Das Buch und die Zukunft / Das amerikanische Erfolgsdenken

(Von der Unzulänglichkeit des amerikanischen Denkens)

Da gibt es so eine amerikanische Hirnforscherin, Maryanne Wolf, heisst sie, und die Dame sieht jetzt unsere Hirne in Gefahr – weil wir zu viel digitales Lesen betreiben. Das Digi-Lesen verführt uns nämlich `… zur unkonzentrierter Informationssuche, die das selbstständige Denken untergrabe` und uns `die Freude einer tieferen Leseerfahrung vorenthalte`.

(Mehr darüber hier)

Das ist alles Quatsch, was die Amerikanerin da erzählt.

Wäre das nämlich so, wie sie denkt, so würden wir heute noch unsere `Bildung` (= Weisheit) von den Tontafeln in Keilschrift ablesen*. Jede Zeit denkt nämlich, das perfekteste System der Kulturvermittlung entwickelt zu haben. Das stimmt natürlich: jede Zeit ist der Gipfel der Kultur. Zur Gilgamesch-Zeit war die Tontafel das perfekteste Schriftkonservierungs-System, zur Zeit von Sinhue das Papyrus, zur Zeit von Odysseus Pergament, zur Zeit `Parsifals Papier. Heute heisst das perfekteste Medium Bildschirm, morgen würde es vermutlich DRM heissen: Dreidimensional-Räumliche-Multimedia.

Versteht man es? Keine Zeit kann das Ende der Entwicklung bedeuten. Nur der Tod kann das Ende der Entwicklung bedeuten – oder Gott**.

Also wird auch die Zeit nach unserer Zeit (die wir uns nur als Zeit der Bücher vorstellen können) eine perfekteste Form der zivilisatorischen Systeme entwickeln. Frau Wissenschaftlerin da kann in dieser Hinsicht absolut beruhigt sein. Sie hat nur viel zu amerikanisch gedacht. Amerikanisch bedeutet erfolgsbezogen. Frau Wissenschaftlerin wollte einfach auch Mal was Kluges sagen und damit von sich reden machen, um eben Erfolg zu haben.

Das ist die selige amerikanische Einfalt, aber die Amerikaner haben wirklich Erfolg damit. Man redet über sie.

*Eigentlich würden wir die Schrift überhaupt nicht erfunden haben! Was die Dame meint, ist ein Kulturstillstand, also keine weitere Entwicklung.

**Gott könnte diese Schöpfung überhaupt nicht gestartet haben, da Gott absolut perfekt sein muss, also überhaupt keine Veranlassung hat, sich zu wandeln, etwas zu erschaffen. Gott, die Perfektion an sich, kann nur das Ende jeder Entwicklung bedeuten. Gott ist das Ziel der Schöpfungsbewegung.

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