„Da steh ich nun, ich armer Tor…

… und bin so klug als wie zuvor.“

Johann Wolfgang von  Goethes „Faust“, von vielen als das größte Werk der deutschsprachigen Literatur gefeiert, gehört zur Pflichtlektüre an Schulen und das, zumindest meiner Meinung nach, völlig gerechtfertigt. Abgesehen von der Aktualität des Stoffes, den breitgefächerten, angesprochenen Themen und der unzähligen Interpretationsmöglichkeiten, gilt Goethes sprachliche Stilistik noch heute als unangefochten und viele Zitate aus dem „Faust“ sind fest in den Sprachgebrauch übergegangen. Goethe zu lesen, darüber zu diskutieren und Deutungsmöglichkeiten zu suchen, zählt dementsprechend zur Allgemeinbildung.

Auch in meinem Deutsch-Kurs wurde in den letzten Wochen und Monaten Goethe gelesen und zum Abschluss sollte jeder ein kleines Resümee schreiben. Eingereicht wurden zahlreiche Lobeshymnen auf die Genialität Goethes und das, obwohl nur die Hälfte des Kurses diese Tragödie überhaupt gelesen hatte…
Obwohl mir selbst die Bedeutung des Werkes durchaus bewusst ist, kann ich dem „Faust“ und seinem Autor im Allgemeinen nicht viel abgewinnen. Die Figur des Doktor Faust ist für mich zutiefst abstoßend, ein verblendeter, grenzenlos egoistischer Mann, der nach etwas Unerreichbarem strebt, ohne auf seine Umwelt und seine Mitmenschen zu achten. Am Ende von „Faust II“ wird Faust trotz aller Vergehen erlöst, als Begründung wird angegeben, er habe immer „strebend sich bemüht“. Es heißt also, wer sein Leben lang nach etwas strebt, braucht dabei nicht erfolgreich zu sein, solange er sich bemüht, das Ergebnis steht nicht zur Debatte. Dies entspricht nicht meiner Auffassung, da ich denke, dass sich der Mensch hauptsächlich über sein Handeln definieren sollte. Wer sein Leben lang nach etwas strebt, ohne voranzukommen und sich nur bemüht, der kann nicht glücklich sein. Zudem können Bemühungen in die völlig falsche Richtung laufen, allein deshalb muss man das Ergebnis betrachten.

Auch Goethe als Mensch kann ich nicht ernst nehmen, seine Werke somit nicht unvoreingenommen lesen. Auf mich wirkt er seltsam teilnahmslos, niemals für etwas wirklich und tatkräftig begeistert und beim Lesen kann ich die Gefühle seiner Figuren nicht nachvollziehen. Wenn ein Mann wie er, mit viel Geld, Lastern und der Freiheit, fast alles zu tun und zu lassen, dann auch noch predigt, die weltlichen Güter seien nicht alles, sie selbst aber vollends auskostet, dann kann ich so einen Mann nicht für voll nehmen oder sogar bewundern.

Schlussendlich ging es mir nach der Lektüre ähnlich wie dem Doktor Faust. Da saß ich nun, ich armer Tor, und war wirklich kaum klüger als zuvor…


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