uhr geöffnet, geh ruhig was essen in 2 Stunden hast du Sie wieder! YEAH, Wahnsinn! Chinesen wissen auf alle Fälle wie man mit „reichen“ oder ausländischen Kunden umgehen muss und wenn Sie einmal nicht ihr Gesicht verlieren können, machen Sie wirklich alles menschenmögliche um einem zu helfen! Nach 2 Stunden hab ich meine Uhr wiederbekommen und wieder einmal für….. NICHTS!!!

Liebe Grüße aus China
Franz

 



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