Das Lädelisterben und die simplen Schuldzuweisungen

Das Lädelisterben und die simplen Schuldzuweisungen

Momentaufnahme April 2017:
Leerstände in der stagller Innenstadt

Der stgaller Detailhandel steht vor grossen Herausforderungen, das Thema Lädelisterben ist in aller Munde, und das gilt auch für den Detailhandel anderswo, in der Schweiz und darüber hinaus.
Die schlechten Nachrichten dazu reissen kaum ab, ob Musik Hug, aktuell gleich zwei Schuhläden oder der Finnshop in St. Gallen, die OVS Pleite, ein Einkaufszentrum in Arbon, oder gar die Mall of Switzerland, die erst im November 2017 eröffnet wurde.

Das Lädelisterben und die simplen Schuldzuweisungen

Betriebsformen des Handels

Nüchtern betrachtet handelt es sich um einen fortwährenden Strukturwandel im Detailhandel, den es schon immer gab.
Betriebsformen im Handel unterlagen schon immer einer gewissen Dynamik, neue Formate haben bestehende in Bedrängnis gebracht, so haben Supermärkte, Kaufhäuser, Discounter, Fachmärkte oder Drogeriemärkte traditionelle Detailhändler immer wieder in Bedrängnis und gar zum Verschwinden gebracht.
Neu an der gegenwärtigen Entwicklung ist, dass nicht nur ein Flächenformat ein anderes Flächeformat verdrängt, sondern dass vor allem der Onlinehandel traditionelle Handelsformate bedrängt. Deswegen wird der Sturkturwandel durch Leerstände deutlich sichtbar, sichtbarer als früher.
Im Zentrum des Strukturwandels standen und stehen veränderte Kundenbedürfnisse und ein entsprechend angepasstes Kundenverhalten. Das geht bei den vorschnellen und überaus einseitigen Schuldzuweisungen für das Lädelisterben gern vergessen.
Für die einen ist vor allem eine vermeintlich links-grüne Verkehrspolitik schuld:
"Im laufenden Abstimmungskampf um die Mobilitäts-Initiative sind sie ein gewichtiges Thema: die Parkplätze. Für die bürgerlichen Befürworter des Volksbegehrens ist und bleibt ihr Verschwinden aus dem Stadtzentrum eine gewichtige Ursache für das Phänomen, das allgemein als «Lädelisterben» bezeichnet wird." (Tagblatt, 20.2.2018)
Ein Blick auf die verfügbaren freine Parkplätze in der stagller Innenstadt widerlegen dies eindeutig. Und wenn es vermeintlich tatsächlich an den Parkplätzen bzw. der Verkehrspolitik liegt, wie ist es dann zu erklären, das Shoppingcenter mit eigenen Parkhäusern in der Schweiz vor Problemen stehen oder dass in den USA mit einer definitiv mehr als autofreundlichen Verkehrspolitik reihenweise Detailhändler und grosse Malls zumachen müssen.
Für die anderen sind es die profitgierigen Vermieter, denen man am besten eine Strafabgabe für leer stehende Läden aufbrummen sollte, Marcel Baur hat dies treffend als Palliative Care by SP bezeichnet. Darüber hinaus berichtetet der Tagesanzeiger vor wenigen Tagen: Erstmals fallen die Ladenmieten an bester Lage. (paywall)
Beides ist natürlich, gelinde gesagt, Blödsinn - und ignoriert völlig sowohl die Konsumten sowie die Vielschichtigkeit des Themas. Das Lädelisterben und der Strukturwandel haben zahlreiche Gründe, deren vernünftige öffentliche Diskussion heute aber kaum möglich scheint.
Anstatt zu jammern und die Schuld ausnahmslos bei den anderen zu suchen, wäre die gemeinesame Suche nach konstruktiven Ideen und Lösungen sinnvoll und hilfreich, davon spürt man aber bis auf wenige Ausnahmen kaum etwas.
Ein konkreter Weg, der auch in St. Gallen umgesetzt wird, sind die sog. Pop-Up-Shops (Geschäfte auf Zeit), die kommen und gehen. Das Konzept mag denen, die eine stabile Struktur von alt eingesessenen Läden (wie z.B. Zollibolli in St. Gallen) bevorzugen, massiv gegen den Strich gehen. Andererseits entsprechen Pop-Up-Shops möglicherweise genau dem aktuellen Zeitgeist des schnell wechselnden Konsums und der Always Beta Kultur.
Ein ganz anderer Weg ist die Neudefinition des Ladenlokals. Immer noch wird das Ladenlokal vorwiegend als Verkaufsfläche verstanden, möglichst vollgepackt mit Waren, die Fläche muss ja ausgenutzt werden. Als Konsument fühlt man sich nicht selten eher in einem begehbaren Lager als in einem Verkaufsraum - nicht zuletzt die Discounter haben das Konzept hoffähig gemacht. Nicht nur einst reine Onlinehändler wie Digitec zeigen uns, dass das Ladenlokal durchaus auch heute noch Sinn macht. Auch der Zürcher Brillenhersteller Viu kombiniert On- und Offline geschickt als komplementäre Ergänzung - anstatt immer noch von Kanälen, egal ob Multi- oder Omni-Channel) zu reden:
"Der Laden ist viel mehr Bühne statt Lager" (NZZ 22.8.2017)
Technologieanbieter wie Hointer aus den USA zeigen ebenfalls Wege auf, wie die Ladenfläche neu interpretiert werden kann.
Über die Nutzung der Landenffläche hinaus geht es in einem grösseren Zusammenhang aber auch darum, wie wir es schaffen, Innenstädte (wieder) zu Begegnungszonen zu machen, auch nach Ladenschluss und am Wochenende. Es stellt sich also die Frage, welche Rolle der öffentliche Raum im Onlinezeitalter noch haben soll, und kann. Auch McKinsey macht sich Gedanken, wie man den urbanen Lebensraum revitalisieren kann.
Sicher, niemand kann wissen, welche Konzepte sich druchsetzten werden, soll heissen vom den Konsumenten und Bewohnern akzeptiert werden. Sicher ist nur, dass der- oder diejenige, die den Kopf in den Sand steckt getreu dem Motto weiter so wie bisher über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden wird.
Sich am Kunden orientieren, mit neuen Formaten experimentieren und offen sein für Innovationen, das macht unternehmerisches Handelb aus und würde auch dem Detailhandel gut tun.
(Lesenempfehlung:
Kundenorientierung, Wachstum, Experimentierfreude - Schlüsselfaktoren für Amazons Erfolg)

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