Das Leben ist unberechenbar

Es gibt einen inneren Statiker in uns. Einen Charakter, der immer und alles berechnet bis auf den kleinsten Millimeter genau. Dieser Statiker liebt Statistiken und Tabellen, wie kein anderer und am liebsten wuerde er heute schon in der Zukunft leben und den ganzen Tag mit einer Brille herum laufen, die ihm alle Daten vor seinen Augen einblendet.

Kein Problem loest er, ohne alle Fakten zu kennen und je mehr Fakten und immer neue Fakten er erhaelt, umso besser. Er ist so Zahlenversessen, dass er mit einem nicht umgehen kann …

Das Leben ist unberechenbar

Sternfahne

Yap, das boeseste Wort, das ein Statiker wahr nehmen kann. Unberechenbarkeit, wie ungeheuerlich! Derweil ist sogar die Natur nach dem “Goldenen Schnitt” berechenbar, wie kann das das Leben unberechenbar sein? Und warum ist der Statiker ueberhaupt ein “Er”? Die Zweite Frage ist ganz einfach zu beantworten: Kennt ihr eine Frau (mit wenigen Ausnahmen) die Mathematik liebt und mit Zahlen (außer den Zahlen beim Bezahlen mit der Kreditkarte des Mannes) souveraen und begeistert umzugehen weiß? Ich weiß, was in der SpielWelt mit dem Chefstatiker Archimedes geschieht – und das tue ich dem weiblichen Geschlecht nicht an. (Dafuer anderes … schlimmes … ;-) )

Die erste Frage ist schon komplizierter zu beantworten. “Leben ist das, was Dir passiert, wenn Du dabei bist Plaene zu machen.” sagte schon John Lennon. “Erstes kommt es immer anders und zweites, als man denkt.” (Stimmt, diesen “Man” kenne ich immer noch nicht.) Leben hat etwas mit Abenteuer zu tun, Risiko, Unbekanntem, Neuem, nicht wissen, was der Tag bringt.

Wir koennen unseren ganzen tag Planen und Plaene schmieden, ueberdenken, neu planen, neu ueberdenken, noch bessere Informationen suchen, noch mehr Website und Blogs befragen, Tests und Funseiten konsultieren, Freunde nicht nur ausquetschen – sondern aussaugen, schlaflose Naechte haben, wieder von vorne beginnen und noch mehr Buecher lesen … oder einfach mal anfangen. Das Leben reagiert dann schon. Der Statiker in uns will oft alles genau wissen, jede Berechnung im Kommabereich exakt ausfuehren, ehe er uns erlaubt, einfach mal das Vorhaben ausprobieren. Er ist ein Freund von Aufschieberitis, der oft lange genug eine Aktion verhindert um weiter Fakten zu sammeln, bis die Katastrophe nicht nur vor der Haustuere steht, sondern bereits geschehen ist. Das ist ein Problem des Statikers, wenn er alleine fungiert und alle Verantwortung auf ihn ruht. Er kann keine Entscheidung treffen – das muesst ihr tun.

Ein Beispiel:

Ihr kennt vielleicht die Situation, ein Problem oder immer wieder die gleiche Situation zu haben und nicht so wirklich die passende Loesung zu finden. Ihr lest haufenweise Buecher zu dem Thema, sprecht mit Freunden, die das Problem haben und habt einfach das Gefuehl, noch nicht genug zu wissen, um eine Entscheidung zu treffen. Also lest ihr weitere Buecher und besucht Websiten, immer mit der Hoffnung, da ist noch mehr, was ihr braucht, was ihr finden muesst. Euer innerer Statiker sortiert mit Fakten und Fakten und sucht immer weiter nach Loesungen. Er Fahrt richtig zur Hoechstleistung an Plaene schmieden auf. Waehrend Ihr ihn weiter fuettert und sucht und sucht und sucht und seid so mit Suchen beschaeftigt, dass ihr das Leben verpasst. Dann geschieht das, was viele ihre “Dunkelste Stunde” nennen – das Leben antwortet, so Knueppelhart, weil ihr es sonst gar nicht mehr bemerkt und bringt den Stein endlich ins rollen.

Wozu brauchen wir einen inneren Statiker?

SpielWelv3t-GluehlampeJeder von uns hat ins ich die Faehigkeit, Plaene fuer sein Leben zu schmieden. Wir sammeln Daten und Fakten und entwerfen daraus unseren Lebensplan. Bei vielen wird er “Heirat-Familie-Haus-Beruf” beinhalten. Bei wenigen wird es spezifischer und genauer sein. “Familie-Freunde-Wohnort-Beruf-Haus-Auto-Erfolg-Haustier-Finanzien-Spirutalitaet-Persoenlichkeit-Karriere-Freizeitgestaltung-Reisen-Hobbies-Sport-Charakter-Bewusstsein-Technik-Kleidung-Bildung-Auftreten-Verantwortung-Ehrenamt-Engagement-… .” Unser Statiker “berechnet” das Optimale nach unseren Vorgaben, gibt Vorschlaege fuer Zielvorgaben, Zeitraeume. Er erkennt auch, was uns fehlt, um unsere Ziele zu erreichen, was wir lernen muessen, wohin wir uns veraendern muessen, was wir tun muessen – ich schreibe hier bewusst muessen, denn wer seinen Lebensplan leben will, KANN nicht auf der Couch sitzen bleiben sondern MUSS den Weg gehen.

Leider hat so eine Couch eine eingebaute Schwerkraft, die es uns schier unmoeglich macht, uns zu erheben. Die Lebensfuehrung klingt verlockend und unser Statiker hat uns alles schoen duschkalkuliert. Wirklich? Gehen wir doch mal auf Nummer sicher und lassen ihn noch mehr Fakten und Daten checken, die Couch ist noch ein wenig zu bequem. Also lesen wir zwar jede Menge Informationen, die unser Statiker analysiert, uns einen Plan aufschreibt, der dann tagelang angestarrt wird und oft vergessen irgendwo schlummert. Neue Runde, neuer Zettel. Dies Mal aber. Der Plan ein wenig verfeinert … aber Moment. Da haben wir noch nicht alle Fakten. Also wieder ein Buch gelesen und noch weiter perfektioniert. Der Statiker in uns freut sich wie Bolle, ueber die Aufmerksamkeit und tut sein Bestes – uns noch mehr zu gefallen. Und Optimiert, und Optimiert, und hofft, das das Leben nie an unsere Tuer klopft – denn er weiß, es ist unberechenbar.

Ich weiß nicht, wie viele Zettel ich in meinem Leben schon vollgekritzelt habe, zusammen mit meinem Statiker. Wie oft ich angefangen habe, etwas aufzuschreiben, um zu tun – und dann den Zettel wieder tagelang nicht beachtet habe. Einen neuen Zettel zur Hand nahm. Festgehalten, was ich in dem aktuellen Buch gerade gelesen habe, akribisch geschrieben und verbessert. Durchgestrichen und neu geschrieben, tagelang – den Zettel wieder verlegt. Ok, nochmal, irgendwann muss doch?

Wir koennen so lange Plaene schmieden, wie wir wollen. Jeder Plan ist vollkommen nutzlos, wenn er nicht in die Realitaet umgesetzt wird. Warum? Weil wir immer wieder von neuem Anfangen und nie ueber die Planungsphase hinaus gelangen. Alle unsere Traeume und Ziele bleiben ein Stueck Papier. Inzwischen hat der Statiker so die Herrschaft uebernommen und ist kaum noch auszubremsen, dass er zusammen mit der Aufschieberitis unser Leben beherrscht – warte noch mit dem Leben, da brauchen wir erst noch mehr Informationen! Der Plan wird umgeworfen, veraendert und hat gar keine Chance, zu zeigen, wie gut er funktioniert und uns hilft, mit dem Leben nicht nur besser zurecht zu kommen, sondern seine Auflage zu erfuellen – unseren Zielen naeher zu kommen.

Diese Plaeneschmieden hat einen weiteren gravierenden Nachteil, unser Unterbewusstsein erhaelt die Praegung mit allen Wuenschen immer weiter zu warten – bis es sie uns gar nicht mehr erfuellt. Was wollest Du Gestern? Eine Gehaltserhoehung um 2.000,00 EUR! So richtig schoen euphorisch nach dem neuesten Buch der Wuenscheerfuellung und dem Glauben, ich kann alles haben! Wie sieht es heute aus? Bist Du froh, wenn es ueberhaupt 100,00 EUR sind? Warte mal, der Chef ist grad mies drauf, 20,00 Kroeten waren auch schon was. Oder doch 500,00? Nimm irgend ein Beispiel aus Deinem Leben und beobachte Dich ein paar Tage ganz genau kritisch – ist das, was Du gestern wolltest, heute immer noch das, was Du voller Ueberzeugung willst? Und morgen? Das Unterbewusstsein und vor allem das Leben ist kein Wunschkonzert, dass im Sekundentakt den Titel aendert. Das Leben ist Harmonie und Erfuellung.

Das, was uns im Grunde davon abhaelt, immer weiter Plaene zu schmieden, ist die Angst, die falschen Wuensche zu haben. Die Angst davor, dass es vielleicht mehr geben koennte, oder besseres. Und wenn wir zu wenig wünschen, dann haben wir die rote Karte. Wieso? Warum? Ich kann immer wieder meine Plaene erweitern und Aufstocken. Ich muss nicht fuer den Rest meines Lebens bei 20 Euro mehr bleiben, um bei dem Beispiel Geld zu bleiben. Ich kann danach 50 Euro haben, 100, 200. Meine Wuensche und Ziele sind nicht in Stein gemeiselt. Nur verhalten wir uns oft so, als ob sie sich dann nie mehr aendern duerfen.

Außerdem brauchen wir uns gar nicht verrueckt zu machen. Meistens kommt es sowieso ganz anders, als wir geplant haben. Weil wir nicht mal sehen koennen, wer morgen durch unsere Haustuere spaziert. Wir planen ein Leben, in dem wir im Grunde blind sind. Wir sehen nur das, was wir in uns wollen, und hoffen, dass es von außen an unsere Tuer klopft – und zwar genau so, wie wir es verdammt noch mal geplant haben.

Das Leben macht es uns allerdings nicht so leicht. Warum? Willst du ab morgen, dass alle Menschen auf diesem Planenten Dir sagen, wann Du wo zu sein hast, um ihre Wuensche zu erfuellen? Willst Du, das morgen das Leben mit einer Liste an ToDo`s an Deine Tuer klppft und sagt:

“So, jetzt uebernimmst Du mal meinen Job! Aber flott, jetzt, wir haben einen Zeitplan. In 10 Minuten bist Du in Muenchen, dort triffst Du Karl Heinz und gehst mit ihm Kaffe trinken, dort wartet Susie, die mit Karl-Heinz zusammen kommen soll, um spaeter von ihm betrogen zu werden. Sie muss vorher aber erst mal Telefonisch mit Michael schluss machen, wegen Karl-Heinz. Dann flitzt Du schleunigst nach Berlin, um dort Michael anzurempeln, damit er einen Hundert Euro Schein findet und seine Kinder gluecklich machen will. Vorher erzaehlt er es seiner Tante und es Ilse, die es ihrer Nachbarin Beatrix mit dem Handy erzaehlt. Dann gehts gleich weiter zu Beatrix in den Supermarkt, um ihr den Geldbeutel zu klauen damit sie mit ihrem Gejammer das Geschenk an die Kinder von Michael verhindert, weil Ilse ihm die Ohren ueber den Raub an der armen Freundin vorjammert. Auf Grund seiner schlechten Laune ruft er eine alte Bekannte an – Doris. Den Geldbeutel von Beatrix gibst Du dann Frank, der ihn … ? WAS GUGST DU SO! Du willst doch Dein neues Smartphone geschenkt haben, oder? Also, du Geizhals, dann musst Du mal Gas geben hier und dafuer sorgen, dass es Dir auch einer schenken kann … .”

Ganz Ehrlich? Ich bin froh, dass ich nicht den Job des Lebens machen muss. Und ich bin froh, dass ich nicht weiß, was morgen durch meine Tuer kommt und ich auch nicht weiß, wie viele Menschen da draußen irgend etwas erleben, weil ich Plaene habe. Mir reicht es vollkommen, mit meinem Statiker einen Plan anzufertigen, ihn dann schoen brav mit einer Tasse Kaffe in die Pause zu schicken und einfach vertrauensvoll loslegen. Um den Rest …

… kuemmert sich das unberechenbare Leben. :-)

Das Leben ist unberechenbar

Wir sehen uns in der SpielWelt, wach auf und veraender Dein Leben

Danke fuer Deine Unterstutzung.

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