Das jüngste Gericht

Titel21

Es war ein Amateur Astronom, der das Raumschiff zuerst entdeckte und es war riesengross. Als es in eine Erdumlaufbahn einschwenkte konnte man es von blossem Auge sehen. Die Erde bekam Besuch von Aliens.

Die meisten Regierungen versuchten das Ereignis zu leugnen, später zu verschleiern und als das auch nicht mehr ging, herunterzuspielen.

Doch hinter den Kulissen ging das Rennen um die Kontaktaufnahme mit den Aliens los. Jeder wollte der Erste sein: die UNO, die USA, die Russen, die Chinesen, der Vatikan und Scientology. Alle verfügbaren Antennen der Radioastronomen wurden auf das Raumschiff gerichtet. Einerseits um zu lauschen und eventuell Signale aufzufangen, andererseits um Grussbotschaften zu senden. Auch die grossen Rundfunk und Fernsehstationen sendeten Botschaften an die Aliens, dazu unzählige Radioamateure und Schwarzsender. Alle irdischen Themen spielten keine Rolle mehr und eine Talkshow reihte sich an die nächste, in der alle möglichen und unmöglichen Szenarien immer wieder diskutiert wurden.

Die Regierungen rund um die Welt hatten Krisenstäbe eingerichtet und versetzen ihre Armeen in den Alarmzustand. Manöver wurden abgehalten und Strategien entworfen, wie man das Raumschiff abschiessen könnte, wenn sich die Aliens als feindlich erweisen würden.

In vielen Ländern brachen Unruhen aus. Die Menschen gingen nicht mehr zur Arbeit, viele verübten Selbstmord oder pilgerten auf einen Berg oder an einen heiligen Ort um wahlweise das Ende der Welt oder deren Erlöser abzuwarten.

Die NASA hatte das Raumschiff inzwischen vermessen. Es war äusserst elegant und sah aus wie eine Kopie aus einem Science Fiction Film. Doch seine Grösse überstieg alle Erwartungen und Befürchtungen: es war mehr als hundert Kilometer lang.

Die Russen starteten notfallmässig eine Sojus Kapsel mit drei Agenten des KGB in Richtung des fremden Raumschiffes, die Amerikaner holten in aller Eile einen Space Shuttle aus dem Museum und entsendeten eine Spionagesatelliten, der ursprünglich für den NSA vorgesehen war. Schliesslich einigte man sich darauf, die Internationale Raumstation in die Nähe zu manövrieren. Die Bilder, die die Astronauten zur Erde sendeten, waren atemberaubend. Nicht nur wegen der unglaublichen Grösse des Schiffes. Es sah so menschlich aus, der Entwurf hätte von der Erde stammen können. Doch war kein Lebenszeichen der Besatzung auszumachen. War an Bord vielleicht ein Unglück geschehen und hatte der Autopilot das Schiff in eine Umlaufbahn um den nächsten bewohnten Planeten manövriert?

Die Sojus Kapsel mit den KGB Spezialisten hatte inzwischen an der ISS angedockt und die Agenten drängten darauf, an das Alienschiff anzudocken und einen Weltraumspaziergang zu unternehmen. Der nachfolgende Disput an Bord der Raumstation zwischen Amerikanern und Russen führte zu einer Krise zwischen Russland und den USA und wüsten Drohungen von beiden Seiten.

Inzwischen waren die Chinesen nicht untätig geblieben und hatte eine eigene Rakete mit einem Taikonauten hochgeschossen.

In diesem Augenblick meldete sich das Alienschiff. Auf allen Fernsehkanälen der Welt erschien das gleiche Bild: Eine wunderschöne junge blonde Frau in einem roten Abendkleid. Sie lächelte in die Kamera und sagte in allen Sprachen gleichzeitig:

„Ich bin Gott und ich bin gekommen, um über euch zu richten.“

Die Fernsehanstalten hatten keine Kontrollen mehr über ihre Satelliten und Bodenstationen. Die Signale aus dem Raumschiff waren so stark, dass sie sogar auf dem Bildschirm jedes Handys und jedes Computers erschienen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wie Experten versicherten.

Die Nachricht der Frau in Rot schlug ein wie eine Bombe. Islamische Rechtsgelehrte erliessen Fatwas am Laufmeter und der Vatikan ernannte Inquisitoren und verlangte von den Aliens die Auslieferung der Ketzerin. In vielen Städten brachen darauf Unruhen aus. Nur die Orthodoxen in Jerusalem reagierten anders. Sie jubelten und tanzten in der Strasse.

Als die Nachrichtenkanäle wieder frei waren, wurden die Medien angewiesen, das Ganze als Inszenierung einer bisher unbekannten Terroristengruppe darzustellen.

Insgeheim montierten die Atommächte Wasserstoffbomben auf ihre Raketen, die in der Lage waren, das fremde Schiff zu erreichen.

Da meldete sich die Frau in Rot wieder, die behauptete, Gott zu sein.

Sie wolle in drei Tagen eine Pressekonferenz abhalten, bevor das jüngste Gericht seine Tätigkeit aufnehmen werde. Die Konferenz solle in New York bei der UNO stattfinden. Und dann sagte sie noch folgenden Satz, der den Regierenden, ihren Militärs und den Geheimdiensten das Blut in den Adern gefrieren liess:

„Das mit den Atombomben ist keine gute Idee.“

Fortsetzung folgt



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